Full text: Hessenland (45.1934)

19 
folgte, waren es allein 12 Bauern mit Namen 
Löwenstein, die von den beiden genannten Adelsge- 
schlechtern und vom Staate die Ablösung durch 
führten. Im bürgerlichen Leben unterschied man, 
wie das auch sonst auf den Dörfern in Hessen üb 
lich ist, die einzelnen Linien nach Frauennamen 
oder Hofnamen, manchmal auch nach den Vorna 
men des Vaters oder Vorvaters. 
Das Recht, Wappen und Siegel zu führen, 
stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts nnbezwei- 
felt den Halben von Löwenstein zu und sie führten 
den durch Schrägbalken und veränderte Tingierung 
abgewandelten Schild der echten Löwensteine, von 
denen sie herstammen. Aber schon bald fehlte das 
Siegel, wenn ein Lehnsrevers gegeben werden 
sollte und der eine oder andere Pfarrherr tritt als 
Zeuge und mit seinem Siegel für einen Löwenstein 
ein. So verblaßte nach und nach das Bewußt 
sein, daß die Familie von einem der ältesten hessi 
schen Adelsgeschlechter sich herleite und erst den 
jüngsten Bemühungen um die Herkunft von Fa 
milie und Namen gelang es, den Zusammenhang 
erneut klarzustellen. Besonders auch dank der Bei 
hilfe von Archivdirektor Dr. Karl Knetfch. •— Es 
mag aber auch noch erwähnt sein, daß im ersten 
Drittel des 16 . Jahrhunderts ein Johann Henrich 
Löwenstein die Heimat verließ, dort als verschollen 
galt und aus den Lehensbriefen gelöscht wurde, daß 
dieser aber einen in der Mark Brandenburg und 
heute auch in München blühenden Zweig des Ge 
schlechtes begründete. 
Für die Familienforschung jedoch wird gerade 
auch dies Beispiel ein neuer Anreiz sein können, 
da es zeigt, welch ungeahnte Zusammenhänge einer 
Familie sich ergeben, wenn man nur die Vergan 
genheit zu fassen sich bemüht. 
Or. Hans Braun, ein Brückenpfeiler zur völkischen Erhebung. 
Einer der Ungenannten — es gibt ihrer mehr! 
— oder doch wenig Genannten und Bekannten. 
Angesichts des Phänomens Hans Braun. 
Phänomen der M a n n in seinem Charakter, in 
seiner Haltung als Deutscher, als Künder seines 
Hessenlandes, in seiner Leistung. Phänomen das 
Werk, mindestens im Haupt- und Kernban, den 
„G rundlagen zu einer Geschichte 
der Familie Braun", einem Heimatbuch, 
mit Beiträgen zur hessischen Familien- und Orts 
beschreibung. Eine Sammlung von Studien, Be 
richten, Lebensbeschreibungen, Literaturangaben 
und Urkunden, auch von Bildern, Nachkommen- 
nnd Ahnentafeln. (Berlin-Leipzig, Kommissions 
verlag und Druck von August Hoffmann, 191 4 -) 
Wrnn von diesem TCerk, das 640 Lmartseiten 
umfaßt, im Gelehrtenurteil von damals, als von 
emem „eratischen Block" gesprochen worden ist, so 
müssen wir hinzufügen, in dem der Feuergeist des 
Verfassers die ewige Flamme deutschen Familien- 
und Erbheiligtums entzündete; ein Licht, das weit 
über den Begriff „Familien-, Stammbaumkunde", 
hineinleuchtet in Deutsche Geschichte! (Mit 
einem besonderen Scheinwerfer auf die Geschichte 
Hessens, der, vom Bildner und Baumeister 
Hans Braun mit heißem Herzen umschlosse 
nen Heimat. — 
Ein lebendes Gemälde des Hessenlandes, in all 
seinem heldischen Kampf im Völkerleben, ersteht 
unter der Hand Hans Brauns auf diesem „erati 
schen Block". Mehr: eine Bilderfolge des Hessen 
landes in seinem ganzen Zauber, vom natürlich 
Von Johanna Genneri ch. 
Landschaftlichen zum altbanlich Künstlerischen, aus 
den Jahrhunderten in die Jahrhunderte! Und das 
ist das Wunderbare an Mann und Werk; was 
wir ungern, aber umfassend mit dem Fremdwort 
Phänomen bezeichnen: das Geheimnis völ 
kischer Seele aus Stammblut und 
S t a m m g u t! Das Geheimnis, rein Wissen 
schaftliches durch den Flammengeist des Ewig-Ge 
schichtlichen zu beleben; den vielstrahlenden 
Stammbaum einer Familie, in seiner Veräste 
lung durch 5 Jahrhunderte, mit dem grü 
nen Laubgewind der Heimatschönheit zu umkrän 
zen. Das ist das Geheimnis Hans Brauns, 
der als Studiosus der Chemie seine Doktor-Disser 
tation über ,,Beiträge zur Milchfrage mit beson 
derer Berücksichtigung der erlanger Milch" ver 
faßte, und inmitten dieses bis auf den heutigen Dag 
ausgeübten Hauptberufes eines Chemikers von Ruf 
und Ansehen — seinem Hessenland, seiner 
Familie, nein, seinem deutschen Volke, 
jenen braunen Block auf den Altar völ 
kischer Geschichte niederlegte. In aller 
Stille. Im Jahre 1914. Kurz vor dem Welt 
brand. Zu einer Zeit, wo das Werk ein Mark 
stein hätte werden sollen. Aber — wir wissen es 
— jene Zeit überschlug stch wie ihre Ereignisse, 
und riß auf zwei Jahrzehnte hinaus alles Denken 
und Tun in ihren Strudel. 
Und heute? Ist er nicht doppelt sinnvoll und 
sinnbildlich, dieser stille Schrittmacher in seinem 
braunen Namen und Gewand?! Weg 
bereiter einer Volkserhebung und Rückbesinnung
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.