Full text: Hessenland (46.1935)

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gehenden Städtegründnngen offenbaren diese land- 
gräfliche Politik, die natürlich nicht etwa ein 
städtefreies Land vorfand. Die Verkehröstraßen 
mußten städtebildend wirken, da bei den weiten 
Entfernungen Anlage und Ausgestaltung von 
Etappenorten zum Übernachten, Gespannwechsel, 
Gestellung von Vorspann bei starken Steigungen 
usw. notwendig war. Diese Nckomente, in denen 
sich politische und wirtschaftliche Gesichtspunkte 
mischen, haben zweifellos zur Entwicklung Hom 
bergs wesentlich beigetragen. 
grotz; es handelt fich dabei aber meistens tiro Grnn- 
dnngen, die in unmittelbarem Anschluh an die 
ortlichen Kirchen und deren Geistliche ins Leben 
gerufen wurden. In Homberg mag das anfàng- 
lich ebenso gewesen sein; die Lehrer, deren Namen 
uns noch ans dem 13. Iahrhundert nberliefert find, 
waren samtlich Geistliche. Es spricht aber sur das 
Biloungsbednrfnis der Burgerschaft, dah schon 
Anfang des 14. Iahrhunderts (1315) ein Laie 
als Schulrektor genannt wird. Da§ die Schnle 
Befriedigendes leistete, beweist die Zahl der Stu- 
kjomberg a. d. Efze 
Nach Merian 
Fliesen auch die Ouellen zur àlteren Geschichte 
der Stadt nicht reichlich — so viel verraten fie 
dock), das sich in Homberg ein gesundes Gemein- 
wesen entwickelte, da§ Handel und Gewerbe er- 
frenliche Ausdehnung gewannen, datz der Hom- 
berger Burger allmahlich rechi selbstbewust 
wurde uno sciite Selbstandigkeit gelegentlich anch 
der Landesherrschaft gegenuber zu betonen wnste. 
Dabei wnrde, durch Die zahlreichen Fehden des ii. 
und 15. Iahrhunderts veranlatzt, ein wehrhafter 
Sinn gepflegk: nicht nur wnrde die Stadt mit 
Manern, Tnrmen und Toreri versehen, anch die 
Burger ubten sich im Waffenhandwerk, und die 
hessische Kriegschronik wei§ von mehr als einem 
Zug zu berichten, bei dem Homberger Streiter fich 
wacker fchlugen. Hand in Hand mit dieser Festi- 
gung des Burgerfinns ging die Ausbildung der 
stàdtischen Verwaltung, die mit den einfachen 
Formen der ersten kleinen Gemeinde dem Wachsen 
der Stadt wiederholt angepast wevden muste. 
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, das 
Homberg schon im 13-Iahrhundert eine Latein- 
schule unterhielt. 1281, d. h. also gerade ein hal- 
bes Iahrhundert nach der ersten Nachricht, die wir 
von der Stadi uberhaupt haben, wird diese Schnle 
erwàhnt. Die Zahl der Stadtschulen, die neben 
den Klosterschulen in Hefsen im 13. un) 14. Iahr 
hundert begrundet worden find, ist zwar erfrenlich 
deuten, die von hier aus die Universitäten Prag, 
Heidelberg und Erfurt besuchten. Wir dürfen 
also annehmen, daß Homberg und seine Schule 
schon im 14. Iahrhundert einen guten Ruf hat 
ten, und daß es nicht etwa nur ein rein durch die 
örtliche Lage in der Nckitte des Landes bedingter 
Zufall war, daß Landgraf Philipp die große und 
entscheidende Synode nach Homberg berief. Ge 
wiß hat die Lage der Stadt dabei mitgewirkt, 
und es mag anch ins Gewicht gefallen fein, daß 
die Bürger wiederholt Beweise treuer Anhäng 
lichkeit an das landgräfliche Haus gegeben hat 
ten. Konnte der Landgraf also darauf rechnen, 
paß die Bürgerschaft den zu erwartenden Gästen 
und ihren Beratungen freundlich gegenüberstehen 
würde, so hat ihn in seinem Entschluß sicherlich 
auch die nach den Leistungen der Schule berech 
tigte Erwartung bestimmt, daß man in Homberg 
auch Verständnis für die zu fällenden Entschei 
dungen bezeugen würde. Diese Synode hat Hom 
bergs Namen weit über die Grenzen des Hes 
senlandes hinaus bekannt gemacht, und die Okto 
bertage (20. bis 22.) des Jahres 1526 find die 
glanzvollsten, die der Stadt je beschieden gewesen 
find. Das Vertrauen, das Philipp mit dieser 
"Wahl bekmtdete, vergalten ihm die Bürger durch 
unerschütterliche Treue: in den dunklen Jahren 
der Gefangenschaft bekunden fie ihm rückhaltlos
        

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