Full text: Hessenland (46.1935)

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wie 1509/ii aus der Gemeinde Niederwald, kom 
men lassen. Versuche im Jahre 1691 mit Sen 
billigeren Buchen fielen ungünstig aus. Erst 1739 
gab man die Holzröhren endgültig auf. 1500 
kamen als Wettbewerber Tonröhren in Gebrauch. 
Ans Dreihausen kamen 1311 680 „lllnröhren" 
für die Leitung vom roten Hahn in den Renthof, 
1.577 die 1030 Tonröhren für den Schwanhof. 
1627/28 wurden 80 Röhren für den Anschluß 
der Landvogtei und 1332 Stück für die Haide 
leitung verwendet. Auch die Tonröhren konnten 
wegen ihrer Brüchigkeit nur oberflächlich verlegt 
werden. 
Bleiröhren gab es nur vorübergehend auf dem 
Schloß und der Haide; im Zwinger lagen sie noch 
im Jahre 1635. Auf der Haide lagen nach dem 
Rapport von 1766 von alters her gut erhaltene 
Mesfingröhren. 
Eisenröhren lieferten die im 16. Jahrhundert 
in hoher Blüte stehenden oberhesfischen Hütten. 
Die ersten Eisenröhren kamen 1575 aus Fran 
kenberg. Nachdem sie sich auf einer Versuchö- 
streckc in der Vorburg bewährt hatten, wurde die 
Druckleitung der ^Wasserkunst aus 110 Zenti 
meter langen, 39 Millimeter weiten Stücken her 
gestellt und entlang der Stadtmauer in einem 
begehbaren gemauerten Gang untergebracht. 1739 
ersetzte man die veralteten Röhren auf der Haide 
leitung durch 449, von Rommershausen für 500 
Taler gelieferte Eisenröhren in der Gesamtlänge 
von 710 Nietern, nachdem Kunckel und Breu- 
ning dargelegt hatten, daß die an sich kostspieli 
geren Metallröhren (pro Fuß 8 alb.) auf die 
Dauer wohlfeiler seien, als die Holzröhren (2 alb. 
8 h.). Zum Vergießen der 200 Zentner wie 
genden Röhren verbrauchte man 8 Zentner Blei. 
Noch 1766 war das Brunnengebiet auf der 
Haide ein Ntuseum von Röhrensorten: da lagen 
neben den neueren Rommershäusern alte Röhren 
aus Holz, Blei, Messing und Ton. 
Außer den laufenden Flickereien kamen oft 
Frostschäden vor. Ihnen verdanken wir zumeist 
unsere Kenntnis von der Anordnung der Leitun 
gen. In harter Winterarbeit mußten die Pflaster 
steine auögebrochen, die Röhren freigelegt und mit 
Feuer aufgetaut werden. 1757 sprangen auf der 
Haide 100 Eisenröhren durch Vereisung. Der 
Schloßkommandant v. Dittfurth bestellte deshalb 
auf Vorrat ebensoviele Röhren von Rommers 
hausen. Wie aus einer Eingabe des Bornmanns 
C. Coester aus dem Jahre 1763 hervorgeht, be 
nutzte man, wie noch jetzt hier und da auf dem 
Lande üblich, Mist als Schutzmittel gegen den 
Frost. 26 Wagen Mist und 16 Gebund Stroh 
wurden gebraucht, um den Wafferturm, die Lei- 
Lungen in der Vorburg und auf der Haide ein 
zudecken. 
Wenn trotz allen Bemühungen der Sachver 
ständigen 0) der „born uSblieben waz", mußten 
Fuhren aus dem städtischen Behälter am Renthof 
anöhelfen. Seit 1471 kommt mehrfach das be 
liebte Tragtier, der Esel vor, „der Vvafser auf 
die Burg trägt") 1492/93 aus dem Renthof. 
1496 wird Hans der Wasserführer erwähnt, wie 
wir ihm eingangs begegnet find. Später wurden 
Wafserfäffer von den Wagenpferden des Rent- 
hofö hinaufgefahren. Noch im Jahre 1738 wird 
auf die Erbitterung über diese miihsamen Trans 
porte bei Schnee und Eis hingewiesen. 
Versuchen wir ein Urteil über die zeitliche 
Folge der Wasserversorgungen zu gewinnen, so 
dürfte der Ziehbrunnen die älteste Anlage sein. 
Bergknappen aus dem nahen Siegerland hatten 
in der Ausschachtung alterprvbte Übung. Am 
weitesten entfernt von dem Angriffsgelände sicherte 
er bei Belagerungen die Besatzung der gisonischen 
Burg gegen das Verdursten. Eine ausreichende 
Wafserzufuhr war schließlich das A und Q einer 
Burggründung. Wahrscheinlich ist die Burg erst 
nach der Mündigkeit des Felsens erbaut worden. 
Die hydrostatische Leitung von der Haide fällt 
vermutlich mit der Grundsteinlegung des Fürsten- 
schlostes zusammen, wie man denn bei Beginn 
eines Hausbaues ein vorläufiges Wasserrohr legt. 
Die seit 1517 sicher bezeugte Wasserkunst arbei 
tete anfänglich mit Ouellwafser von Ockershau 
sen, seit 1576 i. W. für die Pferdehaltung mit 
Lahnwafser vom Grün. Mit dem Behälter im 
Angriffsgelände des Hains und dem Hebewerk 
im Tal, mußte fie einem Feinde unverzüglich er 
liegen. Die Nachricht von der Erneuerung des 
Borns auf dem Turm aus dem Jahr 1372 er 
klärt sich möglicherweise aus der Belagerung wäh 
rend des SternerkriegeS. 
6) In de» Akten kommen folgende landgräfliche An 
gestellte vor: 1457/60 ein Werkmann aus Treysa. 1502 
der Wagenknecht bei dem Born und Herr Johann der 
Bornleiter. 1515/24 Curt Bornleiter (1524 Klage des 
Katharinenklosters zu Fritzlar wegen mangelhaft ange 
legten Brunnens). 1567/85 Brunnenmeister Hans Laur. 
1582/85 Ludwig der Ärunnenleiter. 1589 Brunnenmei 
ster Kaspar von Frankfurt. 1608 wird der Bürger 
und Schreiner Heinrich Logener für die llhr und Was 
serkunst bestattet. 1625 Weigand Dauber, Brunnen 
wärter und Kunstbrunnenwärtcr Henrich Lotz. 1685 
wird eine Instruktion für den Wasserkünftler (noch 
1758 so genannt), den Wasser- oder Brunnenleiter, den 
Kunstwörter, erlassen. Der Mann wohnte in einem 
Raum über dem Kunstrad, während auf dem Schloß 
der Schloßbrunnenmeistcr saß. 1744 wird Joh. Jacob 
Rühl Bornmann für die Wasserkunst. 1767 C. Cöfter. 
Der zweite Teil: Die Wasserversorgung der Stadt 
Marburg erscheint in dem nächsten heft.
        

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