Full text: Hessenland (46.1935)

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Hofe Georg Otto sicherte der Landgraf dem 
Zurückgekehrten den Posten eines Hoforganisten. 
Schütz selbst sah seine Aufgabe in der vertieften 
Weiterbildung seiner künstlerischen Kräfte, um 
„hierauf mit Auslassung einer würdigen Arbeit 
sich hervortun zu können". Schon leuchtet ihm 
sein Ziel in erster Ahnung aus und der land- 
gräfliche Hof in Kassel erschien als der gegebene 
geistige Raum für dessen Verwirklichung. Noch 
Moritz nicht die Frucht ernten sollte, die sein 
hoher Geist gesät hatte. Der erzwungene Verzicht 
auf Schütz gehört zu den tragischen Kernpunkten 
im Leben des Landgrafen. Auch hier war Mkß- 
lingen fein Schicksal. Wie ihn dieses Mißlin 
gen traf, vermögen wir Heutigen nur schwach zu 
erahnen, In dem erhaltenen umfänglichen Brief 
wechsel zwischen Moritz und Johann Georg ver 
steckt sich die Erregung unter den gewundenen 
Moritz der Gelehrte, Landgraf zu Hessen. 
Aus Könneckes Bilderatlas zur Geschichte der deutsche» Nationalliteratur. 2. Auflage. 
N. G. Elwert (G. Braun) Marburg a. L. 
heute sprechen nur in Kassel handschriftlich über 
lieferte Werke von der Tätigkeit des herauswach 
senden Meisters in dieser Zeit nach seiner Rück 
kehr aus Italien. 
Da trat Dresden und der kursächfische Hof 
in sein Blickfeld. Das Schicksal lenkte und leitete 
anders, es fügte das scheinbar Selbstverständliche 
irnd Natürliche in sein Gegenteil, und noch heute 
muß eö im menschlichen Sinnen und Überlegen 
ein Aufbäumen hervorrufen, daß der Landgraf 
Formen der höfischen Sprache. Sie ist aber spür 
bar — und das zeugt von ihrem Maße. Ungleich 
waren die Kräfte in diesem Kampfe verteilt. 
Hätte er sich auf gleicher Ebene, unter ebenbür 
tigen Partnern abgespielt und wären auf beiden 
Seiten die Waffen benutzt worden, die der Land 
graf einzusetzen vermochte und die allein dem Ge 
genstand würdig gewesen wären, — der Ausgang 
hätte nicht zweifelhaft sein können. So aber 
siegte die brutale Macht über einen berechtigten
        

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