Full text: Hessenland (44.1933)

Und manche Geister, die mit ihm gerungen, 
Sein groß Verdienst unwillig anerkannt. 
Sie fühlten sich von seiner Kraft durchdrungen, 
In seinem Kreise willig festgebannt. 
Zum Höchsten hat er sich emporgeschwungen 
Mit Allem, was wir schätzen, eng verwandt, 
So feiert ihn! Denn was dem Mann das Leben 
Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben. 
Wie der Vater, so der Sohn: auch in ihm seltene 
Kraft des Geistes mit inniger Wärme des Gemütes 
verbunden. Hans Altmüller ist eine stille Gelehrten 
natur gewesen. Hier in diesem schlichten Bürgerhause 
hat er fast seine ganze Lebenszeit zugebracht; aber über 
die Wände seines geliebten Elternhauses hinaus um 
spannte sein Denken die ganze Welt. Hier hat er seine 
inneren Kämpfe ausgekämpft und seine inneren Siege 
errungen. Hier erschuf er sich ein Reich ewiger und 
ernster Dinge, hier erbaute er sich die Welt der Schön 
heit, hier wölbte sich die unendliche Kuppel seines Glau 
bens. Hier in Kafsel hat er sich durch seine Vorträge 
eine Gemeinde geschaffen, der er in einzigartiger Weise 
die Ehrfurcht vor dem Großen und Göttlichen, die Er 
kenntnis des Wahren und die Liebe zum Schönen ver 
mittelt hat. Wie ein Priester hat er seines Amtes ge 
waltet. Unter seinen Worten begannen die ewigen 
Wahrheiten zu funkeln in neuem Lichte. Funken schlug 
er aus dem Erbe der Vergangenheit, aus dem Vermächt 
nis der großen Denker, Dichter und Künstler. Hans 
Altmüller verstand die ganz seltene Kunst, lebendig zu 
machen, was tot und erstarrt schien. Mit neuen Zun 
gen redeten die Großen der Menschheit zu uns durch 
thu. Ein geborener Redner, dessen Rede dahinfloß wie 
ein Strom, der lange gestaut war. Nun schießt er in 
schäumenden Kaskaden zu Tal, nun reißt er im Wirbel 
uns mit fort. Aber seine Rede konnte sich auch weiten 
zu ruhig bewegter, heiterer Fläche, wo sich die Sonne 
spiegelte und alle Gestirne. Seine Vorträge bedeuteten 
für Viele: Sinndeutung des dunklen Lebens, Überwin 
dung persönlicher Nöte, blitzende Waffen im geistigen 
Kampfe, Glockengeläut im grauen Alltag. Wer ihn 
je gehört, kann nicht vergessen den Führer durch des 
Lebens Labyrinth, den Denker, der so manches Rätsel 
gelöst, aber der dann wieder vor dem größten Rätsel 
ehrfürchtig stillstand, den Verkünder ewiger Schönheit 
in den Werken der ewigen Kunst, den Propheten, der 
von Gott zeugte und auf den Erlöser Jesus Christus 
wies, den Priester, der mit reinen Händen und mit 
reinem Herzen am höchsten Heiligtume diente, den un 
erschrockenen Kämpfer für die Wahrheit, gegen allen 
Schein. 
Und wie vom Vater ging auch vom Sohne der be 
zwingende Zauber der Persönlichkeit aus. Hans Alt- 
niüller war ganz der Mann, der große Massen von 
Bücherschau. 
W. D e r s ch : „Das Inventar des Kirchenornat 
in der Elisabethkapelle des Breslauer Domes". S. A. 
aus der Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens. 
Bd. 66, igZ2. 
Dieser Aufsatz ist aus der eingehenden Beschäftigung 
des Verfassers mit der Person des Fürstbischofs von Bres 
lau Kardinal Friedrich Landgrafen von Hesien(-Darm- 
stadt) hervorgegangen, der durch Dcrschg Arbeiten „Bei 
träge zur Geschichte des Kardinals Friedrich von Hessen, 
Bischofs von Breslau (1671—1682)" in derselben Zeit 
schrift Bd. 62 und seine Biographie „Kardinal Friedrich 
von Hessen" in den Schlesischen Lebensbildern Bd. Z, 
Menschen hätte hinreißen und hinaufreißen können auf 
Gipfelhöhe — und doch hat er nur im Stillen auf 
Wenige wirken wollen. Bescheiden, allem Äußerlichen 
abhold, jede Mache verabscheuend, wollte er kein Mensch 
der Öffentlichkeit sein. So hat er auch nur verhält 
nismäßig wenig Schriftliches veröffentlicht. Sein Buch: 
„Höchste Lebenswerte" beweist, wie wunderbar klar, 
fefselnd, hinreißend er schreiben konnte. Seine nächsten 
Freunde wußten, daß er schon seit Jahren bedeutende 
schriftstellerische Arbeiten unter der Feder hatte. Aber 
der Schöpfer all dieser Arbeiten wollte, daß erst nach 
seinem Tode die öffentliche Drucklegung erfolgen sollte, 
ünd wieder, wie bei dem Vater, können wir nur hoffen, 
daß bald der große literarische Nachlaß Hang Alt- 
müllers uns zugänglich gemacht werde. Dann erst wird 
ein Urteil niöglich über den Philosophen und Dichter, 
über den Musiker, über den rief eindringenden Psycho 
logen, über den Meister der fein geschliffenen Form, 
über diesen Denker von höchster Originalität und Selb 
ständigkeit, über diesen Geist voller Anmut und Grazie, 
über diese starke und charaktervoll ausgeprägte Welt 
anschauung. 
Noch brennt der Schmerz in den Herzen seiner 
Freunde und Verehrer über den Verlust Haus Alt 
müllerg, der am 20. Juni des abgelaufenen Jahres von 
uns ging. Denn wer ihn näher kennen lernen durfte, 
war ergriffen von seinem reinen Menschentum. „Von 
der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch 
sich, der sich überwindet", das Goethewort leuchtete aus 
seinem ganzen Wesen. 
Karl und Hans Altmüller, Vater und Sohn, zwei 
Bürger unserer Stadt, auf die wir stolz sind, zwei der 
besten Köpfe und der besten Herzen, die jemals in un 
serer Vaterstadt gedacht und empfunden haben, zwei 
deutsche Männer, mit allem, was wir schätzen, eng ver 
wandt, zwei Söhne des Hessenlandes, die ihre hessische 
Eigenart nie verleugnen konnten und nie verleugnen 
wollten, zwei Sterne am Hiinmel des Wahren, Guten 
und Schönen, zwei Duellen, aus denen unendlich viel 
geistige Anregung, Förderung, und Daseinsbereicherung 
geflossen ist und noch immerdar fließen kann. 
Wir freuen uns, daß die Freunde von Karl und Hans 
Altmüller uns diese schöne Gedenktafel gestiftet haben. 
Nun möchten wir, daß nicht nur diese Gedenktafel hier 
uns grüßt, sondern, daß es an Vater und Sohn Alt- 
müller wahr werde: 
Was wir sammeln, was wir speichern, 
Mag's die Erben noch bereichern, 
Einst vergeht's. 
Nur der Schatz der Seelenspenden 
Wächst, je mehr wir ihn verschwenden. 
Jetzt und stets. 
1928, wieder greifbar und lebendig vor uns gestellt ist. 
Friedrich hat dem Andenken seiner Ahnfrau, der Hei 
ligen Elisabeth, im Breslauer Dom eine reich ausge 
stattete Kapelle geweiht. Der Geschichte und den Schick 
salen der Kirchenschätze dieser Kapelle wird nun, nachdem 
durch den Derfafser schon früher die dafür wichtige» 
Nachlaßverzeichnifse des Kardinals veröffentlicht waren, 
auf Grund des auf früheren Inventuren beruhenden Ver 
zeichnisses des Kirchenornats von 180g nachgegangen. Am 
interessantesten für uns sind dabei die Mitteilungen 
Derschs über die Reliquien der Heiligen Elisabeth und 
eine Zusammenstellung (auf S. 208—211) der darüber 
in den letzten Jahren erschienenen Literatur. C. K.
	        

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