Full text: Hessenland (44.1933)

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Landes herauszubringen und die Arbeit auf diesen, 
Gebiet auf wissenschaftlicher Höhe zu halten. Eö 
wäre eine reizvolle Aufgabe, nicht nur die Fülle 
der Arbeiten Küchs bibliographisch festzulegen, son 
dern namentlich auch seinem Einfluß auf andere 
wissenschaftliche Arbeiter nachzugehen. Es würde 
sich auf vielen Gebieten, allgemeiner und spezieller 
Historie, Archivwifsenschaft und namentlich der 
Kunstgeschichte, gar manche merkwürdige Feststel 
lung machen lassen, woher irgendein wissenschaft 
licher Gedanke stammt und in welchem Maße sich 
eine Anregung Küchs ausgewachsen hat. Vieles 
Gelnhausen und die Frauen in 
Von 
Daß der Name seiner Vaterstadt mit einer 
Frau zusammenhangt, die G e l a oder G e i l a 
geheißen habe, weiß heute jedes Gelnhäuser Kind, 
aber wer diese Geila gewesen sei, darüber gehn die 
Meinungen auseinander. Als ich dort bei der Ta 
gung des Geschichtövereins im Jahre 1902 vor 
sichtig Umfrage hielt, da erfuhr ich mehrfach, eö 
sei die Gemahlin Barbarossas gewesen — aber ein 
ganz Schlauer, der wußte, daß eö nie eine Kaiserin 
Geila gegeben hat, meinte schmunzelnd, eö werde 
wohl eine Geliebte gewesen sein, die Kaiser Fried 
rich I. auf der Kinzig-Insel heimlich und sicher 
untergebracht habe, um sie dort öfter zu besuchen 
— worauf ich erwidern mußte, das fei doch zu jener 
Zeit eine recht unbequeme Liebschaft gewesen. 
Allgemein war jedenfalls — und auch wohl noch 
jetzt — die Vorstellung, daß es sich um eine Dame 
handeln müsse, die zu dem großen Stanfer in irgend 
welchen Beziehungen gestanden und der „zu Ehren" 
oder „zum Gedächtnis" der Ort seinen Namen er 
halten habe. Diese Annahme hat ihren Grund 
darin, daß die Mehrzahl der Ortsnamen, in denen 
noch heute die Beziehung auf eine Frau deutlich 
erkennbar ist, tatsächlich einer „Ehrung" ihren Ur 
sprung verdankt: sei es nun eine Heilige wie in 
Marienburg, oder eine Fürstin wie in Charlotten 
burg, und daß wir so etwas auch in unsern Tagen 
erlebt haben, ja noch immer erleben: wie wenn die 
Großgrundbesitzer des Ostens Neustedelungen oder 
Vorwerke nach ihrer Frau oder Tochter benannten, 
oder gar in unsern Großstädten die Herren Stadt 
verordneten oder Bauunternehmer bei der Anlage 
einer Straße ungeniert ihre weiblichen Familien 
angehörigen verewigten: derart, daß schon bald die 
Lebenden, geschweige die nächste Generation, nicht 
mehr wissen, was eine solche Anna- oder Emilien 
straße bedeutet. Ist es doch in Hamburg vorge 
kommen, daß eine in dieser Weise getaufte Elsa 
findet sich in der gedruckten Literatur, das bereits 
von Küch in gedrängter Form irgendwo niederge 
legt oder auch überhaupt nicht veröffentlicht, son 
dern nur gesprächsweise weitergegeben ist, denn die 
wissenschaftliche Uneigennützigkeit Küchs fein 
ganzes Leben lang war und ist bewundernswert. — 
Seine Kollegen und Freunde beglückwünschen ihn 
aufs herzlichste zu dem, was er in einem arbeits 
reichen Leben erreicht hat, und wünschen ihm, daß 
eö ihm gelingen möge, noch eine reiche wissenschaft 
liche Ernte in die Scheuer zu bringen. 
C. K. 
unseren Ortsnamen. 
Professor Edward Schröder in Göttingen. 
straße nachträglich im Sinne des „Lohengrin" ge 
deutet und nun der Ausgangspunkt für ein kleines 
Rich. Wagner-Viertel wurde. 
Benennungen dieser Art kommen aber erst seit 
dem 16. Jahrhundert, vor allem seit der Barock 
zeit auf, und sie sind zunächst fast ausschließlich 
dynastischen Ursprungs. Auch in Hes 
sen fehlte eö daran nicht. So wurde der Name der 
Wüstung Amelgotzen zunächst mit dem ersten 
Schloßbau der großen Landgräfin in *) f Amalien 
thal umgewandelt, was dann ein Jahrhundert 
später durch Wilhelmöthal ersetzt wurde; 's Hed- 
wigshof bei Schmalkalden hieß nach der Gemahlin 
Wilhelms IV., Landgraf Karl überwies den Re- 
fngies die neubenannten Dörfer Mariendorf und 
Louisendorf, Friedrich II. benannte nach seiner 
zweiten Frau die ganze Gruppe Philippinenburg, 
-dorf, -Hof und -thal. 
Die Heiligen als Träger von Ortsnamen 
find besonders für den deutschen Südosten charak 
teristisch: gibt es doch in den österreichischen Alpen- 
tändern allein 7 St. Gertraud, und 3 St. Agnes. 
N^eist handelt es sich um kleinere und um jüngere 
Siedlungen, und dann hat die Gegenreformation 
wesentlich zur Belebung des Heiligenkults beige 
tragen. In Hessen ist Derartiges auffallend spär 
lich: eine Ausnahme geradezu bildet St. Ottilien 
im Kreise DÄtzenhausen, um so merkwürdiger, als 
es sich hier um ein Hngenottendorf handelt, das 
erst im Jahre 1700 an eine Kapelle der Heiligen 
angelehnt wurde. Mmrgrethenhaun, eines der fünf 
Hann-Dörfer, erhielt diese Patenschaft im Jahre 
' " 93 , Katrinhagen im Schaumburgischen ist erst 
eine Hagengründung des 13. Jahrhunderts. 
Besonders auffällig ist, bis auf das eine Ma 
rienrode, das Zurücktreten der Gottesmutter in hes- 
i) Fch bezeichne im Nachfolgenden die eingegangenen Orte 
resp. Ortsnamen mit einem Kreuzchen.
	        

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