Full text: Hessenland (45.1934)

des ehrenden Nachrufes gedacht, den Richard 
W a g n e r dem ihm befreundeten Ntestter in 
einem Briefe an den Dresdener Heldentenor 
Tischatschek widmete. Endlich war auch eine 
photographische Nachbildung jenes berühm 
ten Albumöblattes ausgestellt, das Ludwig van 
Beethoven dem von ihm hochgeschätzten 
Spohr gewidmet hatte; dieser war bekanntlich 
dem damals schon ertaubenden Titanen im 
Reiche der Töne während seiner Wiener Diri 
Philipp Losch 
zum 6 . November 1934. 
In seiner Besprechung der „Geschichte des 
Kurfürstentums Hessen" von Philipp Losch 
sagt Wilhelm Dersch (Zs. f. Hess. Gesch. 54 1924, 
S. 312): „Der Verfasser ist Hesse und schreibt 
mit der Glut hessischen Rechtögefühls blutenden 
Herzens trauernd um ein verlorenes Gut, an des 
sen Wiederherstellung er selbst nicht mehr denkt. 
Wer seine Arbeiten, die sich meist mit der Ge 
schichte dieses Zeitraums befassen und zum 
Teil in den nunmehr eingegangenen „Hessischen 
Blättern" erschienen sind, kennt, weiß, daß auch 
dieses Buch im Geist des unermüdlichen und un- 
versönlichen Streiters W. Hopf sMelsungeiZ 
verfaßt ist". Dersch hat mit diesen Worten einen 
Wesenszug Losch's herausgearbeitet und glücklich 
gekennzeichnet, der sich in dessen persönlichem Wir 
ken wie seiner umfassenden schriftstellerischen Tä 
tigkeit deutlich ausprägt und ihm damit eine be 
sondere Stellung in unserer heimatgeschichtlichen 
Forschung zuweist. Am unmittelbarsten zeigt sich 
das in zwei Arbeiten „Zur Geschichte der hessi 
schen Renitenz" (1906) und „Die Abgeordne 
ten der Kurhessischen Ständeversammlungen von 
1830—1866" (1909), die beide unter Verarbei 
tung eines reichen, z. T. schwer zu beschaffenden 
Materials von jener Glut durchweht sind, die 
keinen Wert darauf legt, den behandelten Stoff 
unter einem anderen als dem damit festliegenden 
Gesichtspunkt kritisch zu prüfen. 
Es hieße aber Losch's gesamte Arbeitsleistung 
nur sehr einseitig beurteilen — und Dersch wird 
dem in seinen weiteren Ausführungen selbstverständ 
lich auch vollkommen gerecht —, wenn man in ihm 
nur den „unversöhnlichen Streiter" sehen wollte, 
den die Liebe zur geschichtlichen Vergangenheit der 
Heimat jede methodisch-kritische Durcharbeitung des 
Omellenmaterials beiseite stellen ließe. Im Ge 
genteil! Losch ist ein durchaus kritisch geschulter 
gententätigkeit nähe: getreten. Spohr zählte dies 
Albumblatt zu seinem kostbarsten Besitz. Beet 
hoven hatte darauf eigenhändig einen Kanon no 
tiert über den bekannten Vers in Schillers 
„Jungfrau von Orleans": „Kurz ist der Schmerz, 
ewig ist die Freude"; datiert vom Z. März 1815 
trägt das Blatt die Widmung: „Mogten (!) sie 
doch lieber Spohr überall, wo sie wahre Kunst 
und wahre Künstler finden, gerne meiner geden- 
cken, ihres Freundes Ludwig van Beethoven". 
Von Dr. Hopf. 
und eingestellter Forscher, den seine grundsätzliche 
Auffassung keineswegs blind macht für die 
Schwächen, die sich in der geschichtlichen Entwick 
lung des Hefsenlandes und ihren Träger zeigen. 
Es kann nicht die Absicht dieser Zeilen sein, eine 
vollständige Aufzählung der zahlreichen größeren 
und kleineren Arbeiten Losch's zu geben, auch 
nicht etwa eine erschöpfende Würdigung seiner 
bisherigen Wirksamkeit zu bringen — sie sollen 
vielmehr in dem Augenblick, in dem er zur leb 
haften Mitfreude seiner Landöleute und Freunde 
den 63. Geburtstag in voller geistiger und körper 
licher Frische hat begehen können, einen Blick 
werfen ans die bemerkenswertesten seiner Arbeiten, 
aus denen seine historische Kritik und Gestaltungs 
kraft am deutlichsten hervorgeht, die uns also auch 
den lebhaften Wunsch und die zuversichtliche 
Hoffnung hegen lassen, daß wir von ihm in dieser 
Richtung noch manches Wertvolle werden emp 
fangen dürfen. 
Losch hat eine besonders glückliche Art, schein 
bar unbedeutende geschichtliche Verhältnisse und 
Vorgänge in ihrem eigentlichen Wert für den 
Lokalforscher nicht nur, sondern vor allem auch 
für den Kulturhistoriker zu erkennen und darzu 
stellen. So find seine „Zwei Kasseler Chroniken 
des 18. Jahrhunderts" (1904) — es handelt 
sich um die Familien Gunckel und Graßmeder — 
eine wahre Fundgrube reizvoller orts- und kultur 
geschichtlicher Einzelheiten aus den Zeiten der 
Landgrafen Karl, Friedrich I. und Wilhelm 
VIII., vor allem auch für die Geschichte des 
siebenjährigen Kriegs. Und es ist dieselbe liebevolle 
Versenkung in solchen Stoff, mit der er in sei 
nem Artikel „Die teuren Zeiten im Jahre 1866" 
(1916) Mitteilungen eines alten, vormals kur- 
hesfischen Hofbeamten über die Teuerung in Kas 
sel wiedergibt. Die schönste Frucht dieser seiner 
Arbeitsrichtung bietet er aber in „Schönfeld. Bil 
der aus der Geschichte eines hessischen Schlößchens
	        

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