Full text: Hessenland (45.1934)

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Hermann Kötelfjön Bauernkopf (Radierung) 
Direktors des Essener Museums, Gosebruch, nach 
Essen über, wo nach einiger Zeit ihm auf der 
Margaretenhöhe ein schönes Heim mit Arbeits 
räumen für seine verschiedenen Techniken gebaut 
wurde. 
Zn Essen reifte und wurde zur Tat der Ge 
danke zu Kätelhöns größtem und bedeutendstem 
TLerk seines bisherigen Lebens, das Mappenwerk 
,,Die Arbeit", welches aus drei Folgen bestehen 
soll, von denen bisher zwei erschienen find. Es sind 
radierte Bilder ans dem Leben des Bergbaues, der 
Arbeit unter und über Tag, der Landschaft und 
der Bildnisse der Führer, besonders der eigent 
lichen schöpferischen Unternehmer des Bergbaues, 
die ans kleinen Anfängen sich heraufgearbeitet 
haben. Daran schließt sich an die Arbeit der 
Natur, die Arbeit des Wassers von der Duelle 
in Eis und Schnee bis zum Fluß, den das Meer 
aufnimmt, und dieses selbst. 
Mät unerhörter Willensstärke hat Hermann 
Kätelhön die Studien zu diesem Werke geschaf 
fen. Neonate lang arbeitete er in den tiefsten 
Schächten der Bergwerke, in der Gletscherwelt 
und am stürmischen Meer. 
Zn den Bildnissen der Führer des Bergbaues 
zeigt er die Willenskraft, Entschlossenheit und 
geistige Bedeutung dieser Männer, in dem Ban 
unter Tage das Gewaltige dieser Arbeit und in 
den Bildern aus dem Hochgebirge und vom Meer 
die Größe der Natur. Also „Glück auf" lieber 
Hermann! 
Zn dem engeren Willingshänser Freundeskreis 
ist auch Paul Baum (geb. 22. 9. 1859 in 8Nei- 
ßen, gest. i8. Mai 1932 in St. Gimignano, 
Prov. Siena) zu rechnen, obwohl er erst 19*4 in 
denselben eintrat. 
Paul Baum, der viel gewanderte, hielt sich 
bei Ansbruch des Weltkrieges wieder einmal in 
Holland auf, in seinem Hänschen in St. Anna 
ter Muiden bei Sluis, das fast unmittelbar an 
der belgischen Grenze lag. Der Aufenthalt dort 
wurde dadurch für ihn als Deutschen auf die Dauer 
unmöglich und er ging nach Dresden, wo er den 
Winter verbrachte. Zm Frühjahr zog er in das 
schöne Böhmer Land, nach dem zu Ludwig Rich 
ters Zeit von Malern viel aufgesuchten Kamaik 
und malte dort bis in den Spätsommer. Dann 
bewog ich ihn, mit dem ich schon seit dem Zahre 
1878 befreundet war, mit mir nach Willingshau 
sen zu gehen. Hier gefiel ihm die anmutige Land 
schaft sehr gut, und er konnte sich leichter in sie 
einleben, als später in die des Habichtswaldes. Er 
malte Dlbilder aus dem Antrefftal und von der 
Straße nach Neustadt, welche den Zauber der 
Farbe und des Lichtes haben, wie alle Baumschen 
Gemälde, gleich ob ste in Dl- oder ^Wasserfarben 
gemalt find. Zn Böhmen hatte Baum nur mit 
Wasserfarben gemalt und jetzt in TLillingö- 
hausen bevorzugte er auch dieses Material, zu dem 
er mehr Vertrauen hatte, als zu unseren Kriegö- 
ölfarben, zumal er noch einen guten Vorrat eng 
lischer Wasserfarben von Holland mitgebracht 
hatte. Zch erwähne dies, weil es bezeichnend ist 
für Baums große Gewissenhaftigkeit auch in der 
Anwendung des Materials. Diese Sorgfalt ver 
steht man, wenn man die bis zur äußersten Emp 
findlichkeit für die Feinheit des Tones gesteigerten 
Gemälde Baums steht. So entstanden viele 
Aquarelle aus der nächsten Umgebung Willings 
hausens zu allen Jahreszeiten: Ans dem 
Antrefftal, von den Waldrändern und aus dem 
Wald selbst im Herbst, vom Forsthof im Schnee 
u. a. m. 
Baum hatte zunächst im Haaseschen Gasthaus 
gewohnt, wo wir Beide noch die einzigen Maler- 
Gäste waren, zog aber, nachdem Herr Haase die 
Gastwirtschaft aufgegeben hatte, in das Hücker- 
Haus, in welchem er an Thielmann und Kätelhön 
angenehme Gesellschaft und gute Freunde fand.
	        

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