Full text: Hessenland (45.1934)

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heimatlichen Menschen mindestens ebenso viel 
wert wie die Kenntnis des Französischen oder 
Englischen, wenn er sich vielleicht anch nicht in 
klingende Münze umrechnen läßt. 
Ihr Bauern ans dem Lande sprecht also ge 
trost mit euern Kindern Mundart! Weist jedem 
„Gebildeten" die Türe, der euch die Mutter- 
sprache verekeln will! Hütet das wertvolle Gut 
Hessenlied. 
Als der Herrgott die Erde gemacht, 
Hat er am besten die Heimat bedacht: 
Mein Hessenland, ich tu es kund, 
Ich liebe dich aus Herzensgrund, 
Ich lobe dich mit frohem Sinn, 
Bin stolz, daß ich ein Hesse bin! 
Eö wird gesagt, eö gab' in Hessen 
Nur große Schüsseln und nir zu essen. 
Wer das erzählt, ein Bösewicht, 
Im Hessenland war der noch nicht. 
Gastfreundschaft bracht von altersher 
Dem Hessenstamm viel Freund' und Ehr'. 
Die beiden Bastehöfe. 
(Schluß) 
Da verschwand Eckerd auf seine Kammer, nahm 
seufzend sein bestes Werk aus dem Kleiderschrank: 
einen genähten Kittel, ein Paar neue leinene Hosen mit 
blauen Hosenbändeln, die Sammetse Kapp und kleidete 
sich schweren Herzens neu an. 
Nach einer Viertelstunde knarrte die Haustür und 
Eckerd schritt des Wegs nach Jostcburn Haus zu, wäh 
rend sein Vater sieben siedende Donnerwetter auf die 
ganze Bande herabsluchte. 
Bei Jostebaste wurde Eckerd zwar nicht mit offenen 
Armen empfangen, aber schließlich sagte die Joste- 
bäueriu zu ihm und Elg: „Wenns garnicht anders sein 
kau», dann ja, aber ich fürcht, ich fürcht, dem Eckerd 
sein Häd (Vater) wird mit zwei Fäusten dreinschlagen. 
Der hat den richtigen Baste Dickkopf." 
Daß seine zukünftige Schweiern damit auf dem rich 
tigen Weg war, wußte Eckerd nur zu gut, aber er 
schwieg, er fühlte sich unaussprechlich glücklich. 
Kaum waren Eckerd und Els aus der Stube, er 
schien Jost im neuesten Staat. 
„Wo willst denn du hin?" forschte Joste Witwe, 
„kommst ja daher wie ein Bräutigam". 
„Bin ich auch halb und halb, Ncutter, ich wollt Euch 
bitten, erlaubt mir, daß ich um Eckerdsbaste Mariekath 
anhalt." 
„klm Mariekäth anhalt? Jung", sagte die Mutter, 
„seid ihr' zwei denn einig?" 
„Ja, Mutter, von Kindesbeinen an." lind Jost be 
richtete seiner Mutter manches liebe Erlebnis. 
„Hast du auch überlegt, daß zwischen uns und 
Eckerdsbaste ein alter Zwist besteht? Vater Eckerd 
wird zu eurer Freiere! kaum seine Einwilligung geben." 
der Heimat, wie ihr die Schönheit der Landschaft, 
die alten Baumriesen, die Blumen und Tiere 
der Heimat vor Schaden und Tod zu wahren 
sucht! Dann erhaltet ihr den Zusammenhang 
mit den Ahnen, die euch diese Güter zur liebe 
vollen Pflege anvertraut haben, nicht zum sinn 
losen Vergeuden und Zerstören! 
Von Heinz Clos. 
Auch werden wir, es ist bekannt, 
Die blinden Hessen oft genannt. 
Jawohl, wir schlagen blind drauf los, 
Gehtö auf den Feind, der Mut ist groß. 
Der Hessensohn stets tapfer ficht, 
Angst hat er selbst vorm Teufel nicht. 
Die Treue hat er stets bewahrt 
Der Heimat und der deutschen Art. 
Und fest und treu steht allzugleich 
Der Hessenstamm zum Deutschen Reich. 
Das schwöre ich mit frohem Sinn: 
Bin stolz, daß ich ein Hesse bin! 
Schurri! 
Von Johann Heinrich Schwalm. 
„Mutter, woher kommt denn dieser alte Groll?" 
Jostebastemutter rückte verlegen auf ihrem Sitz im 
Sorgenstuhl hin und her, sie sann eine ganze Weile 
nach, dann stammmelte sie: das ist schon vom Eller- 
häd (Großvater) her, ich weiß die klrsach selbst nicht 
mehr. 
„Himmelbataillon, da frißt der Haß und der Grünst 
weiter, und du weißt nicht mal den Grund des Streits. 
Oer muß nicht weit her gewesen sein." 
„Doch, mein lieber Jung. Aber meinen Segen hast 
du zu deiner Freierei, hör, was der alte Basteeckerd 
angiebt. Dem jungen Eckerd hab ich eben die Zustim 
mung gegeben, daß er Els freien darf." 
„Gute Mutter" jubelte Jost. „Wären Mariekàths 
Leut nur halb so ..." 
Er ging ab und brachte bei Mariekàths Vater sein 
Herzensanliegen vor. 
Kaum hörte der, um wag es sich handelte, schwoll 
er furchtbar auf: „Da schlag doch gleich das Donner 
wetter drein! Kaum ist der eine fort, kommt der an 
dere. Merk auch du dir: Aus der Gschicht gibt's nichts, 
so lang ich atme." 
„Sagt mir doch wenigstens den Grund, Vater Eckerd. 
Ich krieg ein Gut, das Euerm nicht viel nachsteht, mir 
kann kein Mensch was Schlechtes nachsagen, und 
Mariekàth und ich haben uns gern." 
„Mag alles sein, ja, das ist so. Dein Elleroater hat 
aber meinen Vater fast ins Loch (Gefängnis) gebracht, 
und 1800 Taler hat er von ihm rausgepetzt (gepreßt). 
Seit der Zeit ist ein breiter Scheid zwischen uns. Da 
hast du's. Und nun raff dich!" (geh eilig). 
Jost sagte: „Was können wir, Mariekàth und ich, 
dazu!"
	        

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