Full text: Hessenland (46.1935)

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Posse war er tätig, in vielen ernsten Rollen seine 
schauspielerische Kunst bewährend, vor allem aber 
unerschöpflich und einzig auf dem Gebiet der 
komischen Darstellung. Nie hat ihm hier die 
Gabe des Humors versagt, und fern von jeder 
Uebertreibung hat er auch in der kleinsten Rolle 
nach höchster Wahrheit gestrebt und stets künst 
lerisch Vollendetes geboten. Darum fehlte es ihm 
auch nie an der allgemeinsten Anerkennung, über 
seine Leistungen auf der Bühne herrschte von je 
nur eine Stimme". Und nun gleich die andere 
Seite seiner Kunst zu berühren: „Neben seiner 
schauspielerischen Tätigkeit entfaltete Häser auch 
eine musikalische. Der hervorstechendste Charakter- 
zug in Häsers Tondichtungen ist die innige, wir 
möchten sagen, fromme Gemütswärme, die fie 
atmen. Seine Lieder haben mit der, namentlich 
seit Robert Schumann üblich gewordenen, geist 
reichen Verarbeitung des Gesangstextes nichts zu 
schaffen; sie gehören zur alten Schule der Lieder- 
kompofitionen, ein eigentümlich feiner, poetischer 
Duft, das oft zauberische, oft raffinierte und eher 
betäubende als wohltuend wirkende Arom, wie es 
z. B. die Gesänge von Robert Franz aushauchen, 
vermißt man in den Häserschen ganz und gar. 
Seine bestgelungenen find einfach und schlicht, 
aber tief und warm empfunden. Ein so simples, 
schmuckloses, aber wahrhaft frommes, köstliches 
Liedchen wie Häsers „Ständchen" (Gedicht von 
Reinick) konnte nur ein mit keuschester Gemütö- 
innigkeit begabter Mensch hervorbringen. Die 
erste Anregung zum Komponieren erhielt Häser 
durch die Entstehung des Kasseler „Liederkranzes". 
Für diesen Verein, der seine Zusammenkünfte an 
fänglich im Luckhardt'schen Garten hatte, wurden 
die frühesten Häserschen Quartette geschrieben. 
Die zuerst durch den Stich vervielfältigten Kom 
positionen des Künstlers find die weit verbreiteten 
„Frühlingstoaste". Unter den mit Opus 3 be 
zeichneten Männergesängen (Verlag Luckhardt, 
Kassel) findet sich auch diejenige Tondichtung, die 
in einem Maße, wie wenige der Neuzeit populär 
werden sollte: „Der2Vald" (O iWald mit deinen 
duft'gen Zweigen). Außer Mendelssohns be 
rühmtem „Abschied vom Wald" (Gedicht von 
Eichendorff) ist kein neueres, für Männergesang 
geschriebenes Lied so zum Liebling aller deutschen 
Gesangvereine geworden wie diese Schöpfung Hä 
sers. Sie hat ihren Weg über den Ozean gefun 
den und immer wieder in fernen Landen die Sehn 
sucht nach der unvergessenen Heimat geweckt. So 
blieb sein Name gekannt und geehrt weit über die 
Grenzen seines deutschen Vaterlandes hinaus, so 
weit nur deutsche Lieder erklingen." Nach der 
Mitteilung einer englischen Musikzeitung von 
1679 soll Häser auch der Dichter dieses Liedes ge 
wesen sein. Von seinen zahlreichen übrigen Lieder- 
kompositionen sind „Za, müßte die Lieb' nicht 
scheiden" (Gedicht von Sternau) und „Zch weiß 
ein teuerwertes Land" (Gedicht von Altmüller) 
die bekanntesten. 
Man sollte meinen, daß ein Künstler, dem alle 
Herzen entgegen schlugen, weil er so viel Sonne 
in sie zu zaubern wußte, nun auch selbst ein son 
niges Dasein geführt haben müßte. Aber es lag 
ein tiefer Schatten über dem Leben dieses Man- 
neö. Wir kennen seit je die absolute Unfähigkeit 
mancher Künstler, hauszuhalten. Und doch lag 
die Schuld an den materiellen Bedrängnissen Hä 
sers wohl nur zum kleinsten Teil an ihm selbst. 
Er bezog während seiner langen Bühnenlaufbahn 
ein verhältnismäßig geringes Zahreögehalt von 
900 bis 3000 Mark, das er aber bei den steten 
Abtragungen seiner Schuldenlast wohl nie voll 
zählig erhalten hat, so daß er fich bis in seine alten 
Tage hinein die größten Entbehrungen auferlegen 
mußte. 
Sein von Direktor Feige, Hofrat Vogel und 
Louis Spohr unterschriebener Kontrakt vom 10. 
Oktober 1833 ist noch erhalten. Darin verpflich 
tet sich der 24jährige gegen ein Zahreögehalt von 
300 Talern hauptsächlich für Väter- und komische 
Eharakterrollen in Oper und Schauspiel, aber 
auch zur Uebernahme aller anderen ihm zugeteil 
ten Rollen, soweit fie seiner Individualität nicht 
entgegen waren. Dieser Kontrakt wurde dann 
immer wieder verlängert, später stieg dann die
        

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