Full text: Hessenland (45.1934)

beging. Wir haben da erfreuliche und vorbildliche Bei 
spiele des Zusammengehens von gleichstrebenden, volkg- 
lümlichen Kulturoereinigungen zu verwandten Zielen, 
Schrittsteine auf dem Wege der vom Führer des 
deutschen Volkes, Adolf Htler, mit so hei 
ßem Herzen ersehnten inneren Verbundenheit seines 
Volkes in allen seinen Stämmen. — Mit der ihm eige 
nen tiefgründigen Art des Geschichtg- und Sippenfor 
schers, des in der engeren Heimat verwurzelten Hesten- 
länders, dessen höchstes Wesen in das Deutschtum aus 
mündet, bot Dr. Braun eine fesselnde Darstellung 
von Jakob und W i l h e l m Grimms Werde 
gang, von ihrem heroischen Kampf um alte deutsche 
Kulturgüter, wie das Volksmärchen, die alten Helden 
sagen, um germanistische Funde und Heiligtümer über 
haupt, um den deutschen Sprachschatz, der so weitreichend 
ist und urgründlich auch. 
Selbst bewegt an seinem innersten Menschen und be 
wegend für den Nachfühlenden entwarf der Redner, der 
ein Maler des Wortes ist, dag Bild jener deutschen 
Künder und Wegbereiter Jakob und Wilhelm Grimm, in 
ihrem Schicksal des Propheten, der im Vaterlande nicht 
gilt, und wie sie dieses Geschick als Märtprer und still- 
aufrechte Helden ihres heimatverwurzelten Herzens 
trugen, mit einem tiefen Fernblick in deutsche Zukunft! — 
Menschlich und zugleich wissenschaftlich von wesentlicher 
Bedeutung, im Zusammenhang mit Fragen, die unsere 
Zeit durchbrennen und durchleuchten mit ihren erkannten 
Wahrheiten, ist die innige Verbundenheit der Brüder 
Grimm, deren Ahnentafel ins iZ. Jahrhundert 
zurückreicht, des weiteren „das Muster einer deutschen 
Frau", die sie Mutter nennen durften. Sie war ein 
unvergänglich-eindringliches Beispiel dafür, wie Eltern, 
die insbesondere dazu berufene Mutter, ihre Kinder ver 
antwortungsbewußt, als Bildnerin von Wertgliedern 
ihres Volkes, natürlich gegebene Kulturträgerin und 
-schöpferin am Vaterlande wird. Wundervoll einpräg 
sam das Wort: „Wenn die Gemeinschaft des Geistes 
zwischen Goethe und Schiller einzigartig in der Welt 
geschichte ist, so gleichermaßen die Gemeinschaft durch 
Bande des Blutes bei den Brüdern Grimm." Der Vor 
tragende führte viele ergreifende Beispiele und Aus 
sprüche an. Sehr fein auch seine Charaktermalcrei der 
beiden großen Hessen in ihren Wesenverschiedenheiten, die 
wiederum zu einer wundervoll sich ergänzenden Einheit 
wurden: Wilhelm — der stille schürfende Gelehrte, 
Jakob, — dag kühn ausholende, schöpferische Genie in 
der klebersetzung der Edda, als klebermittler deutscher 
Sagengeschichte. Erschütternd inmitten dieses Kampfes 
uni die Heimat, der innerlich wie äußerlich von so vielen 
Härten durchsetzt war, für einen geradezu klassischen Ver 
treter des deutschen Heimwehs — für das es auf der 
Welt in Empfinden, Begriff und Ausdruck keinen Ver 
gleich gibt — ist der Aufruf Jakob Grimm's in seiner 
Antrittsrede in Göttingen. Als er, auf den Vorschlag 
Ludwig Ilhland's, zum Vorsitzenden der Germanisten- 
Versammlung in Frankfurt gewählt wurde, warb er mit 
einem Wort aus der Tiefe, da, wo die Duellen des Le 
bens liegen, für einen Zusammenschluß von Nord und 
Süd in deutschen Landen. Gegen Glaubenshader. Für 
Edelsinn und lebendiges Christentum! Denn: „Gott lastet 
seine Sonne scheinen über alle Menschen." 
Hitler's Geist, so schloß der Redner, weht in der 
Persönlichkeit der Brüder Grimm aus deutscher Ver 
gangenheit zu uns herüber. 
Interessant und manchem wohl nicht bekannt war die 
Feststellung, daß Horst Wessel, wie sein Lied, das mit 
dem Deutschland-Lied den Festvortrag einleitete, hessischer 
Abstammung sind. In einem Aufsatz von Johann Le 
walter, in Nummer 7/8 der Marburger Zeitschrift 
„Hessenland" vom Jahre 1933, heißt es u. a.: „daß 
Horst'g Vater, „der Pfarrer Dr. Ludwig Westel", in 
Hessisch-Oldendorf geboren ist, als Sohn des dortigen 
Bahnhofswirtes und Enkel des Fischbecker StiftSamtö- 
mannes Wilhelm Westel, der ein Sohn des Pfarrers 
von Niederaula war." — Des weiteren heißt es am 
Schluß dieses interessanten Aufsatzes von Lewalter, der 
auch den Ursprung des Horst-Westel-Liedes eingehend 
nachweist: „Auch die Mutter Horst Westel'g entstammt 
einer hessischen Pfarrersfamilie als Tochter des Pfarrers 
Richter von Aerzen." Dies ein zwingender Beweis da 
für, wie eng die Zusammenhänge zwischen den deutschen 
Gauen und Stämmen sind und damit innerhalb der gro 
ßen Volksgenieinschaft. Es dürfte daher jede Stammes 
art die andere interessieren und da wieder jede Persönlich 
keit von Bedeutung Beachtung finden beim Nachbarn im 
deutschen Reich, beim Verwandten gleichsam, der an einer 
anderen Ecke des Vaterlandes wohnt, auf daß der Her 
zenswunsch des Führers Adolf Hitler einmal lebendige 
Erfüllung werde: ein einig Volk von Brüdern. — Der 
Führer selbst, Deutschlands Retter aus allen und höch 
sten Nöten, ist, ein Sohn der bayrisch-österreichischen 
Grenze, zu Recht gleichermaßen umjuhelt von Nord und 
Süd in deutschen Landen. 
In diesem Sinne und Zusammenhang bleibe nicht un 
erwähnt, daß Dr. Hans Braun, ein Sohn Kassels, ver 
dienter Begründer des Hamburger Zweigvereins des 
„Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde", der 
in diesem Jahre auf ein loojähriges Bestehen des Kas 
seler Hauptvereing zurückschauen darf, reich an Geben 
und Erleben, ist. Dem Leiter der Hamburger Zweig 
vereinigung, Dr. Hans Braun, verdankt mancher Nord 
deutsche, Hamburger, Altonaer u. a. m., Abende voll 
fesselnden Gehalts und heimatlichen Geistes, die alle im 
Gefühl und Gedanken zu einem Wesen und Begriff zu 
sammentreffen: Heimat, Volk, Vaterland. Auch dag 
Gefühl eines Familienzusammenhanges umschließt alle 
Teilnehmer, die Hörer, wie den Sprecher, den hessisch 
beheimateten, wie den Gast aus Niedersachsenland, der 
dort auch mehrfach zu Gehör kam, nicht zuletzt aus der 
Tatsache heraus, daß Dr. Braun Familienforscher ist 
(in der Liste der Sippenforscher im Reichsinnen- 
ministerium als solcher mit wenigen anderen Gelehrten 
eingetragen), Verfasser eines 6^oseitigen Werkes ist: 
„Grundlagen zu einer Geschichte der Familie Braun", 
dag nur dem bescheidenen Titel nach eine Familien-An- 
gelegenheit scheint, tatsächlich aber ein hervorraegnd 
lehrreiches und anziehendes Dokument hessischer Ge 
schichte ist, und darüber hinaus, tief eingreifend in die 
deutsche Geschichte big zum lZ. Jahrhundert — wie 
u a. die Reformationszeit und den dreißigjährigen Krieg 
in allen Auswirkungen — ein Stück Weltgeschichte, 
durchweht vom Hauch der Heimaterde, durchwuchtet vom 
gewaltigen Pulsschlag des nordischen Menschen, den die 
Natur auch zum Dichter berief, mehrfach in Versstücken 
und Dichtungen in ungebundener Rede, die unserem 
Norddeutschland, unserem Niedersachsen in erstaunlich 
eingefühlter Art gewidmet sind. Besondere Zeugnisse 
hiervon ist das Gedicht „Der Hestensteiner Wald" (der 
zum Schloß Pauker bei Lütgenburg in Holstein gehört, 
im Besitz der Landgrafen von Hessen; eine Verbunden 
heit also zwischen Nord und Süd auch hier!) und das 
tieferfassende Eigenerleben: „Licht über dem Sachsen 
wald!" I. Gennerich. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Lothar Schneider, Marburg a. L. / Verlag und Druck: Dr. C. Hitzcroth, Marburg a. L. 
D.A.I/34: 850 
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