Full text: Hessenland (45.1934)

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HesienlanH 
Monatsschrift für Landes- und Volkskunde, Kunst und Literatur Hessens 
Herausgeber Dr. C. H i tz er o t h, Marburg a L., Markt 21/22/24, Fernfpr.20^4 und 205z. 
Enthaltend zugleich die „Mitteilungen" des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. 
45. Jahrgang. M1/2. Marburg, Zanuar/Februar 1 W 4 . 
Hessens Land und Leute in der deutschen Malerei. 
iv. 
Berichtigungen zu Teil III: Knaus' letztes 
Willingshäuser Kirmesbild stammt nicht aus 
1882, sondern aus 1883. Ad. Lins war zum 
ersten Wal 1674 in Willingshausen. 
Adolf LinS (geb. 21. 10. 1836 in Kassel, gest. 26. 
März 1927 in Düsseldorf) ist das verbindende Glied 
zwischen der Knansschen und der neuen Zeit. Zn 
seinen Aufzeichnungen, die er Dr. Berlit für seinen 
Aufsatz in der Hefsenkunst geschickt hatte, sagt er: 
„Zm Jahre 1874 bin ich auf Rat meiner Cafseler 
Lehrer zum ersten Mal nach Willingshausen ge 
kommen. Der Eindruck beim Betreten des Dorfes 
war ein großer: Ein Hochzeitskammerwagen, das 
ganze Dorf auf den Beinen. Beim „alten Haase" 
kehrte ich ein und traf dort mit einer Reihe älterer 
Düsseldorfer Künstler zusammen: Hermann Son 
dermann, Werner Leineweber, Barthelmeß. Von 
Frankfurt waren da die gleichaltrigen Collegen Ro 
bert Forell und Grabe, von Berlin Zul. Manche 
und der unvergeßliche, liebenswürdige Professor 
Kretzschmer, der von seinen reichen Erlebnisten und 
Reisen mit den beiden Humboldts so interessant zu 
erzählen wußte. Eine lange Reihe von Jahren habe 
ich in W. Studien gemacht und Bilder gemalt. 
Zm Zahre 1877 fiedelte ich nach Düsseldorf über 
und in den achtziger Zähren gingen mit mir die 
Freunde, die meine Studien gesehen, nach W. Eö 
waren Emil Zimmermann, Hans v. Volkmann, 
Hugo Muhlig und Otto Strützel. Ans Castel 
waren dort Heinrich Otto, Th. Matthäi, Hof- 
mann und Fehrenberg. Es wurde fleißig gearbeitet. 
Wir standen oft zu 5 oder 6 um die Modelle, 
Kinder, Alte und allerhand Getier herum und stu 
dierten. Der alte Hans Hinrich Keller war ein 
Hauptmodell mit seiner Herde. Die Abende im 
Von Carl Bantzec. 
„Malerstübchen" mit ihrer ausgelassenen Fröh 
lichkeit bleiben unvergeßlich. Mein Bild „Lieder 
ohne Worte" entstand 1886. Zm Mmlerstübchen 
saßen mit uns zusammen die Gutspächter Zwil 
lingsbrüder Zimmermann, der Rentmeister und 
vor allem der Oberförster Gottlob Hücker, mit 
dem uns eine treue Freundschaft verband und in 
dessen gastlichem Hause wir manche frohe Stunde 
verlebt haben.... Dann muß ich noch eines lie 
benswürdigen alten Herren, des Kantors Neusel, 
gedenken, der uns Malern manchen guten Dienst 
erwiesen, wenn eö galt, die Dorfbewohner zum 
Modell stehen anzuwerben. Sein zojähriges 
Dienstjubiläum (1886) war eine große Feier im 
Schulgebäude. Die ganze Geistlichkeit, die Lehrer 
schaft, darunter viel ältere Herren, die seine Schü 
ler gewesen waren, der jugendliche Larrdrat Baron 
von Schwertzell, die Gemeindevertreter in großem 
Staat und wir Malersleute waren seine Gäste. 
Prof. Lndw. Knaus (welcher zeitweise bei Kantor 
Neusel gewohnt hatte) hatte dem alten Herrn ein 
Faß Wein zum Geschenk gemacht. Mit Kantor 
Neusels Nachfolger Steinmeyer war unser Ver 
kehr ebenfalls ein sehr freundschaftlicher " 
Lins hat bei der Aufzählung der Düsseldorfer 
Freunde, die 1863 mit ihm nach Willingshausen 
gingen, den Schweden Anders Mientan (geb. 13. 
2. 1845 auf Mmlmö, gest. in Düsteldorf am An 
fang dieses Zahrhunderts) vergessen, welcher von 
da an mehrere Zahre nach Willingshausen kam 
nnd hauptsächlich Znnenränme malte, später aber 
meist in Horn (Lippe) arbeitete. 
So, wie Linö das Leben der jungen Maler in 
Willingshausen schildert, hat eö sich noch etwa 
zwei Zahrzehnte erhalten. Zn der Tätigkeit trat 
mit dem Reiferwerden insofern eine Aenderung ein,
	        

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