Full text: Hessenland (45.1934)

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Die Kasseler Spohrsammlung und die Gpohr-Ausstellung 
Von Erstem Bibliotheksrat Dr. Friedrich Israel. 
(September/Oktober 1934.) 
Zum Gedächtnis an den 150. Geburts- und 
75. Todestag von Louis S p 0 h r veranstaltete 
das Staatstheater in Kassel eine Ausstellung, die 
zum großen Teile von der Spohr-Sammlung der 
Stadt Kassel beschickt worden war. Befassen 
wir uns zunächst mit der Entstehung dieser 
Sammlung. 
Einen erheblichen Teil von Andenken aller Art 
an den Meister, der als allgemein hochgeschätzter 
Geigenvirtuose, Dirigent und Komponist eine 
europäische, ja eine Weltberühmtheit geworden 
war und von dessen strahlendem Ruhm auch ein 
Bleistiftzeichnung von Lusette, Gattin von5pohrs 
Schüler Moritz Hauptmann, im Besitze von Or. 
meä. Ernst Hauptmann in Rassel. Datiert 
Klexandersbad, 16. Juli 1859. 
Abglanz auf die kurhessische Haupt- und Resi 
denzstadt Kassel fiel, stifteten der Stadt Angehö 
rige, Schüler und Freunde Spohrs. In erster 
Linie waren dies die Familie des 1907 verstor 
benen Direktors des Kasseler Realgymnasiums 
Dr. Wilhelm W i t t i ch , der Marianne Luise, 
gen. Anna, eine Enkelin Spohrs — ihre Eltern 
waren der Architekt Prof. Johann Heinrich 
Wolff und Sphrs zweite Tochter Ida — ge- 
ehelicht hatte, und die Familie des SpohrschülerS 
und -freundes, des Organisten Karl R u n d n a - 
g e l. Diese Schenkungen fanden ihren Platz in 
der Murhardbibliothek. — Dazu trat die 
Sammlung der 1908 von Heinrich Stein, 
dem Direktor des Spohr-Konfervatoriums in 
Kassel, Friedrichstraße 17, gegründeten Spohr- 
Gesellschaft. Sie wollte in erster Linie 
gute, gediegene Kammermusik, nicht zum we 
nigsten die Kompositionen Spohrö pflegen und 
rief 1913 eine private Spohr-Sammlung ins 
Leben. Sie wollte alles das sammeln, „was zu 
Louis Spohr, dem Großmeister des deutschen 
Violinspiels und Komponisten, weiland kurfürstl. 
Generalmusikdirektor in Kassel, in näherer Be 
ziehung steht". Dieser Begriff wurde so weit wie 
möglich gefaßt. Zahllose Konzertprogramme aus 
der Zeit Spohrs und seiner Nachfolger, Rezen 
sionen, Zeitschriften- und Zeitungsaufsätze über 
den Meister, seine Werke und deren Aufführung, 
kamen zusammen; Bilder, Manuskripte und Fak 
similes, sowie andere Erinnerungen an ihn wurden 
geschenkt oder käuflich erworben. Ein vielver 
sprechender Grundstock ward bald geschaffen, und 
auch die konzertliche Tätigkeit der Spohr-Gesell- 
schaft war sehr beachtenswert. Ihre Leiter wa 
ren 1908—ii Kapellmeister Prof. Dr. Franz 
Beier, 1911—18 Prof. Ernst Höbel, da 
nach Stein selbst. Allein die Gesellschaft wurde 
in ihrer Blüte geknickt durch Weltkrieg, Infla 
tion und Wirtschaftönot; sie siechte langsam da 
hin und fiel der allgemeinen Not schließlich zum 
Opfer, zumal der rührige Direktor Stein am Z. 
Mai 1922, viel zu früh für die Gesellschaft, ins 
Grab sank. Die Spohr-Sammlung aber wurde 
mit den seinerzeit der Stadt Kassel geschenkten 
Spohr-Erinnerungen vereinigt. Während deö 
Tonkünstlerfestes 1923 wurde sie vorübergehend 
im Weißen Palais ausgestellt und gelangte von 
da wieder in die Murhard-Bibliothek. Hier aber 
hatte man keinen rechten Platz für sie, sodaß man 
sie nicht würdiger unterzubringen wußte als in der 
Pförtnerstube. Angesichts des Wertes der Samm 
lung war dies ein Zustand, der auf die Dauer 
nicht zu verantworten war. Zählte doch die 
Sammlung nicht nur eine Anzahl wertvoller per 
sönlicher Andenken an Spohr, sondern auch sel 
tene alte Drucke von seinen Werken, Original 
handschriften u. a. m. Dazu hatte lange Jahre 
hindurch Herr Karl ZulehnerH mit 1 
1) Ich möchte nicht unterlassen, diesem Herrn, dem ich 
so manchen wertvollen Hinweis verdanke und der mir 
jederzeit in uneigennützigster Weise sein reiches Wissen um 
Alles, was mit Spohr zusammenhängt, zur Verfügung ge 
stellt hat, hier meinen ganz besondern Dank auszusprechen.
	        

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