Full text: Hessenland (46.1935)

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haltigen Sammlung hier darzustellen. Es soll nur hin 
gewiesen werden auf die vorzüglichen Bilder und 
Porträts des verstorbenen Akademielehrers Kolitz, von 
denen mehrere ausgestellt sind, und aus den großen 
Karton von Menzel „Einzug des Kindes von Bra 
bant in Marburg", der im Auftrag des kurhessischen 
Kmistoereing geschaffen wurde. Oie Ausstellung ent 
hält auch vieles, was geschichtlich und an Personen 
ans den letzren hundert Jahren in Hessen künstlerisch 
zur Darstellung gebracht wurde. Oer erste Saal im 
unteren Stock ist den Modernen gewidmet, und inan 
sieht hier, wie ein lebendiges Kunstschaffen in unseren 
hessischen Gauen in der jungen Mannschaft von heute 
vorhanden ist. 
In. Rahmen des 5. Hessentages der NSDAP des 
Gaues Kurhessen hat dann am Sonnabend, den 18. 
Mai, die seierfiche Einweihung des 
Landgrafen Hauses in der „Schönen Aussicht" 
durch Reichsminister R u st stattgefunden. Dieses neue 
Landgrafenhaus ist besonders der Anregung, dem In 
teresse und dem hohen Kunstverständnis des Ober- 
präsidenten unserer ^Provinz, S. kgl. Hoheit Prinz 
Philipp von Hessen, zu danken und ist in seiner heu 
tigen Form eingerichtet von Professor Dr. Luthmer, 
dem Direktor des Hessischen Landesmuseum. Auch 
Reichsminister Rust ergriff bei der Eröffnung das 
Wort und übergab die Schlüssel an Professor Dr. 
Luthmer mit den Worten: „Ich übergebe Ihnen den 
Schlüssel, den ich in bessere Hände nicht hätte legen können" 
Vereinsnachrichten. 
Landsmannschaft der Kurhesscn, Berlin 
(Verein der Kurhesscn, Berlin 1890) 
In der Maiversammlung hielt Herr Studiendirek 
tor Dr. K 0 l i s ch e r einen längeren Vortrag über 
„Berlin als Heimat" an der Hand zahlreicher Licht 
bilder. Er zeigte an mehreren Stadtplänen die Ent 
wicklung der Stadt aus ihren drei Keimzellen: dem 
auf einem Hügel (wendisch: Golm) gelegenen Fischer 
dorf Kölln, der Kolonistenstadt Berlin und der mark- 
gräflichen Burg. Zwischen den Sümpfen von Spree 
und Havel führte hier der einzige trockene Weg vom 
Südwesten nach den Ostseehäfen. Oie Hauptfrucht 
dieser Handelsstraße war die mittelalterliche Fasten- 
speise, der Hering. Unter dem Großen Kurfürsten 
kam die Oorotheenstadt hinzu, angelegt von der ge 
schäftstüchtigen Frau des Kurfürsten, die einen 
schwunghaften Handel mit dem ihr von ihrem Gatten 
geschenkten Gelände trieb. Der Große Kurfürst war 
cs auch, der die Stadl zu einer Festung umgestaltete, 
deren Bastionen noch im Stadtbilde zu erkennen sind. 
Oer Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. umgab Ber 
lin mit einen, auf Zuwachs berechneten Pallisadenzau». 
Bücherschau. 
Philipp Losch. Verzeichnis seiner Schriften. Berlin 1933. 
Das Büchlein ist dem bekannten und verdienten Er 
forscher und Darsteller hessischer Geschichte bei seinem 
Ausscheiden aus der Staatsbibliothek zu Berlin am 
Zi. März 1935 von seinen Kollege» gewidmet und von 
Erwin Steinhorn bearbeitet. Die stattliche Liste von 
609 Nummern, von denen die Mehrzahl in unserer Zeit 
schrift erschienen ist, legt Zeugnis ab von der überaus 
reichen, vielseitigen und unermüdlichen Lebensarbeit 
Das Museum ist im früheren Palais des Landgrafen 
Wilhelm VIII. untergebracht. Dieses wurde Anfang 
des 19. Jahrhunderts durch König Arome im Empire 
stil erweitert und diente in späteren Jahren der Kunst 
akademie als Wirkungsstätte. Es stellt jetzt eine glück 
liche Verbindung zwischen Denkmalspflege und Museum 
dar, und spiegelt die geistigen und künstlerischen Jriter- 
essen der Hessischen Landgrafen des 17. bis Anfang 
des 19. Jahrhunderts wieder. Irn Erdgeschoß und im 
erjten Stock befinden sich die Antikensammlung Fried 
richs II. (1770 bis 1780), ferner die Sammlung der 
Landgrafen des 18. Jahrhunderts, u. a. wertvolles 
ojtajiatisches Porzellan. Besondere Beachtung verdient 
der alte Gemäldesaal (früher Galerie Wilhelm VIII.), 
der jetzt in seiner alten prächtigen Aufmachung wieder- 
erstanden ist. Mit 38 Meter Länge ist er der größte 
Galeriesaal Deutschlands. Im Marmorsaal sind an 
tike Sammlungen untergebracht. Ferner wird gezeigt 
die hohe Kultur der hessischen Landgrafen von Philipp 
dem Großmütigen big Karl, ... a. das Wohn- und 
Sterbezimmer der Kurfürstin Auguste aus den 20er 
Jahren des 19. Jahrhunderts. Oie Zusammentragung 
der überall zerstreut gewesenen Gegenstände unter Zu 
grundelegung einer kulturgeschichtlich klaren Linie ist für 
das Kulturleben Kajjels und darüber Kurhessens von 
größter Bedeutung. 
Wir werden eine ausführliche Darstellung über das 
neue Museum noch veröffentlichen. 
Einen großen Aufschwung nahm die Stadt 
unter Friedrich dem Großen, der auch die Bürger zu 
Schmuckbauten veranlaßte, (das Ephraimsche Palais, 
das Haus mit den 99 Schafsköpfen usw.). Baulich be 
deutet wohl die Tätigkeit Schinkels unter Friedrich Wil 
helm III. einen Höhepunkt (Altes Museum, Schauspiel 
haus, neue Wache usw.). Oie Eisenbahn brachte neue 
stadtbauliche Aufgaben. Oie 70er Jahre brachten die 
Verschmelzung der großen Vororte mit Berlin. Berlin 
wurde Weltstadt. Die gefühlvollen Zeiten, als man in 
der Rosinenstraße in Charlottenburg sich an den blühen 
den Fliederhüschen ergötzte und als Wilmersdorf eine 
billige Sommerfrische war, waren vorüber. Aber auch 
die Zeiten Stindes und von Frau Wilhelm.'ne Buchholz 
gingen vorüber im Zeitenstrome. Dag Zeitalter Wil 
helm II. schmückte Berlin mit prunkvollen Bauten, die 
aber das Stadtbild kaum verschönten. Erst die Jetzt 
zeit hat sich zu einfachen Formen zurückgefunden. 
Oer Vortragende, dessen Ausführungen reichen Bei 
fall fanden, schloß mit dem Wunsche, daß den kurhessi 
sche» Landsleuten Berlin eine wirkliche zweite Heimat 
werden möge. Schotte. 
dieses hessischen Gelehrten. Sie wird vielen ein will 
kommener Führer durch sein Werk sein. Möge Philipp 
Losch noch viel Neues schaffen im Dienste der Heimat! 
Geschichtsblätter für Stadt und Kreis 
Gelnhausen, herausgegeben vom Geschichts-Ver 
ein Gelnhausen. Nr. 39/40- März/April 1933. 
I. L. Kreuter: Aus dem Gelnhänser Hockenzunftbuch 
von 1669 bis 1728. (Schluß.)
        

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