Full text: Hessenland (44.1933)

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Scheller, Will: Oer letzte Kurfürst. Wesen 
und Schicksal in Anekdoten. Kassel, Bärenreiter-Verlag 
1933. 223 S. 8°. 
Das ist wirklich ein schönes Buch, nicht nur äußerlich 
vortrefflich ausgestaltet. Es war ein glücklicher Ge 
danke des Verfassers, der schon manchen hessischen Kopf 
feinsinnig beschrieben, die Schicksale und dag Wesen 
des letzten Kurfürsten in dieser Form zu behandeln. Ist 
zwar die Zeit vorbei, in der es hieß: 
Es kam im ganzen rvmschen Reich 
An Schlechtigkeit schier niemand gleich 
Dem Kurfürsten von Hessen 
so ist doch die Gestalt unseres letzten Kurfürsten durch 
die über ihn immer noch umlaufenden Anekdoten so 
stark verzerrt, daß erst kürzlich ein namhafter deutscher 
Historiker ernsthaft seine „überwiegend frivole Lebens 
auffassung" bemängelte. Wer Will Schellers Buch 
lieft, und hoffentlich werden das Diele tun, der wird 
zu einer andern Ansicht kommen. Daß gerade aus 
Kassel diese Stimme kommt, ist besonders zu begrüßen: 
denn die Kafselaner sind immer die schärfsten Kritiker 
des Kurfürsten gewesen, der mit ihnen von jeher auf 
dem Kriegsfuß stand. Diele von den Anekdote» in 
den. Buche sind nicht neu, manche stammen aus dem 
Munde von Leuten, die in der nächsten Umgebung des 
Kurfürsten lebten und über seine Fehler und Schwächen 
auch seine guten Seiten nicht übersahen. A. W. 
Schlegel ist übrigens niemals Privatsekretär des Für 
sten gewesen. Das ist eine aus Grebcs Biographie 
stammende Verwechslung mit einem gleichnamigen Hof- 
beamten. Auch daß der Kurfürst im Juni 1866 von 
Kassel weggelockt sei, glaube ich nicht. Dein wider 
spricht u. a. seine Abschiedsproklamation „An mein ge 
treues Volk". Oer Anekdotensammlung folgt eine ge 
naue Quellenangabe, ein Ahnenverzeichnis, die Lebcng- 
daten des Kurfürsten und schließlich eine ausführliche 
Liste aller seiner Nachkommen. Seine zuletzt erwähnte 
Urenkelin hat mehrere Kinder. Sonst ist, soweit ich 
sehn kann, die Liste vollständig. Alles in allem: ein 
schönes Buch. PH. L. 
Burgen und Schlösser. 37 Aufnahmen aus 
Hessen und Waldeck. Mit einem Geleitwort von Direk 
tor A. Woringer. — Bd. II der Sammlung „Hessen und 
Waldeck in schönen Bildern. (Kassel, Friedr. Lometsch 
0. I. diJi 1,20.) 
OaS reizende Bändchen, auf dessen Titel der Bergfried 
von Spangenberg grüßt, bringt schöne Aufnahmen von 
Burgen und Schlössern, die sehr gut gesehen sind und das 
Verlangen wecken, das hier im Bilde Gezeigte auch zu 
erwandern. Denn dazu will ja auch das kleine handliche 
Buch anreizen. Oa blicken wir durch das Burgtor der 
Sababurg, sehen Schloß Beberbeck und Schloß Wil 
helmstal, die Ruine Wallenstein oder das Riedesel'sche 
Schloß Ludwigseck und seinen Namensvetter, den Lud- 
wigstein, um nur einige davon zu nennen. Auch Mar 
burg und Tannenberg sind nicht vergessen, dazu einige 
schöne Fliegeraufnahnren, so von Schloß Waldeck. — 
Gut auch ist, daß einige geschichtliche Notizen am 
Schlüsse beigegeben sind. Doch möchte man hier wün 
schen, daß immer auch noch einmal das behandelte Ob 
jekt bezeichnet sei. Auch daß in nächster Auflage einige 
Ungenauigkeiten berichtigt sind. —-c— 
Blum, Heinr.: Hessische Heimatgeschichte. 2. durch 
gearbeitete und oerm. Ausl, unter Mitw. von Bruno Ja 
cob. Kassel, Bärenreiter-Verlag 1933. i6oS. 8°. 
Oie neue Auflage des mit vortrefflichem Bildmaterial 
ausgestatteten Buches ist erheblich umfangreicher als die 
erste und das fleißige Gesamtverzeichnis der Literatur ist 
nicht mehr über das ganze Buch verstreut, sondern am 
Schluß zusammengefaßt. Vorgeschichte und Kulturge 
schichte sind eingehend berücksichtigt, und der gesamte Stoff 
ist in 78 Abschnitten so gegliedert, daß der Leser einen 
guten Überblick über die hessische Geschichte bis in unsere 
Tage erhält. Sogar der Einzug des Prinzen Philipp 
als Oberpräsident ist noch erwähnt. Es war ein glück 
licher Gedanke, einige Ilnebenheiten der ersten Auflage 
zu beseitigen, und Br. Jacob, der dabei mitgewirkt hat, 
war der rechte Mann dazu. Einiges ist dabei stehn ge 
blieben, was ich anders gesagt haben möchte. Haben die 
Hessen wirklich bei Dettingen mitgefochten? Daß Wil 
helm IX. um 1790 seine Beamten Zöpfe tragen ließ, 
war nichts Besonderes: denn damals trugen fast alle 
Männer Zöpfe. Schloß Weißenstein ist m. W. nicht 
vom L. Moritz erbaut worden, wenigstens nicht in der 
Form, wie es von Wilhelm IX. abgerissen wurde. 
Wilhelm IX. ließ auch nicht die Badeanlagen von 
Nemdorf vergrößern, sondern hat sie erst geschaffen. Doch 
das sind Kleinigkeiten, die den Wert des Buches als 
einer vortrefflichen Heimatgeschichte kaum beein 
trächtigen. Ph. L. 
Geschichtsblätter für Stadt und 
Kreis Gelnhausen, herausgegeben vom Ge 
schichtsoerein Gelnhausen. Nr. 21/22, September- 
Oktober 1933. Inhalt: Dr. phil. Heinrich Bott: 
Neue Beiträge zur Geschichte Gelnhausens im 3ojäh- 
rigen Krieg. 1. Teil. 
„M ittelalterliche Gesundheitsfür 
sorge im Gebiet der heutigen hessischen 
Provinzen Starken bürg und Oberhes- 
s e n" von Prof. Dr. med. Karl Baas, Karlsruhe. 
Verlagsbuchhandlung Richard Schoetz, Berlin. Preis 
DlJl i .80. 
Oer Inhalt ist folgender: Einleitung Römerzeit. Kle- 
rikermedizin — Hospitalwescn (Mönchheilkunde, Wun 
derglaube, Jnfirmarien und Hospitäler, Aussätz'gen- 
häuser.) Laienmedizin — Das Heilpersonal (Arzte, 
Wundärzte, Hebammen, Bader und Bäder, Beginen, 
Apotheken und Apotheker). Allgeineines und Register. 
Niedervorschütz. Seine geschichtliche und 
wirtschaftliche Entwicklung. Von Abel Becker, Pfarrer 
i. R. Marburg, Elwert 1933. VIII und 168 S., 
brosch. 2,30 JC, geb. 3 JÍ. 
Das Bauerntum soll der Grundstein des ständischen 
Aufbaus des deutschen Volkes werden. Suchen Wirt 
schaftspolitik und Gesetzgebung die Voraussetzungen für 
diese Entwicklung zu schaffen, so wird doch das Wich 
tigste die Haltung des Bauern selbst sein. Für die 
nationalpolitische Erziehung, die auch an ihm geleistet 
werden muß, wird die Geschichte unserer Hessendörfer 
einen wesentlichen Beitrag zu liefern haben. Zwar 
zielt die Heimatbewegung schon längst in diese Rich 
tung; aber die Vorschriften, daß z. B. eine jede Dorf 
schule eine Chronik zu führen hat, welche die Geschichte 
des Dorfes enthalten soll, blieben doch meistens auf 
dem Papier. Was half aller gute Wille der Lehrer 
gegenüber den beträchtlichen Schwierigkeiten quellen 
mäßiger und methodischer Natur, eine zureichende 
Heimatgeschichte zu schreiben? 
Das vorliegende Büchlein ist deshalb beachtenswert, 
weil es in dieser Hinsicht neue Wege geht. Der Ver
	        

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