Full text: Hessenland (44.1933)

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3 5. vielmann Willingshäuser Dorfschmiede 1 845 N. G. Llwert-Verlag, Marburg 
es auch Knaus noch erlebte, als er Ende der vier 
ziger Jahre nach Willingshausen kam. Während 
im Allgemeinen der Schnitt der Kleidungsstücke 
bis heute, soweit sie noch getragen werden, derselbe 
geblieben ist, fällt an Reuterng Bildern auf, wie 
viel länger die Frauenröcke und wie viel breiter die 
„Betzeln" (Müßen) bei Frauen und auch Kin 
dern damals waren. 
Im Ganzen gesehen muß sich dem Maler ein 
Bild größter Manigfaltigkeit der Kleidung in 
Form und Farbe gezeigt haben, dazu vor allen 
Dingen noch die wunderbaren Ntenschen, die in 
diesen Kleidern steckten, die eigenartigen alten Sit 
ten und Gebräuche, die ebenso wie das Alltags 
leben stets schöne Bilder ergaben, so daß es nicht 
zu verwundern ist, wenn immer mehr Maler, die 
Freude an der Darstellung ländlichen Lebens hat 
ten, von der Schwalm angezogen wurden. Hierzu 
kamen noch die schönen alten Fachwerkhäuser mit 
ihren malerischen Innenräumen und die außerge 
wöhnlich schöne Landschaft, die dank dem verständnis 
vollen Entgegenkommen der Herren von Schwert 
zell im Wesentlichen, trotz Verkoppelung, ihren 
alten Charakter behalten hat. Narr die alten 
Huten mit ihren vielhundertsährigen knorrigen 
Eichen und mächtigen Buchen sind, wie überall, 
verschwunden, aber auch hier ist es, dem Wunsche 
der Regierung und der Familie von Schwertzell 
entsprechend, bei der Verkoppelung möglich ge 
wesen, eine Anzahl der schönsten alten Buchen zu 
erhalten. 
Die Federzeichnung, welche Reutern seinem 
Gönner Goethe verehrte, zeigt einige der uralten 
Hute-Eichen. 
Im allgemeinen ist die Landschaft bei Wil 
lingshausen, abgesehen von der verschwundenen 
Hute, noch so, wie sie Renterns Zeit war: Das 
am Bergabhang gelegene Dorf, eingebettet in 
einen reichen Kranz alter Obstgärten mit seiner 
alten Kirche, bekrönt von dem von Schwertzell- 
schen Schloß und dem Park mit den hohen alten 
Bäumen, saftige Wiesen im Tale durchflossen von 
der Antreff und dem Mühlgraben, deren Ufer mit 
Erlen und Buschwerk gesäumt find. Auch die an 
mutigen Wandungen, in denen der Bach durch die 
Wiesen zog, waren noch vorhanden, bis sie vor 
wenigen Jahren durch den wirtschaftlichen Sinn 
des Gntspächters teilweise in eine gerade Linie ver 
wandelt wurden. Weiter erfreut uns noch das 
schöne Waldtal, ans dem die Antreff von dem 
darmstädtischen Bernsburg her kommt, und die 
weite Ebene, die sich unterhalb Willingshausen 
auftnt, um in weiter Ferne vom Knüllgebirge 
abgeschlossen zu werden. Alte Eichen und 
Buchen sind durch die Fürsorge der Herren von 
Schwertzell nnd ihrer Forstverwaltnng auch
	        

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