Full text: Hessenland (45.1934)

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Personalien. 
Gestorben: Frau General Klara Schoenfelder geb. 
Haugk, 86 .3. alt (Kassel, 18. 1. 34): Bauunternehmer 
Otto Fiege, 55 I .alt (Marburg, 5. 2. 34); Frau 
Rechnungsrat Anna Zibell geb. Michaelis, 87 3 - alt 
(Marburg, 8. 2. 34): Zeitungsoerleger Haus Ott 
(Hersfeld, 16. 2. 34): Oberzollsekretär i. R. Martin 
Itter, 77 J. alt (Marburg, 16. 2. 34): Verbandg- 
sekretär i. R. Wilhelm Mahnke, 76 3 - alt (Kassel, 
i 4 - 2. 34); Frau Marie Boes geb. Schuuk, 83 3 - alt 
(Marburg, 16. 2. 34): Exzellenz Frau Marie Scheibe 
geb. Kleinicke (Kassel, ig. 2. 34); Generalsekretär der 
Arbeitsgemeinschaft der Christi. Vereine junger Män 
ner Deutschlands Paul Herzog (Kassel, 17. 2. 34): 
Frau Oberamtmann Anna Selhausen geb. Siekmann, 
78 3 - alt (Hofgeismar, 18, 2. 34): Dr. phil. Ober 
bibliothekar i. R. 0. Prof, an der Universität Marburg 
Ferd. Wrede, 70 3 - alt (Marburg, 13. 2. 34): Leder 
händler Hcinr. Dern, 67 3 - alt (Marburg, 20.2.34): 
Albert Frhr. v. Breidenbach zu Breidenstein, 73 3 - alt 
(Schloß Breidenstein, 26. 2. 34): Oberlandwirtschaftg 
rat Dr. Otto Sprenger (Kassel, 2. 3. 34): Rektor i. R. 
Adolf Ruperti, 73 3 - alt (Kassel, 2. 3. 34): Rech- 
nungsrat Franz Hanfland, 83 3 -alt (Kassel, 4 - 3- 34 ): 
Professor Dr. Arnd 3acob (Kassel, 4- 3- 34)! Frau 
Oberstleutnant 3^a Hamel geb. Linker, 74 3- alt 
(Kassel, 3. 3. 34): Studienrat i. R. Professor Friedr. 
Otto, 66 3- alt (Kassel, 8. 3. 34): Apothekenbesitzer 
Wilhelm Schneider, 62 3- alt (Oberoellmar, 8. 3. 34): 
Frau Philippine Batzer geb. Heil, 72 3- alt (Mar 
burg, 11. 3. 34): Chefarzt des Elisabeth-Krankenhauses 
Dr. Alb. Dirk, 60 3- alt (Kassel, 18. 3. 34): Reichs- 
bahnrat Bruno Zimmermann (Kassel, 20. 3. 34): Rech- 
nungsrat Heinrich Rüge, 84 3- alt (Kassel, 21. 3. 34). 
Vermählte: Dr. phil. Ernst Kolbe und Frau Ger 
trud geb. Naujokat (Marburg, 10. 2. 34); Wilhelm 
Suntheim und Frau Liselotte geb. Kaphingst (Mar 
burg, 10. 3. 34): Studiendirektor Kurt Steinmeyer 
und Frau 3 ane geb. Kamper (Marburg, 10. 3. 34); 
Rechtsanwalt Dr. Ernst Pürschel und Frau Luise geb. 
Heide (Marburg, 24.3.34): Oberfeldmeister Dr. Karl- 
Heinz Rohde und Frau 3 U? geb. Sachs (Marburg, 
24 - 3. 34 ). 
Geboren: Eine Tochter: Gerhard v. Rutkowski und 
Frau Maria (Marburg, 8. 2. 34): Apotheker Schulte- 
Mattler und Frau Elly geb. Weyand (Neunkirchen, 
> 9 ' I- 34 ). 
Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. 
Herausgegeben vom Vorstande des Vereins. 
Zweigverein Kassel. 
Der erste wissenschaftliche Unterhaltungsabend 1934 
inl Hess. Geschichtsverein am Abend des 8 . 3 a- 
nuar wurde eröffnet durch Landesbibliotheksdirektor Dr. 
Hopf, der die Erschienenen begrüßte und hinwies auf 
das 100jährige Bestehen des Vereins im laufenden 
3 ahre. Fast auf den Tag soll die Erinnerungsfeier in 
Kassel vom 30. August big I. September stattfinden, 
der erste Tag wissenschaftlichen, der zweite mehr po 
pulären Vorträgen und der dritte einem Ausfluge in 
Kassels Umgebung gewidmet sein. 
Dann erhielt Studienrat Dr. W. Schmitt das 
Wort. Ex hatte ein Stück Bauerngeschichte seiner eng 
sten Homberger Heimat zum Ausgangspunkte gewählt. 
3 n den reichen Dörfern um Homöerg fitzen eine Reihe 
Familien, die unter dem Namen „die Engländer" be 
kannt sind, und deren Höfe sich noch heute teilweise höch 
sten Wohlstandes erfreuen, wenn auch einige aus der 
Reihe wieder geschwunden sind. Der Dichter Ludwig 
Mohr hat in seiner Novellcnsammlung „Altes Schrot 
und Korn" die Sage von der Entstehung dieser „Eng 
länder" dargestellt. Danach soll ein Fritz Wicke in briti 
schen Diensten in Ostindien gekämpft haben und einen 
reichen Schatz erworben haben, den er dann in seine 
Heimat vererbte. Redner war nun den Spuren nachge 
gangen und es ist ihm gelungen, schon jetzt, obwohl er 
noch nicht alle einschlägigen Papiere zu Gesicht bekoni- 
men, die Wahrheit zu rekonstruieren. Danach wanderte 
nach 1815 ein aus Unshausen gebürtiger 3 0 h a n n 
Georg Wicke, geb. 1793, zusammen mit seinem 
Bruder nach England aus. Er soll, während sein Bru 
der schon bald verunglückte, als Zuckersieder in England 
zu großem Reichtum gebangt sein und diesen dann 1829 
vererbt haben. Das Vermögen muß außerordentlich groß 
gewesen sein, denn mehrere der Kirchen zwischen Wa 
bern und Homberg wurden reich bedacht, eine Stiftung 
für Kinder gleichfalls; besonders reich jedoch wurden alle 
die Verwandten des Erblassers in dem Testament be 
dacht. Redner nannte die ganze Reihe der in Frage 
kommenden Familien, aus der nur die Mayfahrt, Wit- 
tich, Metz, Krug, Stiehl, Wicke und Otto erwähnt 
seien. — Es müssen übrigens damals noch mehr Per 
sonen aus Hessen nach England ausgewandert sein, um 
drüben als Zuckersieder zu arbeiten, so z. B. ein Tho 
mas Bischofs und ein Adam Steinmetz, beide wohl aus 
der Homberger Gegend und in London tätig. Dr. 
Schmitt schilderte dann nach eigenem Erinnern die 
Männer und Frauen der „Engländer", die sich durch 
besonders gute Stoffe ihrer Kleidung, die Männer auch 
durch einen schwarzen Pelz auf roter Seide, auszeich 
neten, während die Frauen durch besonders reich ge 
bauschte Röcke auffielen. Auch von den Schicksale» ein 
zelner Höfe und Familien sprach er und zeichnete dabei 
das Bild der gediegenen Hauseinrichtungen, der Möbel 
stücke, die meist beste Handwerkgarbeit ländlicher Meister 
der Gegend waren. Leider ist manches schöne Stück, das 
noch heute in Form und Holz erkennbar ist, durch über 
malen verdorben. Er ließ weiter eine Photographie 
aus der Zeit um 1860 umgehen, die auch ein Bild gab, 
das das Gesagte ergänzte. Besonders erwähnte Redner 
noch, daß die Töchter der genannten Familien entweder 
in Privaterziehung in Homberg oder lieber bei den Ur- 
sulinerinnen zu Fritzlar untergebracht wurden. 
3 » der Aussprache, die sich anschloß, erwähnte Zoll 
direktor Woringer noch, daß die Urfulinerinnen zu Fritz 
lar auch für die protestantischen Beamtenfamilien Hessens 
stets als die beste Pension gegolten hätten. Pfarrer 
Becker konnte Einzelheiten über die Familien der „Eng 
länder" aus eigener Anschauung ergänzen und Dr. 
Schmitt schilderte abschließend noch, wie sich in der
	        

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