Full text: Hessenland (45.1934)

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Ñbb. 1 Ausnahme des Uunstgeschichtlichen Seminars Marburg 
bete, wie Rathaus und Pfarrkirche, deren Stolz 
und den Gegenstand eifrigster Fürsorge. Bis ge 
gen das Jahr i497 scheint sie dem Zahn der 
Zeit und der Mißgunst der Elemente Wider 
stand geleistet zu haben. Damals aber erwies 
sich ein gründlicher Umbau notwendig. Besonders 
muß der dritte Brückenpfeiler beschädigt gewesen 
sein. Wir wissen, daß am 21. Juni 1498 der 
Hofmeister Hans v. Dörnberg und der Marschall 
Johann Schenk zu Schweinsberg mit dem 
Stadtrat die Brücke besichtigten und ihren Rat 
bei der Setzung des dritten Pfeilers abgaben 3 ). 
Unter wechselnder Aufsicht der Ratöpersonen 
wurde eifrig in ben Steinbrüchen gearbeitet und 
Mätte 1500 mit dem Pflastern der Brücke der 
Bau beendet, dessen Kosten man aus Grund der 
Angaben in den Gtadtrechnungen ans etwa 3000 
Mark Silber veranschlagen kann. 
Aber schon fünfzig Jahre später wurde das 
Werk und mit ihm die Bürgerschaft von einer 
schweren Naturkatastrophe heimgesucht. Am 10. 
Januar 1552 stürzte unter der Wirkung einer 
heftigen Wasserflut ein Teil der Brücke ein, wo 
bei 24 Personen ums Leben kamen. Ein Mar- 
burger Hans Sachs, der Schuhmacher Heinrich 
Engel in Weidenhausen, hat das Unglück besun 
gen 4 ). Diesmal dauerte die Reparatur erheblich 
3) Vgl. Küch, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt 
Marburg, ll 404. 
4 ) Gedruckt von W. Bücking, Beiträge zur Geschichte 
der Stadt Marburg. 1873, S. 73. 
länger als in den Jahren 1498—1500 und ver 
ursachte bei weitem höhere Kosten als damals, 
denn erst Mitte 1555 wurde der Bau vollendet 
und die Kosten betrugen über 8027 Pfund Silber. 
Hierbei verdient eine vom Standpunkt der 
Denkmalpflege aus nicht uninteressante Tatsache 
Erwähnung. Die finanzielle Lage der Stadt 
war, namentlich nach dem unglücklichen Schmal- 
kaldischen Kriege, nicht die beste, und so kam man 
auf den Gedanken, den Chor der Dominikaner- 
kirche abzubrechen, um die Steine für den 
Brückenbau zu verwenden. Wer sich vergegen 
wärtigt, wie mächtig die Wirkung ist, die gerade 
dieser Bau (jetzige Univerfitätskirche) im Stadt- 
bilde ausübt, wird noch heute der Mmrburger 
Regierung — damaliger Statthalter war Asmus 
Kendell — dankbar sein, daß sie diesen Antrag 
der allzu praktisch denkenden Stadtväter abge 
lehnt hat. 
Einen abermaligen Einsturz erlebte unsere 
Brücke am 31. Dezember 1763. TLieder unter 
der Einwirkung einer gewaltigen Überschwemmung 
brach ein großer Teil der Brücke ein, und zwar 
traf es diesmal die zwei mittelsten Bogen und den 
sogenannten „großen Hexenpfeiler", der, wie es 
scheint, noch aus der ersten Bauzeit der Brücke 
übrig geblieben war. Diesmal aber, nach einem 
Versuch im April 1764, verzichtete man gänz 
lich darauf, die Brücke aus Stein wiederherzu 
stellen und begnügte sich damit, ein Mittelstück 
aus Holz zwischen den stehengebliebenen steinernen
	        

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