Full text: Hessenland (44.1933)

lich das baufällige Gebäude gestanden hatte, wahr 
scheinlich eingeebnet ^). 
Zwei Jahre vorher hatte das Kriegskolleginm zu 
Kassel verfügt, daß wenigstens die Wehrbanten 
zu erhalten feien. Das ist wohl auch geschehen,, 
außerdem wurde die Kommandantenwohnnng „im 
ersten Stockwerk des Turmes an der Zugbrücke" 
im Jahre 1786 für „mehr als 600 Taler neu 
erbaut". 
In der Folgezeit haben Abbruchs- und Er 
haltungsarbeiten einander abgelöst. Um die Tuende 
vom achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert 
wurde der runde TJohnturm gründlich in Stand 
gesetzt. Zu dem Zwecke wurde ein Fachwerkban 
aufgesetzt, der allein 34 Fuhren Holz benötigte li! ). 
Sparmaßnahmen nach den Freiheitskriegen griffen 
auf vorhandenes Baumaterial zurück nnd wurden 
dementsprechend zum Neubau der in der Verbürg 
stehenden Scheune — für den um diese Zeit auf 
dem Herzberg wohnenden Pächter — Steine vorn 
sogn. „verfallenen" Turm verwandt 12 * 14 ). Der 
Turm selbst dagegen wurde wiederum im Jahre 
1844 ausgebessert. Sechs Jahre später erfolgten 
Ausbessernngsarbeiten „an der Stube neben dem 
Saal". 
Eine bemerkenswerte Veränderung erfuhr im 
letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts der 
Gerichtsturm, dessen baufälliger hölzerner äußerer 
Übergang zum Treppenturm beseitigt wurde. Der 
Unterhaltung des Gerichtsturmes wurde übrigens 
in den letzten hundertfünfzig Jahren besonderes 
Interesse zugewandt. So wurden Unterhaltungs 
arbeiten, entsprechend der Verwendung seiner 
Räume für Gerichtszwecke, wiederholt dnrchgefiihrt. 
Auch für Erhaltung der übrigen Baulichkeiten ist 
in den letzten Jahrzehnten ständig gesorgt worden. 
Bauarbeiten größeren Stiles fanden nach dem 
Weltkrieg außer an der Kapelle durch den Aus 
bau des Brückenturmeö unter Anfügung eines 
Wohnbaues statt. Dieser Wohnbau erhebt sich an 
derselben Stelle, an der — nach Plänen und Gra 
bungen zu schließen — schon in früheren Zeiten 
Baulichkeiten gestanden haben. Unter dem Ban 
befindet sich der bereits erwähnte Keller ans dem 
Jahre 1627. 
III. Die Kapelle. 
Unter den erhaltenen Bnrgbauten verdient die 
Kapelle besondere Beachtung. Sie gehört ohne 
Zweifel mit zu den ältesten Teilen der Burg und 
12) Akten der Renterei zu Breitenbach a. H. 
iz) Hallenberger führt in seiner Schrift: „Die Burg 
Herzbcrg" aus, man habe das Dach im Jahre 180Z 
um ein Drittel gekürzt. 
i 4 ) Im Jahre 1826. 
hat schon, wenn auch in anderer Form, vor dem 
großen Umbau unter dem Landhofmeister Hans 
v. Doringenbergk bestanden. Allein ihre Lage un 
mittelbar am höchstgelegenen Teil der Burg und 
mit den Altarraum nach Osten zu spricht für ihr 
Alter. 
Fromme Stiftungen aus früher Zeit bestätigen 
die vorerwähnte Auffassung. Dreiundzwanzig 
Jahre nach Berthold v. Lisbergs Tode erneuerte 
nnd ergänzte dessen Witwe — die auf dem Herz 
berg wohnte — und dessen Sohn Friedrich am 
i2. NUirz 1372, in dem Jahre des die Burg um 
tosenden Sternenkrieges, eine Stiftung Bertholds. 
Hatte Berthold bestimmt, daß bei Tag und Nacht 
die ewige Lampe brennen sollte, so folgte nunmehr 
eine jährliche Spende von achtzehn Pfund Kirchen- 
tvachö. Die Kapelle wird damals, zu katholischer 
Zeit, ein anderes Aussehen gehabt haben. Gab 
das Innere des Gotteshauses schon damals den 
Blick auf den gewachsenen Felsen frei, so war die 
Ausgestaltung des Kapellenraumes zu jener Zeit 
ooch von der heutigen stark abweichend. Die jetzt 
vorhandenen großen Fenster fehlten und das Ta 
geslicht mag nur durch Öffnungen von der Gestalt 
lind Größe eingedrungen sein, die noch an der nörd 
lichen Außenwand der Kapelle sichtbar sind. 
Näheres über die Geschichte der Kapelle wird 
erst wieder seit der Reformationszeit bekannt. Her 
mann von Doringenbengk, ein eifriger Verfechter 
der neuen Lehre, führte bereits im Jahre 1323 die 
Reformation ein und bereitete damit dem katholi 
schen Gottesdienst in der Burgkapelle ein Ende. 
Äußerlich mag schon dadurch eine Änderung ein 
getreten sein, daß die gottesdienstlichen Handlun 
gen nunmehr von Breitenbach aus vorgenommen 
wurden und die Bestellung besonderer Burg- 
kapläne aufhörte. Auch schenkte man dem Kapel 
leninventar besondere Aufmerksamkeit, man stellte 
ein Verzeichnis aller silbernen Kirchenkleinodien auf 
und gab sämtliche seidenen und samtenen Meßge 
wänder zum Verkaufe frei (1336). Bis auf den 
heutigen Tag wird dagegen ein alter goldener 
Hostienteller mit mantuanefischen Kreuzemblemen, 
eine Altardecke in filetartiger Leinenstrickerei mit 28 
Tierfiguren — darunter Drache, Löwen, Stein 
bock, Elefant, Luchs, Kranich, Pfau, Schwein — 
nnd eine Hostiendecke in goldgrüner Filetarbeit mit 
einem Löwen- und Krenzwappenfchild in den Ecken 
geschmückt dem Kapelleninventar zugeschrieben nnd 
aufbewahrt. Das Innere der Kapelle wird um 
diese Zeit ebenfalls einer Umwandlung nnterzogen 
worden fein. So find wahrscheinlich — ent 
sprechend der neuen Glaubenslehre — alle Bilder 
entfernt und die Fresken übertüncht worden. Eine 
völlige Umgestaltung erfuhr die Kapelle unter 
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