Full text: Hessenland (46.1935)

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Haus (23. auf Abb. 2) gereinigt, das Wasser 
zum Ausziehen in Zober geschleppt und selbigen 
verrammpt". Es handelte sich demnach um ein 
23echerwerk bescheidenen Formats. Von der 
Brnnnenstelle ans konnte man schon in mäßiger 
Tiefe ans Wasser stoßen 5 ). Als man ihn bis 
in das Grnndwafser Hinabtrieb, hatte man zwar 
einen nie versiegenden reichen Vorrat, dessen För 
derung aber recht mühsam war. Nach dem Rap 
port von 1766 steht das 2Vaster 6 Fuß hoch, sein 
Spiegel liegt 6 Fnß unter der Lahn. Innerhalb 
von 6 Stunden sammelten sich 18 Ohm — 2581 
L. an, sodaß die Tagesförderung 10,3 Raummeter 
erreichte. Das Schöpfwerk bestand ans einer 
Welle, die von 8 'bis 10 Nkann mit einem 
Schwengel gedreht wurde, und einem zwei Zent 
ner schweren Seil mit zwei Zubern zu 50 Maß 
(90 L.) Inhalt; es waren also 29 bis 30 Gänge 
nötig, um die Tageömenge emporznwinden. 
v. Gohr berichtet auch über die alte 17 Zentner 
schwere Kette mit 8 Kästen zn je 24 Nt aß, ins 
gesamt 345 L. Bei einer Probe zerriß die Kette 
durch ihre eigne Schwere. Er beantragt, da der 
rote Hahn anslies und neu erbaut werden mußte, 
eine bessere Vorrichtung, eine „Stellage" mit 
Zahnradbetrieb und Kette ohne Ende, die von 
4—5 Mann bewegt werden könne. Bei diesen 
Schwierigkeiten ist es verständlich, daß der Zieh 
brunnen nur beim Versagen der anderen Wasser- 
znsnhren benutzt wurde, ja, daß er lange Jahre 
still lag. 
Als Vorratsbrunnen diente ein großer 19 Fnß 
tiefer Behälter in dem Keller unter der Licht- 
nnd Silberkammer (L. in Abb. 2). Von hier ans 
konnte nach dem Bericht des Schloßkapitäns 
Brenning ans 1739 im Notfall Wasser durch 
ein Kettenhebewerk mit 10 Eimern 28 Fuß hoch 
emporgehoben werden, um den roten Hahn zn 
füllen. Der in der westfälischen Zeit verschüttete 
Schacht wurde 1680 ansgeräumt (Abb. 3). An 
Stelle der schwerfälligen Hebevorrichtung trat 
eine durch Gaö angetriebene Pumpe, die 6 Raum 
meter köstliches Trinkwasser täglich lieferte. Den 
Vorratsbrunnen füllt jetzt Regenwasser; es wird 
vori einem elektrischen Pumpwerk in einen zylin 
drischen Kessel in dem Keller des Lentehanses ge- 
3) Unter der 20—30 Meter dicken Kugelsandstein- 
zvne sind in das Gestein Tonbänke eingelagert; sie halten 
das durch die zahllosen Spalten und Klüfte einsickernde 
Regcnwasser als Schicht- oder Kluftwasser auf, das 
freilich in der nur mäßig großen Berwerfungsfcholle 
keinesfalls beträchtlich war. Immerhin konnte der 
Schacht ans solchem Wasserhorizont nach Stunden oder 
Tagen immer wieder vollaufen. 
schafft. Durch den Druck eingepreßter Lust steigt 
das Wasser in die Fenerlöschstellen des Schlosses. 
An der Bergseite des Kellers im Wilhelms 
ban rieselt eine winzige Wasserader in ein zier 
liches Steinbehältnis (Abb. 2: Kreis, Küch, Ta 
fel 129,1), wohl Sickerwaster ans einem undich 
ten Behälter. Da die Bergknppe bebaut und be 
pflastert ist, kommt eine Onelle nicht in Betracht. 
Abbildung 3. 
Ausräumung des Ziehbrunnens im Iuli/Oezember 1880. 
Skizze von Dr. Ludwig Iusii. Oben kleine verglaste Licht- 
öffnung in dem nur bei künstlicher Beleuchtung betretbaren 
Keller. 
4. Das R ö h r e n s y st e m. 
Anfänglich benutzte man allgemein die mit 
einem Lösselbohrer ausgehöhlten Erlenstämme, die 
durch Pech wasserdicht ineinander gefügt wurden. 
Bei ihrem hohen biologischen Feuchtigkeitsgehalt 
faulten sie weniger leicht, als andere Holzsorten. 
Jedoch wuchsen sie durch Algenrasen oft zu. We 
gen ihrer geringen Festigkeit gegen Druck konnte 
man sie nicht tief genug verlegen, um sie vor Frost 
zn schützen. Der Verschleiß war groß; man 
mußte zu den Nkarburger Beständen des Assöl 
lers nnd des Erlengrabens Ersatz von auswärts,
        

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