Full text: Hessenland (45.1934)

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Kopf des Glückwunschschreibens der Willingshäuser Maler 
Zeichnung von L.vantzer 1919 zum 80. Geburtstag VON Ludwig Knaus N.G. Llwert-Verlag, Marburg 
Aus Hessenkunst 1921 
Bald hatte er dann die ganze Schar um sich ver 
sammelt und teilte die mitgebrachten „Zockerstee" 
(Zuckersteine, Bonbons) aus. 
Lins' Werkstätte war hauptsächlich „Haase 
Hof". Dort saß er, der kurze, stämmige, schwarz 
bärtige Lins mit den dunkelblauen Augen, die nie 
ausgehende lange Pfeife rauchend, vor der Feld 
staffelei und malte seine kleinen Modelle, von 
denen er nicht allzu großes Stillhalten verlangte, 
was auch kaum inmitten der herumtobenden Nicht 
modelle möglich war. 
Am bekanntesten ist von Lins' Kinderbildern das 
geworden, das er „Lieder ohne VDrte" nannte: 
Die Dorfstraße herunter kommt hinter einer Reihe 
schreiender Gänse eine Reihe ebenso schreiender 
fröhlicher Kinder Hand in Hand. Ein gesunder, 
kräftiger Humor zeichnet alle Kinderbilder von Lins 
aus. Die vielseitige Begabung von Linö zeigt sich 
in seinen Bildnissen und den zahlreichen schönen 
Landschafts- und Tierbildern. Unter den Tieren 
bevorzugte er die Gänse so sehr, daß er der „Gänse- 
Lins" genannt wurde und diesem Namen auch Ehre 
machte. Auf ein Willingshäuser Gänsebild erhielt 
er auf der Pariser Weltausstellung 1900 eine gol 
dene Medaille. Dieses sowie mehrere andere Lins- 
sche Bilder wurden von der Stadt Düsseldorf an 
gekauft. Der Gänse-Malplatz war auf der Gänse- 
weide an der Antreff (wo er auch die zum Reinigen 
der Pfeife nötigen Federn fand) neben der sehr 
malerischen hölzernen „Flutarchenbrücke", dem 
Gänsesteg, wie sie von den Malern genannt wurde. 
Das Marburger Universitätsmuseum besitzt auch 
ein Linssches Gänsebild. In der Nationalgalerie 
in Berlin ist er mit einer Dachauer Landschaft ver 
treten. An die Tür des Malerstübchens malte er 
einen Gänsezug, einen Tanz und eine Kinder 
gruppe. Das Titelbild des Albnmö und viele 
Zeichnungen darin sind von seiner Hand. 
Bei den „Abenden von ausgelassener Fröhlich 
keit" im Malerstübchen hielt Linö die ganze Ge 
sellschaft zusammen. Er verstand eö ausgezeichnet, 
alle möglichen Schnurren zu erzählen und sang 
mit seiner Baßstimme mit Vorliebe „O Isis und 
Osiris", „Im tiefen Keller" u. a. m. Gemeinsame 
Gesänge dirigierte er mit der langen Pfeife und 
großer Würde. 
Lins verbrachte fast alljährlich einen Teil des 
Sommers am Niederrhein, besonders in Nierst, 
wo er meist Landschaften und Tiere malte. Er war 
dort ebenso zu Hause wie in Willingshausen und 
hatte sich dort, obwohl er sonst an seiner Sprache 
sofort als Kafselaner zu erkennen war, im Ver 
kehr mit Landleuten das niederrheinische Platt so 
angewöhnt, daß er immer darein verfiel, wenn er 
versuchte, mit den Schwälmern in deren Mund 
art zu sprechen.
	        

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