Full text: Hessenland (46.1935)

112 
Meister Heinrich und seine Gesellen i8 Pfund 
für „den burnen vulle (vollkommen) zu machen 
Ln dem Hobe." Ob dieser Kumpf dem roten Hahn 
angeschlossen oder Bestandteil einer Wasserkunst 
war, ist eine offene Frage. Vielleicht deutet eine 
Nachricht ans 1372 „eyn nume borne uf den 
torn machen" auf einen Wafferturm im Hain. 
Eine Rechnung aus 1483 redet von dem Born 
an dem Burgberg, der in 94tägiger Arbeit neu 
erbaut wurde. Sicher ist — bei dem Fehlen einer 
Ouelle im Hain — ein Hochbehälter seit 1517; 
in diesem Jahre legte Meister Peter Burbach 
eine steinerne Kandel über die Zugbrücke zur Auf 
nahme des Zuleitungsrohrs in die Vorburg. Als 
Triebwerk war bisher die 1572 erbaute Anlage 
am Grüner Wehr bekannt. Die vorangehende 
Leere konnte durch den Nachweis eines Werkes 
in Ockershausen ausgefüllt werden, das wahr 
scheinlich an die starke Doppelquelle im Dorf an 
geschlossen war und sich in der örtlichen Überlie 
ferung als Göpelwerk erhalten hat. Ein solches 
konnte sehr wohl einige Raummeter Wasser um 
die 90 Meter Höhe zum Hain emporheben. Vor 
und kurz nach der Vollendung des Ersatzwerkes 
am Grüner Lahnwehr wurde die Anlage 
durch eine Flut zerstört und wieder aufgebaut. 
Das Steigrohr zum Hain blieb bis 1583 vor 
sorglich liegen; man scheint jedoch die Ouelle als 
bald einem anderen Ziel zugeleitet zu haben. 
In den Jahren 1377/78 war in dem Schwan 
hof, dem landgräflichen Mustergut, ein großer 
Neubau entstanden. Der alte Ziehbrunnen 
wurde erneuert und ein Brunnen mit Pumpan 
lage erbaut. Beide sind, wenn auch vor 30 Jah 
ren stillgelegt, noch vorhanden. In dem „Brun 
nenhäuschen" findet sich ein runder gemauerter 
Knmpf. Im Oktober 1377 lieferte der Eulner 
Meter hohen Felsgrat, auf dem die Kemenate thront. 
Ostwärts davon erfolgte die Abräumung auf eine weni 
ger tiefe Fläche, den Burgplatz. Oer vorzügliche Kugel 
sandstein aus diesen Steinbrüchen wurde in dag Mauer 
werk des Schlosses umgeschichtet. Erweiterungen er 
fuhr der Bauraum durch den am Ostabhang zu Ende 
«des 13. Jahrhunderts emporgewachsenen Wilhelmsbau 
und durch die Südterrassen, sowie die gegen Ende des 
16. Jahrhunderts um 10 Meter Breite über den Nord- 
absturz vorgeschobenen Wirtschaftsgebäude. Ihren An 
fang »ahm diese großartige Modellierung bei der Grün 
dung der gisonischen Burg, wenn nicht schon in frühe 
ren Zeiten, am Halsgraben. Seine Ausschachtung war 
erleichtert durch eine meridionale Verwerfung, die grade 
hier den Bausandstein der Schloßkuppe abgeschnitten 
und die tieferen Formsande des Hainblocks in deren 
Verlängerung gerückt hat (Abb. 1). Später hat man 
den baugeschichtlich interessanten Graben mehrfach ver 
tieft und gegen ^ die Vorburg erweitert, wobei das Ge 
stein für die Ausgestaltung der Südfront des Burg 
bergs verfügbar wurde. 
Cuntz Roleittis in Dreihausen 1030 Ellen (etwa 
824 Meter) Tonröhren von 2% Zoll Weite 
„zu Behuf des Brunnens im Schwan". Diese 
Länge entspricht der Entfernung deö Kumpfes 
von der Ockershäuser Ouelle. Der Verlauf der 
Leitung, die allerdings durch eine Grabung nach 
zuweisen wäre, ist in Abbildung i gestrichelt ein 
getragen. 
1372 wurde der Brunnenmeister zu Pfalz 
burg, Magnus Hibeler aus Kempten, wegen 
eines neuen Wasserwerks berufen. Man beschloß 
die Anlage in Ockershausen auszuschalten und ein 
Mühlenwerk an der Lahn, am Grüner Wehr zu 
errichten. Hibeler arbeitete das Projekt aus. Es 
sah ein Triebrad, eine Saug- und Druckmaschine 
und ein Steigrohr entlang der westlichen Stadt 
mauer vor. Die Messingzylinder wurden mit 
einem Stahlbohrer ausgebohrt, die Kolben durch 
Leder abgedichtet. Für die Radpfannen verwen 
dete man Glockenspeise. Die Röhren lieferte die 
Eisenhütte in Frankettberg. Die 1376 fertig ge 
stellte Vorrichtung fiel nicht zur Zufriedenheit 
ans. Deshalb ersann der landgräfliche Techniker 
und Baumeister Ebert Baldwein ein größeres 
Werk. 1583 übernahm der Brnnnenmeister Cnrt 
Senger aus Frankenberg die vertragliche Auf 
gabe, die Maschine mit ihren Stempeln und 
Ventilen, den eisernen Röhren und allem Zube 
hör zu setzen und zu legen, sowie die Druckleitung 
nach dem Muster eines ihm eingehändigten 
Stückes Rohr neu zu legen, während Baldwein 
das Rad durch seinen Werkmeister anfertigen 
ließ. Es ging nicht ab ohne ein Zerwürfnis zwi 
schen dem genialen Baumeister und Senger, der 
sich rühmen konnte, die Wasserwerke in Grün 
berg, Fritzlar und Frankenberg erbaut zu haben. 
Baldwein blieb in dem bis vor den Landgrafen 
vorgetragenen Zwist Sieger. Am 24'. 8. 1384 
konnte Senger dem Kammermeister Reinhard 
Abel melden, daß sein Auftrag erfüllt sei 4 ). 
Das Werk am Grün wurde 1673 samt dem 
Wehr vom Frühjahrshochwafser schwer beschä 
digt. 1738 fanden Reparaturen am Pumpwerk 
statt, 1763 wurde das Rad erneuert. Nach dem 
Rapport des Schloßkommandanten Generalma 
jors v. Gohr aus dem Jahre 1766 förderte die 
Neaschine 60 Ohm (8604 L.) täglich. Aus dem 
4 ) Wie sehr mau sich damals für die Probleme der 
Wafserbautechm'k interessierte, zeigt eine landgräfliche 
Korrespondenz aus dem Jahre 1598. Oer Leibarzt des 
Landgrafen Moritz zu Kassel, Or. Jacobug Mosanus, 
hatte eine Wasserkunst erfunden, deren Modell Moritz 
seinem Oheim L. Ludwig in Marburg gegen einen ent 
sprechende» Recompeus im Falle der Verwendung zu 
überlassen sich bereit erklärte.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.