Full text: Hessenland (46.1935)

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Helm, Rudolf: Hessische Trachten. 
Die Trachten der Kreise Frankeubcrg und Hersfeld. 
Kassel 1934, Friedrich Lornetsch). 
Helm, Dr. Rudolf: Köpfe und Trach 
ten. ZV Aufnahmen aus Hessen und Waldeck. (Kasiel 
* 934 , Friedrich Lornetsch). 
Rudolf Helm darf heute wohl als einer der besten 
Kenner der hessischen Volkstracht angesprochen werden. 
Das erstere der Heiden hier angezeigten Bücher stellt 
gewissermaßen die zweite Lieferung einer Arbeit dar, 
die sich ühcr ganz Hessen ausdehnen soll, wenigstens 
soweit noch Spuren der heimischen Volkstrachten dort 
nachweisbar sind. Rach der schon für die Kreise Mar 
burg, Kirchhain, Biedenkopf und Ziegenhain bewährten 
Methode werden die Nachweisungen über die noch vor 
handenen Volkstrachten in ein Kartenbild gehracht, 
das uns deren Verbreitung im Rahmen der natürlichen 
Landschaftsgrenzen zeigt. Wir sehen, wie die Boden 
gestaltung und die natürliche Verkehrsgeographie Ver- 
hreitung und (Erhaltung der Volkstrachten hedingen. 
Für Frankenberg und seinen Kreis lassen sich nach den 
noch vorhandenen Resten der alten Trachten im gan 
zen drei Trachtciigebicte nachweisen, wobei besonders 
die Battenberger Tracht für den 1932 dem Kreise 
Fraukenberg zugeteilten Nordzipfel des Kreises Bieden 
kopf sich in ihrer Geschlossenheit offenbart. Hier hat 
sich eine Talschaft klar in das Kulturbild eingezeichnet, 
wo nur an der Berührungsstelle mit dem Marburger 
Trachtengebiet, an der Verkehrspforte, ein Verschieben 
zu beobachten ist. Viel mehr zerstört erscheint die 
Bunstruther Tracht, die das westliche Gericht der alten 
Grafschast Ziegenhain erfaßte. Dagegen läßt sich für 
die Trümmer der Volkstrachten im übrigen Gebiet des 
Kreises keine klare Charakteristik mehr geben. 
Ähnlich wie im Frankenbcrger Lande liegt es im 
Gebiet des Kreises Hersfeld, auch wenn das Hersfel- 
dcr Trachtengebiet die Kreisgrenzen nach Norden und 
Westen überschneidet und nach Osten hin sich eine ab 
bröckelnde Trachteninsel, die des Landecker Amtes, an 
lehnt und erhalten hat. Sie wird aber namentlich 
vom Kaligebiet an der Werra her zerstört, wo auch 
der Masseneinfluß der Großstadtware die Thüringer 
Volkstracht rasch vernichtete, die bis zur Wasserscheide 
zwischen Werra und Fulda reichte, ja, an der 
Bebraer Senke sogar überschritt. 
Haben wir eö bei diese» scharfsiunigeu Untersuchun 
gen in erster Linie mit der Durcharbeitung jenes Ma 
terials zu tun, das die Fragebogen lieferten, die vom 
Museumsoerband für Kurhcsien und Waldeck versandt 
wurden, so bietet die andere kleine Schrift einen schö 
nen Ueberblick über die noch vorhandenen und charak 
teristischen Typen der hessischen Volkstrachten. Hier 
werden Beispiele gezeigt, aus dem Leben heraus sind 
Aufnahmen gemacht worden, die durch wenige, aber 
dafür umso treffendere Worte ergänzt werden. Das 
kleine Büchlein mit den 37 Aufnahmen ist eine schöne 
Bestätigung jener Beobachtung der hessischen Köpfe, 
wie sie schon vor nun rund 80 Jahren Wilhelm Hein 
rich Riehl gegeben hat, als er in seinem „Land und 
Leute" die hessische Landschaft und ihre Bewohner 
zeichnete. — Spricht man heute so viel von Blut und 
Boden, dann muß gerade die hessische Landschaft als 
eine genannt werden, wo sich jene Verbindung durch 
Jahrtausende am reinsten erhielt, und sie muß auch 
so wieder Ausgangspunkt einer Erneuerung des Volks- 
tumes und seiner bildenden und bauenden Kräfte wer 
de». — Wenn dazu auch die beiden Schriften von 
Rudolf Helm mithelfen, und wenn namentlich jeder 
Freund des Volkstumes mithilft, durch tätige Unter 
stützung, dieser Arbeit, durch Erwerb und Weiter 
empfehlung, dann haben Verfasser und Publikum, je 
des zu seinem Teil, ihr Scherflein beigetragen zu die 
ser so notwendigen Erneuerung und Kräftigung hes 
sischen Volkstums. B. I. 
Jngeborg Schnack, Beiträge zur Geschichte 
des Gelehrtenporträts (— Historische Bildkunde Hrsg, 
von Walter Goetz, Heft 3), Hamburg, von Oiepcn- 
broick-Grüter und Schulz 1935. ^3 S. R-.A 2,/jo. 
Oie stattliche, in der Hauptsache zwischen 1630 und 
1700 entstandene Sammlung einiger 90 Ölbildnisse 
von Marburger und Gießener Universitätslehrern, die 
noch heute, zum größten Teil erhalten, die Räume der 
beiden Hochschulen ziert, geht zurück auf die Initiative 
des Landgrafen Georgs 1 , 1 . von Hefsen-Darmstadt. An 
geregt durch dag Vorbild von Tübingen ordnete er 1629 
eine allgemeine Porträtierung der Märburger Pro 
fessoren an, deren Kosten anfangs die Universität allein, 
später die Universität und der Dargestellte je zur Hälfte 
zu tragen hatten. Auf einem demzufolge von dem 
Marburger Universitätsmaler Johannes (Balthasar) 
Becker um 1631 geschaffenen Grundstock bauten 
nach 1630, der endgültigen Trennung von Gießen und 
Nkarburg, beide Hochschulen weiter; ihre Sammlungen 
können aber auch insofern als eine Einheit gelten, als 
vielfach die gleichen Künstler an ihnen tätig waren. 
Unter ihnen ragt, wenn auch vielleicht nicht als künst 
lerisch bedeutendste, so doch fruchtbarste Persönlichkeit 
hervor Johann Peter Engelhard (aus Büdingen, 
geb. vor 1633, in Marburg und Gießen tätig 1633 bis 
1689). Eine Wiedergabe seines lebensvollen Porträts 
von Denis Pap in (1689) — anscheinend des einzig 
existierenden authentischen — schmückt die aufschluß 
reiche Untersuchung, die wir als ersten Spatenstich auf 
dem Gebiet der historischen Bildkunde in Hessen dank 
bar begrüßen. Das Gesamtverzeichnis der Porträts 
und der Künstler wird manchem willkommen sein. 
Dr. Korn. 
Oie H e i m a t. Ein Lehrgang für Volksschulleh 
rer namens des Instituts für geschichtliche Landeskunde 
an der Universität Marburg in Gemeinschaft mit Mar 
burger Fachgenossen hrög. v. E. E. Stengel, Langen 
salza. Verlag von Julius Beltz. 
Oie während der vom Institut für- geschichtliche 
Landeskunde von Hessen und Nassau im Herbst 1933 
und Frühjahr 1934 veranstalteten heimatkundlichen 
Lehrgänge für Volksschullchrer gehaltenen Vorträge 
(vgl. „Hessenland" 1933 S. 181) sind hier in einem 
handlichen, reich bebilderten Sonderdruck aus der von 
Th. Scheffer betreuten Monatsschrift „Heimat und 
Arbeit" zusammengestellt. Das Büchlein, das, wie schon 
der Herausgeber betont, beileibe kein Leitfaden sein soll, 
sondern in das weite Gebiet der Heimatkunde vor al 
lem einführen und zur eigenen Arbeit anregen will, 
dürfte jedem Lehrer, der diesem wichtigen Lehrstoff 
seinen ihm gebührenden Raum im Unterricht geben 
will, hochwillkommen sein, insbesondere auch denen, die 
an einem der beiden Lehrgänge teilgenommen haben 
und vertiefend das damals Gehörte nun noch einmal 
aufnehmen wollen. Neben grundsätzlichen Fragen nach 
dein Verhältnis der Heimatkunde zu verwandten Wis 
senschaften haben Siedlungögeschichte und Flurnamen, 
Mundart und Volkskunde, Rassenpflege und Familien- 
kuude Berücksichtigung gefunden. Wir wünschen dem 
Werk, daß es den Weg in jede hessische Schule und 
darüber hinaus in viele hessische Häuser finden möge.
        

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