Full text: Hessenland (45.1934)

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Zeiten" und das „ehemalige Sumpfgelände" des 
Landes auf einer Karte im (Maßstab 1:200000 
(mit Isohypsen) dar ®). Die Unterlagen dafür 
entnahm er den gegenwärtigen topographischen, 
geologischen und Bodenverhältnissen sowie vor 
allem den Orts- und Flurnamen. 
1911 und 1913 veranschaulichte er die ehemalige 
Ausdehnung des Waldes um 500 n. Chr. für 
weitaus größere Räume, für Süd-, Mittel- und 
einen schmalen Streifen von Norddeutschland 7 ). 
Gustav Braun hat 1916 diese Schlütersche 
Karte als Tafel VI. 1 in fein Deutschland- 
Werk aufgenommen 8 ). Der überaus kleine 
(Maßstab (1:5000000, Grundlage das Fluß- 
neß; Geländedarstellug fehlt) schließt natürlich 
jede exakte Darstellung aus. Die Karte beruht 
vor allem aus der Auswertung der Orts- und 
Flurnamen in Verbindung mit vor- und früh 
geschichtlichen Funden und der Verbreitung der 
Steppenheide; daneben sind die Bodenverhältnisse 
hinzugezogen. 
Eingehend hat sich Schlüter 1921 mit der 
Frage der Verbreitung von „Wald, Sumpf und 
Siedlungöland in Altpreußen vor der Ordenszeit" 
auseinandergesetzt 9 10 11 12 13 * ). Die dieser Arbeit beigege 
bene Karte im (Maßstab 1:500000 (die Grund 
lage bildet Vogels Karte des Deutschen Reiches 
und der Alpenländer, ohne Reliefdarstellung) un 
terscheidet heutigen und ehemaligen (Wald, heuti 
gen oder erst in der Neuzeit urbar gemachten 
Sumpf- und (Moorboden und endlich das Sied- 
lungsland vor Beginn der großen Rodungö- und 
Entwässerungsarbeiten. Sie ist konstruiert auf 
Grund bodenkundlicher, klimatischer und vorge 
schichtlicher Tatsachen, der Ortsnamen und der 
historischen Ouellen, die aber, wie (Mortensen in 
seiner Kritik der Schlüterschen Arbeit 1922 ge 
zeigt hat 79 ), unzulänglich ausgeführt worden 
find. (Mökensen hat auch im einzelnen nachgewie 
sen, wie ungenügend die Voraussetzungen und wie 
fragwürdig daher die Ergebnisse der Schlüterschen 
Arbeit sind. 
1926 erschien sodann im „Geschichtlichen 
Handatlas der Rheinprovinz" von Schlüter die 
7) Mitteilungen der Naturforschungen Ges. zu 
Halle, igii. 
„Deutsches Siedlungswesen", in HoopS Reallexikon 
der germ. Altertumskunde Bd. I. Straßburg 
1911—1913. 
8) Braun, Gustav, Deutschland. Berlin 1916. 
9) Schlüter, Walter, Wald, Sumpf und Sied- 
lungsland in Altpreußen vor der Ordenszeit, Halle 
1921. 
10) Mortensen, Hans, Sitzungsberichte der 
Altertumsgesellschaft Prussta für die Vereinsjahre 
1909—1922. 24. Heft 1922. Königsberg/Pr. 1923. 
Karte der „frühgeschichtlichen Waldbedeckung der 
Rheinlands" etwa um 500 n. Chr. im (Maßstab 
1:1000000 entworfen 77 ). (Gelände durch 
Schroffen roh angedeutet, Grundlage das Fluß 
netz). Die Eintragungen beruhen auf den Grad- 
mannschen Erkenntnissen der Steppenheidegebiete 
als der ältesten Siedlnngsräume; ob und wieweit 
andere Faktoren zur Rekonstruktion herangezogen 
sind, ist aus der kurzen Textbeilage (p. VII) nicht 
ersichtlich. 
Im gleichen Jahr (1926) hat Schlüter in 
dem von Wilhelm Volz herausgegebenen „Ost 
deutschen Volksboden" auf Grund der klimati 
schen, bodenkttndlichen, prähistorischen Verhält 
nisse sowie vor allem der Verbreitungsgebiete der 
Steppenheide und der Auswertung der Orts 
namen eine Karte der Verteilung von (Wald und 
Siedlungöland Böhmens und der angrenzenden 
Gebiete in frühgeschichtlicher Zeit veröffentlicht. 
((Maßstab 1:2750000, Grundlage das Ge 
wässernetz, ohne Geländedarstellnng). 
Endlich stammt von Schlüter die Karte 
„Wald, Sumpf und Siedlungsland um 500 n. 
Chr." im Elsaß-Lothringischen Atlas 79 ), die im 
(Maßstab 1:500000 nach den gleichen Grund 
sätzen wie die der Rheinlande hergestellt zu sein 
scheint (Ausführungen dazu fehlen!), aber durch 
den größeren (Maßstab und den Unterdrück der 
Isohypsen ein räumlich wesentliches klareres Bild 
der Verhältnisse gibt. (Unterschieden find: Wald 
vor etwa 800, und nach etwa 800 n. Chr. gerodet 
oder noch heute bestehend). 
Neben Schlüter ist vor allem Walter Gus- 
mann durch seine Bemühungen um die Rekon 
struktion des Landschaftsbildes in frühegeschicht 
licher Zeit hervorgetreten. 1928 hat er für Süd 
hannover und die angrenzenden Gebiete die Ver 
teilung von (Wald und Siedlungöland etwa im 
5. Jahrhundert n. Chr. festzulegen gesucht 73 ). 
Auf der Karte des Deutschen Reiches im (Maß 
stab 1:200000 (mit Isohypsen) stellt er die Er 
gebnisse seiner Untersuchungen dar und betrachtet 
sie als ersten Beitrag für eine zu schaffende 
Waldkarte deö gesamten deutschen Kulturbodens 
zu Beginn der historischen Zeit. Guömann hat 
11) Hersg. von Hermann Anbin. Köln, Mün 
ster/W. 1926. 
12) Veröff. d. Wist. Instituts der Elsaß-Lothringer 
im Reich an der Universität Frankfurt/M. Hersg. 
von Georg Wolfram und Werner Gley. Frankfurt/M. 
' 931 - 
13) Gus m ann , Walter, Wald- und Siedlungs 
fläche Südhannovers und angrenzender Gebiete etwa 
im 5. Jahrhundert n. Chr. Quellen und Darstellungen 
zur Geschichte Niedersachsens Bd. 36. Hildesheim, 
Leipzig 1928.
	        

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