Full text: Hessenland (45.1934)

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iicrfen Rundscheiben mit den Wappen zweier 
Schöffen malte (s. Küch: Marburger Kunstleben 
am Ausgang des (Mittelalters, Hessenkunst, (Mar- 
burg 1906). Wir erfahren auch von zwei weiteren 
jetzt verschwundenen Fenstern im Rathaus: „Dem- 
selbigen Johan moler von zwen glasscheiben in 
dem großen sale in die fenster, eins m. g. Hern von 
Hessen wopen, das andere m. g. franen wopen zu 
malen und bornen (— brennen), geben zusammen 
2 pfund 6 s." (s. Küch: Wandmalereien im Rat 
haus zu Marburg, Jahrb. d. Denkmalspflege I 
(Marburg 1920, S. 159). In einer weiteren 
Nachricht aus dem Samtarchiv in (Marburg 
heißt es: „1516 Apr. 15. Ich Johannes v. d. Leiten 
maler zu Margporck beken myt myner eigen hant- 
schryff das ich von Lodewig Lerssemecher cammer- 
schryber entphangen Han 1 gülden und eyn ort vor 
zwo ronden (doch wohl Rundschreiben) in das 
apserfanten (?) closter und vor ..." (frdl. Mit 
teilung v. Küch). 1323 erneuert Johann die Dar 
stellung des Jüngsten Gerichts in einem Fenster 
der Pfarrkirche (s. Küch, Hessenkunst 1906). Wel 
cher Art diese (Marburger Glasmalereien gewesen 
sind, davon können uns die Darstellungen von Fen 
stern mit Malerei in den Juppe'schen Alter 
schreinen der Elisabeth-Kirche und deren von Jo 
hann gemalten Flügeln eine Vorstellung geben: 
Rundscheiben mit Wappen, Längsfelder mit Hei 
ligenfiguren, oder auch szenische Bilder, wie z. 23 . 
Christus am Olberg, oder die Auferstehung. Mit 
der Polychromierung des Schnitzwerkes hat ja 
(Meister Johann auch die Darstellung der be 
malten Fenster in diesem ausgeführt — vielleicht 
wirklich von ihm in (Marburger 23 auten gemalte 
Fenster hier wiedergegeben. 
Nun ergibt ein Vergleich der Schröcker 
Malereien mit den noch erhaltenen Glasfenstern 
Johannes v. d. Leiten im (Marburger Rathaus 
kaum eine Übereinstimmung. Es könnte sich ja 
überhaupt nur um ein frühes Jugendwerk des Jo 
hannes handeln. Eher wäre schon aus den äußeren 
Gründen der Lebenszeit daran zu denken, daß der 
Vater der beiden Brüder Heinrich und Johann, 
nämlich Gerhard v. d. Leiten, dessen Tätigkeit zwi 
schen 1457 und 1503 belegt ist (s. außer Küch 
auch Neuber, L. Juppe, Marburg 1915, S. 12) 
die Scheiben verfertigt hätte. Von ihm wurde oben 
ja schon berichtet, daß er 1485 Glasfenster und 
Wappen für die Kanzlei lieferte. Weiter hören 
Hessen im Urteil der Vergangenheit. 
Das 18. Jahrhundert kann auch als das der 
Reisebeschreibungen bezeichnet werden, 
die sich freilich damals noch weniger mit den 
wir, daß er Heiligenbilder und Fenster für das 
Heiligenhäuschen auf der Brücke zu Weiden- 
hausen bei (Marburg malte. Leider ist nur ein 
Werk von der Hand Gerhards noch nachzuweisen, 
nämlich der bemalte hölzerne Totenschild des 1478 
in Rauschenberg gestorbenen Landgrafen Ludwig, 
sodaß es an tiefergehenden Vergleichsmöglichkeiten 
fehlt und die Zurückführung der Glasbilder auf 
diesen Meister nur Vermutung bleiben muß. 
Allerdings widerstrebt der Landgrafenschilv in seiner 
Dualität dem Vergleich mit den Schröcker Fen 
stern nicht. Auch lassen die in Grau unter Her 
auswischen der Lichter modellierten Helm, Helm 
zier und -Decken des Schildes auf Gewohnheit 
der Glasmalerei schließen. 
Mit ebenso viel Wahrscheinlichkeit könnte auch 
Ludwig Dietz die Heiligen-Fenster in Schröck ge 
malt haben. Jedenfalls beweisen alle diese ur 
kundlichen Nachrichten, daß (Marburg am Ende 
des 13. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts 
geradezu ein Mittelpunkt für Glasmalerei, vor 
allem von Wappenscheiben gewesen ist. Noch 
*555/5 6 macht ein sonst nicht bekannter Meister 
Seiffrid Glasfenster nach Stedebach (Deutsch- 
Ordenshof bei Niederwalgern) mit 3 Wappen 
(Küch). Nicht lange danach scheint diese Kunst 
in Marburg zum Erliegen gekommen zu sein, denn 
*583/86 heißt es in den Trappenei-Rechnungen 
des deutschen Ordens: „i lb. einem maler geben, 
hat des Hern Landcommenturö des von Rehen, des 
itzigen Herren Landcommenturö, des commenturs zu 
Grifstatt und mein (d. h. des Trappirerö) wapen 
abgemalt, werden nach Braunschweig geschicket, 
solten in Fenster nach Velsberg gebrant werden." 
Ilnd weiter 1399 „Z gülden 12% alb. von zweien 
wapen und glas zu brennen geben, Daniel 
Meyeren zu Frankfurt". 
Die künstlerische Eigenart der Schröcker Schei 
ben würde durchaus zu dem Begriff heimischer, 
d. h. also etwa hessischer und mittelrheinischer, 
(Malerei passen. (Weitgehende Ähnlichkeit ergibt 
z. 25 . ein Vergleich der Figur der Maria auf dem 
Tafelbild der Begegnung aus der Kirche von 
Lauterbach (Abb. in: Relig. Kunst aus Hessen und 
Nassau, Marburg 1932, Tafelband II, S. 226) 
mit dem Typ des Gesichts, mit Haltung und 
Zeichnung unserer Heiligen mit dem Kirchen 
modell. Albrecht Kippenberger. 
Mitgeteilt von Paul Heidelbach. 
übrigen Kontinenten als mit Europa befaßten. 
Eine ganze Anzahl dieser Reisebeschreibungen 
schildern auch Hessen, und da es immerhin von
	        

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