Full text: Hessenland (44.1933)

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Amtstracht; der Klerus aber bekleidet mit weißen 
Stolen und Chorröcken (oder Überwürfen; „8wper- 
pellicis: mit ihren Beffen"). 
NB.! Dieser Erzbischof Hermann bestimmte, 
daß der (Dom-)Klerus zu allen Horen Chorröcke 
tragen solle, was bisher nur bei Festen und Pro 
zessionen üblich gewesen war. In den Kirchen 
zweiten Ranges dagegen trug überhaupt niemano 
Chorröcke, mit Ausnahme der Prälaten der Kirche 
von S. Gereon, die sich der Domkirche vergleicht, 
und wegen des Vorranges der Kölner Kirche von 
S. Gereon. Derselbe Herr Erzbischof bewilligte 
den erlauchten Kanonikern derselben Kirchen Chor- 
rocke und den Priestern rote Streifen 2 ) zu ihren 
Dem Dichter Fritz Deubner ein 
seinem 60. Geburtstage. 
Der bekannte pädagogische Schriftsteller und 
Dichter Fritz Deubner, wohnhaft zu Brotterode 
am Großen Inselberge, feierte im Januar dieses 
Jahres seinen 60. Geburtstag. Er hat mehrfach 
für Hessen und Thüringen als Dichter gewirkt. 
So hat er ein Bändchen Schwälmer Lieder ge 
schrieben, denn von 1921 bis 1925 amtierte er in 
der Schwalm, in Ziegenhain, Bezirk Kassel. Ein 
zelne von diesen Liedern find in Zeitungen und Zeit 
schriften veröffentlicht worden. In Ziegenhain an 
geregt ward er außerdem zu seinem großen Drama 
„Heinz Lüder". Dieses vaterländische Schauspiel 
liegt jetzt fertig vor und findet hoffentlich bald 
einen Verlag und eine Bühne, denn es ist vollkom 
men zeitgemäß, und in markigen Worten unv 
wuchtigen Szenen rollt sich vor uns ein Stück 
Heffengeschichte ab, in dem der schändliche Vertrag 
zu Halle ähnliche Zustände auslöste für Hessen, 
wie der Schandvertrag zu Versailles für ganz 
Deutschland. Soeben erscheint von Deubner ein 
Liederkranz um Brotterode unter dem Titel „Sin- 
schwarzen Nlänteln in der TCinterszeit und nur 
den Prälaten weißes Pelzwerk auf den Mantel- 
kapuzen zu tragen. 
Der Wahltag eines neuen Erzbischofs wurde 
auf den Tag S. Briccii (23. November) festge 
setzt und Bittmefsen vom hl. Geist zelebriert; auch 
veranstaltete man eine Prozession außerhalb der 
(Dom-)Kirche. Das hochwürdige Sakrament und 
die Reliquien wurden ausgesetzt, um vor ihnen für 
die Wahl eines neuen Erzbischofs 2 ) zu beten." 
2) So wird wohl das „clavici coloris“ des Textes 
zu übersetzen sein. 
3) Als solcher wurde an dem genannten Tag Philipp 
II. Graf von Dhaun und Oberstein gewählt (f 3. Aug. 
I5i5)- 
Gruß des „Heffenlandes" zu 
gende Heimat" (Verlag Schmauch, Kleinschmal 
kalden), worin er den höchsten Ort der hessischen 
Enclave verherrlicht. Seine „Scheffelsteinklänge" 
weben einen Dichterkranz um Scheffels Denkmal, 
das oben auf dem Rennstieg steht, an der äußersten 
Grenze hessischen Landes. Thüringen zum Lobe 
klingen seine Inselberglieder und seine „Rasten- 
bergisch Nachtigall" (Kühn-Verlag, ^Weimar), 
für die er von der Stadt Rastenberg eine prächtige 
Eiche im Rastenberger Stadtwalde gewidmet er 
hielt. Außerdem erschien eine Deubner-Biographie 
von Professor Rost im Verlag Kribe-Berlin und 
eine literarische Ehrengabe „Deubner" im Verlag 
Löseke, Ehrenfriedersdorf. Die schönste Linde in 
Ziegenhain heißt jetzt „Deubner-Linde", dem 
Dichter zu Ehren so genannt von der Stadt Zie 
genhain aus Dank für feine hessische Liedersamm 
lung „Meine Schwalm" und sein großes hessisches 
Drama „Heinz Lüder" und seine weiteren hessischen 
Dichtungen. 
Heinrich Nutberlet-Abend in Berlin. 
Am 2. Februar d. Zs. veranstaltete« der Verein der 
Kurhefsen Berlin 1890 und die Ortsgruppe Berlin der 
Vgg. chein. Hersfelder Klosterschüler einen Ehrenabend 
für den aus einer alten hessischen Familie stammenden 
und in Hcrsfcld geborenen Dichter Heinrich G n t b e r - 
l e k. Oie Veranstaltung fand im Friedenauer Ratskeller 
statt und war sehr gut besucht. Zahlreiche Mitglieder 
der veranstaltenden Vereine hatten sich eingefunden, 
dazu einige Freunde des Dichters und der Dichter selbst. 
Herr Wilhelm Grebe begrüßte die Teilnehmer, be 
sonders Herrn Gutberlet, und wies auf die Bedeutung 
seiner Dichtungen für die nationale Bewegung in 
Deutschland hin. Eine kurze Einführung in das Schaf 
fen des Dichters gab sodann Herr Prof. Dr. 
E. K n 0 t h. 
Mehrere Künstler hatten stch in den Dienst der guten 
Sache gestellt und erfreuten die Teilnehmer durch ihre 
Vorträge. Frau Adelheid M a n n st a e d t rezitierte 
eine große Zahl von lyrischen Gedichten Gutberletg. Herr 
Hofschanspieler Max H 0 ch st e t t c r rrug einige Hei 
matlieder und vaterländische Gedichte vor, die großen 
Beifall fanden. Oie Notzeit unseres Vaterlandes hat 
uns gelehrt, die Dichtungen Gutberlets richtig zu ver 
stehen. Seine Mahnung 
den Jahrgang 1932 der Zeitschrift „Hessenland" sind zum Preise 
bon Mk. 1.50 durch den Verlag, Marburg, Markt 21/23 zu beziehen.
	        

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