Full text: Hessenland (46.1935)

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dem erwähnten Rapport etwa 84 Raummeter 
Wasser und konnte ber Versagen der Wasser 
kunst durch ein Bleirohr vom roten Hahn aus 
Zufluß erhalten. 1577 wurde der steinerne 
Stock zur Aufnahme des Zuleitnngsrohres durch 
bohrt und der Vorhof „aufzuhacken, abzuspitzen 
und zu vergleichen verdingt". Der Bildhauer 
Hartmann von Straßburg meißelte das große 
landgräfliche Wappen und 1578 vergoldeten die 
Maler ein Mesfingbild für den Kumpf. Durch 
Kitt und Dl von Zeit zu Zeit abgedichtet, diente 
der Behälter seit der Erbauung des Marstalls 
als Pferdeschwemme. Seit der modernen Was 
serversorgung, vermutlich aber schon von Anfang 
an, sammelt er das Regenwaffer von den Dächern. 
Der Zugang, der große noch sichtbare Rund 
bogen, wurde bis auf eine kleine Pforte ver 
mauert. 
J 578/79 entstand als Neubau der Wafser- 
Lurm auf dem Hain, jetzt eine malerische Seiten- 
kulifse des Schloßparktheaterg. Das Basfin, das 
vie Bewässerung des hoher gelegenen Lustgartens 
ermöglichte, erhielt 1591 neue Steinplatten und 
Tafeln, später einen großen Kupferkefsel. Das 
Fallrohr lag in einem gemauerten Gang; dieser 
„Andante" (Aquaeduct) verlief unter dem Judi- 
cierhaus (1626), der Renrtbahn (aus dem Ende 
des 15. Jahrhunderts) und in 42 Fuß Länge 
unter dem Pferdestall (1635) hinweg. 1585 
wurde die Leitung von der Zugbrücke weggenom 
men und unter dem Halsgraben hindurchgeführt, 
wo damals ausgedehnte Sprengungen stattfanden. 
1563 setzte Landgraf Ludwig d. A. in den 
Mittelpunkt seines Lustgartens einen mit Löwen 
köpfen und einer Brunnenfigur verzierten, auf der 
Abbildung Hogenbergs sichtbaren Springbrun 
nen, der vom Wafserturm aus gespeist wurde 
(s. Küch, Hefsenkunst 1924). 
Die an Stelle der 1723 äbgerifsenen Bar 
füßerkirche erbaute Rennbahn erhielt ihr Wasser 
aus dem Steigrohr der Wasserkunst in der Höhe 
des Barfüßertores (B. auf Ab. i). 
Die Wasserkunst war, abgesehen von der be 
trächtlich, bis zu 20 Fuß tiefen Lage der Röh 
ren, gegen Frost sehr empfindlich. Das Rad, von 
einem Schuppen überbaut, suchte man durch den 
Ranch eines offenen Feuers, die Maschine durch 
eine Heizvorrichtnng zu schützen. Man konnte das 
Rad emporleiern und die Schaufeln enteisen (Be 
richt des Kammerratö Kunckel in Kastei 1738). 
Das Basfin im Turm fror leicht ein. Das Radi- 
kalmittel hiergegen war die Verlegung des Druck 
rohres in grader Richtung durch Unterkellerung 
von Bückings Garten zu einem Krahnwerk im 
Halsgraben; von hier bog es rechtwinklig ab 
einerseits in den Vorhof, andererseits zum Turm, 
den man für die Bewässerung des Gartens nicht 
entbehren konnte. 4 Jahre später, 1769, wurve 
der bisher überbrückte Graben auf die Höhe des 
Vorhofs aufgefüllt und die Leitung entsprechend 
umgelegt. Nach der Annexion des Kurfürsten 
tums unternahm der Landbaumeister Regenbogen 
den Neubau der Wasserkunst. Für die Insassen 
des 1813 zu einem Gefängnis herabgewürdigten 
Schlosses reichte die alte Anlage nicht aus. Die 
Regierung in Kassel bewilligte 2000 Taler für 
die 1030 Mieter lange Leitung von 32 Milli- 
meter lichter Weite. Sie wurde am 3. 12. 1867 
von den Sträflingen fertiggestellt und kostete 600 
Taler weniger als bewilligt. Am 26. i. 1668 
wurde ein neues Rad eingesetzt und am 22. 9. die 
neue Pumpmaschine montiert mit einer 10 Stun- 
den-Förderung von 22,3 Raummetern. Die alte 
Maschine war big zum 16. 8. noch in vollem 
Gange. Die gesamte Lieferung führte die Justus 
hütte bei Gladenbach aus. 
3. Der tiefe Brunnen oder 
Ziehbrunnen. 
1646 begann oie große Landgräfin des 3ojähri- 
gen Krieges, Amalie Elisabeth, von einem 10 
Meter unter der Oberfläche vor dem Wilhelms 
bau gelegenen Keller aus einen n 4 Nieter tie 
fen, 230 Zentimeter weiten Stollen durch den 
Fels bis zum Grundwaffer niederzubringen 
(s. Abb. 2. Kreis bei Z., Küch, Tafel 10,2 und 
129,1). Nach einer längeren Unterbrechung 
wurde der Schacht von der Landgräfin Hedwig 
Sophie in den Jahren 1673 öis 1673 fertigge- 
stellt, eine fast unbegreifliche bergbauliche Leistung. 
Wie eine Untersuchung im Jahre 1880 ergab, 
ist ver Schacht in den oberen 40 Fuß und in den 
unteren 270 Fuß gegen die Versandung mit star 
ken Quadern ausgemauert; der dazwischen lie 
gende 40 Fuß hohe Abschnitt geht durch den nack 
ten Felsen. Wie in einem Bergwerk führen Lei 
tern stockwerkweise bis auf den Grund hinab. Der 
Denkstein sagt: „Puteum ingentis non minus 
profunditatis quam commoditatis 1673 re 
staurari fecit anno 1675 perfecit' 4 . Das 
Wort restaurari wird verständlich durch die An 
nahme eines älteren Schachtes an gleicher Stelle; 
auf ihn weisen mehrere Angaben in den Bau 
rechnungen hin: 1478 kommt ein „zwigstern" vor, 
eine Zisterne, 1302 eine Scheibe an der „cystern" 
mit Kette daran; 1382 heißt es: „13^, alb. Lud 
wig Sem Brnnnenleiter, daß er uff m. g. f. h. 
bevelin den Ziehbrunnen uffm Gloß vorm Back-
        

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