Volltext: Hessenland (44.1933)

122 
weigerte. Es war das reichste Kloster der Land 
grafschaft, auf Veranlassung der Grafen von Zie 
genhain von rheinischen Cisterciensern nach fehlge 
schlagenen Versuchen in der ILachbarschaft um 
1215 in Haina gegründet. Bis in die WAterau, 
nach Frankfurt und ins Hananifche reichte sein 
Besitz, und ans den Zehnten und Renten des anS- 
aeliehenen Landes, den Nutzungen der ausgedehnten 
Wälder, den Erträgnissen der Bergwerke nnd 
Eisenhütten flössen ihm reiche Einkünfte zu. 
Einen Teil dieses Besitzes verwandte der Land 
graf zu andern Zwecken, 5. B. der Ausstattung der 
Universität Vcarburg, die Hauptmasse aber wurde 
zur Einrichtung eines Hospitals bestimmt. Wohl 
bestanden bereits in den meisten Städten der Land 
grafschaft Hospitäler: aber für die armen Alten 
und Kranken der Dörfer gab es keinen derartigen 
Zufluchtsort. Dieser Not half Landgraf Philipp 
ab, indem er vier Hospitäler gründete, zuerst Haina 
und Nterxhausen für das eigentliche Hessen, später 
Hofheim und Gronau für die Grafschaft Katzen 
ellenbogen. Nach der Anschrift an dem Relief 
Philipps in der Kirche zu Haina wurde das dortige 
Hospital im Hahre 1330 eingerichtet. Hm Nkarz 
1531 jedenfalls war Haina schon „zur Erhaltung 
armer kranker Lenthe geordnet nnd gegeben". 
Doch es vergingen noch Hch Hahre, bis am 26. 
August 1333 Landgraf Philipp der neuen Schöp 
fung durch urkundliche Bestätigung die rechtliche 
Grundlage gab 1- ). Der Hauptratgeber des Land 
grafen bei der Visitation nnd Einrichtung von Ho 
spitälern war Heinz von Lüder. Schon 133 c ist 
1) Die Urkunde wurde auf Befehl des Landgrafen 
iirt Archiv der Stadt Marburg aufbewahrt und ge 
langte erst 1623 nach Haina. 
Bücherfchau. 
P a u l Kipper: Prangender Sommer im 
deutschen Wald. Mit 64 Bildern von Hein 
Gorny. Lcinenband Mark Z,7Z. Verlag von Dietrich 
Reimer/Ernst Vohsen in Berlin. 
Vom „Tausendsäulensaal" km märkischen Grunewald 
wandert der Dichter diesmal nach West und Süd 
unserer deutschen Heimat, in den sagenumwobenen 
Spessart, pr herben Wacholderheide, nach dem Harz 
und dem lieblichen Thüringer Wald, in die Hochwelt 
der bayerischen Alpen und in des Verfassers geliebte 
Heiniat, den badisch-schwäbischen Schwarzwald. 
Paul Eipper ist ein Berauschter der Natur. Er 
schaut den Dingen ins Herz, ihm ist jeder Stein be 
lebt, und auch das unscheinbarste Wesen wird beseelt. 
Diesen freund der Natur auf seinen Wegen zu be 
gleiten, ist ein Gewinn, llns ist. als seien wir bisher 
an aller Kreatur achtlos und blind vorübergegangen. 
Dichterische Schau paart sich aufs Köstlichste mit 
Wirklichkeitssinn und Humor: diese Gaben bescheren 
ihm die Sorge für Haing mit anvertraut, 1.542 
begegnet er uns wieder als „Fürstender" des Hospi 
tals Haina, und nach Errichtung der drei andern 
Hospitäler wird er znm obersten Beamten für alle 
vier bestimmt. Diese gemeinsame Verwaltung durch 
den sogenannten Obervorsteher, der seit 1720 in 
Haina seinen Sitz hatte, blieb auch nach der Tei 
lung Hessens unter die Söhne Philipps bestehen 
nnd wurde erst 1810 auf Veranlassung der west 
fälischen Regierung aufgehoben. Die Verwaltung 
unterstand dann seit 181.5 der knrfiirstlichen Re 
gierung in Ncarbnrg nnd wurde nach der Einver 
leibung Knrhefsens in Preußen von diesem dem neu 
gebildeten Bezirksverband übertragen. 
Die erste Hospitalordnnng stammt von Heinz 
von Lüder. Sie steht die unentgeltliche Aufnahme 
von 100 armen NFännern ans den Alten nnd 
Kranken der Landbevölkerung vor. So finden wir 
denn neben gesunden Alten Blinde ,und Tanbe, 
Lahme und Krüppel, Irre nnd Epileptische, ja auch 
Aussätzige hier beherbergt. Die Zahl der Hospi- 
taliten stieg schon sehr bald auf das NLehrfache der 
zuerst festgesetzten Zahl, nnd bereits unter Philipp 
fanden gegen Bezahlung auch Geisteskranke ans den 
Städten Aufnahme. Hm Laufe der Hahrhnnderte 
vergrößerte sich das Hospital immer mehr, sodaß es 
zur Zeit 737 Kranke betreut. Zugleich änderte es, 
namentlich im 19. Hahrhnndert. seinen Eharaktcr 
nnd wurde allmählich zu einer reinen Heilanstalt für 
Geisteskranke aus Stadt nnd Land. Längst können 
nicht mehr alle Hnsasten unentgeltlich aufgenommen 
werden, aber die noch bestehenden Freistellen, die 
Landbewohnern vorbehalten find, zeugen noch heute 
von dem Geist sozialer Fürsorge, in dem vor 400 
Hahren Landgraf Philipp die Anstalt schuf. 
uns kleine Kostbarkeiten, u. a. die Unterhaltung zweier 
Gebirgsbäche, das Miterleben einer Birkhahnbalz, 
Mondträmne, eine Photojagd auf Gemsen. 
Auch diesmal ist Hein Gorny, der bewährte Photo 
graph, Paul Eippers Wandergenofje. Der bildliche 
Schinuck dieses neuen Werkes ist daher eine schöne nnd 
gleichgestimmte Ergänzung des Textes. 
Parrei, Christian de: Les Papiers de Calomie. 
Docnments pour servir à Fhistoire de la eontre- 
revolution. Sèrie 1. Les finances des Princes en 
1790 , 1791 , 1792 . Cavaillon, Impr. Mistral 1932 . 
Aug dem Titel dieses Buches wird man kaum er 
sehn, daß es sich um ein für die neuere hessische Ge 
schichte nicht unwichtiges Werk handelt. Aus dem 
Nachlaß des französischen Ministers Calomie teilt der 
Verfasser die Dokumente mit, die sich auf die Verhand 
lungen der geflohenen Brüder Ludwigs XVI. mit dem 
Landgrafen Wilhelm IX. beziehen. Der Landgraf
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.