Full text: Hessenland (44.1933)

Zweigoerein Gelnhausen. 
Jahresbericht über die Tätigkeit des Geschichtsoereins 
im Jahre 1932. 
Das Jahr 1932 ist für den Geschichtsverem ein er 
folgreiches und fruchtbringendes gewesen. Es sind nicht 
nur durch die Vorträge in den Versammlungen, sondern 
auch durch die Mitarbeit au genealogischen Vereinen, 
Auskünften und Tätigkeit im Interesse dre Heimatge- 
schichte liegende Arbeiten getan worden. Siehe Anl.: 1 
Famil.-Geschichtl. Abtlg. Einen ganz besonderen Auf 
schwung hat die Arbeit des Geschichtsoereins durch die 
Herausgabe der „Geschichtsblättcr für die Stadt und 
den Kreis Gelnhausen" erfahren, durch welche mancher 
lei Beziehungen mit wissenschaftlichen Persönlichkeiten, 
Bibliotheken und Forschungsinstituten angebahnt worden 
sind. Das Heimatmuseum für Stadt und Kreis Geln 
hausen hat sich bedeutend erweitert. Viele neue Gegen 
stände sind hinzugekommen. Darüber folgt eingehender 
B e r 1' ch t. Siehe dens. als Anl. 2. 
Der Vorstand des Geschichtsoereins bestand aus den 
Herren: Oberstleutnant von Carlshausen, Ehrenvor 
sitzender: Rektor Kaufmann, i. Vorsitzender: Direktor 
Schöffer, 2. Vorsitzender: Lehrer Oruschel, 1. Geschäfts 
führer: Kaufmann Julius Frey, 2. Geschäftsführer; 
Oberrentmeister Grob, l. Schatzmeister; Oberrentmeister 
Möller, Vertreter: Bibliotheksinspcktor Kreuter, Mu 
seumsleiter; Rechnungsrevisoren Herr Oberlazarett 
inspektor Müller und Herr Ingenieur Hain, Stellver 
treter Herr Kaufmann Wilhelm Frey; Korrespon 
dierende Mitglieder Herr Schriftsteller Karl Schöffer- 
Lcipzig und Herr Studienrat D. Hch. Bott-Hanau. Der 
Verein ist korporatives ^Mitglied der Gesellschaft für 
Familienkunde in Hessen und Waldeck. Ehrenmitglied 
Prof. Dr. Hahn. 
Die Monatöversammlungen waren im Durchschnitt 
von 25 Mitglieder besucht. Es fanden mit wenigen 
Ausnahmen jeden Monat Sitzungen statt und zwar 
8 Mitgliederversammlungen und 8 Vorstandssitzungen. 
In den Mitgliederoersannnlungeu sprach Herr Kreuter 
über die Einrichtung des Heimatmuseums, das sich nicht 
nur auf das Gebiet der Stadt, sonder» auf das gesanite 
Kreisgebiet erstrecken soll. Eine Besprechung des 
Hockcnzunftbuches von 1669—1728 durch Herr I. L. 
Kreuter brachte auf dem Gebiete der Ortsgeschichte und 
der Familiengeschichte mancherlei Material. 
Herr Julius Frey und Herr Kreuter gaben Bericht 
über die bei der Durchforschung der Wiener Archivalien 
geleistete Arbeit. Herr Rektor Kaufmann berichtete 
als Kommissar für Bodnefuude über die bei Neuses, 
nahe der alten Birkeuhainerstraße aufgefundenen Hügel 
gräber. Herr Rektor Hupach-Somboru sprach über die 
Beziehungen Rupprechts von der Pfalz zu Main- und 
Kinzi'ggebiet, ein Vortrag, der besonders auch für die 
Freigerichtcr Geschichte manches neue brachte. Der 
Ausflug nach der Ronneburg im Mai, bei welchem Herr 
Lehrer Heuson-Büdiugen aus seiner reichen Kenntnis 
der Tlsenburger Geschichte einen Vortrag hielt, hatte 
etwa /so Mitglieder mit dem Autobus auf die Ronne 
burg geführt. 
Die Grabungen haben eine recht ansehnliche Aus 
beute ergeben und sind in diesem Somnier im Aufträge 
von Herrn Professor von Merhard fortgesetzt worden. 
Herr Julius Frey hielt einen Vortrag über Aus 
wanderung vou Kolonisten unserer Heimat nach der Do 
nau und Wolga im 18. Jahrhundert und die geschicht 
liche Entwicklung dieser Siedlnugen bis zur neuesten 
Zeit. Unter diesen Kolonisten sind uns auch solche aus 
unsern Kreisorten nachgewiesen. Ihre Zahl ließe sich aus 
den Kirchenbüchern sicher noch vermehren. Vor kurzer 
Zeit ist ein Buch von Lotz erschienen, das in einem 
Artikel der Kölner Dolkszeitung über südslavische Ein 
wanderung erwähnt wird, in dem als Herkunftsort der 
Einwanderer auch unsere Gegend genannt ist. So z. B. 
konnte festgestellt werden, daß aus Bieber und Lanzin- 
gen 172/s und 1745 Auswanderungen nach der Donau 
stattgefunden haben. Herr Pfarrer Ramge-Bieber berich 
tete über die Ergebnisse seiner Erforschung des alten 
geschichtlichen Luthertums. Herr Reg.-Rat Schäfer- 
Darmstadt, der Vorsitzende des Vereins für Familien 
forschung in Hessen, ein tüchtiger und erfahrener Prak 
tiker auf seinem Gebiete, hielt einen Vortrag über den 
heutigen Stand dieser Wissenschaft. Er hob besonders 
Zweck und Ziel der Familienforschung hervor und legre 
ihre Bedeutung auch den Gebieten der Geschichte, 
Rechtswissenschaft und Medizin dar, gab Erläuterungen 
über die Aufstellung von Stamm- und Ahnentafeln. Er 
wies hierauf die hohe Bedeutung der Familienforschung 
auf medizinischen und sozialpolitischem Gebiet für eine 
Höherzüchtung unserer Rasse und auf ihren Wert für 
die Forderung des Familiensinnes und des Standes 
bewußtseins und damit der Liebe zu Volk und Vaterland. 
Neben den Monatsoersammlungen fanden 1932 8 Vor 
standssitzungen statt. 
Im ganzen gesehen ein Jahr, in dem die Aufgaben 
und Ziele des Geschichtsoereins gut gefördert wurden. 
Mit den besten Absichten haben wir das neue Jahr 
begonnen und hoffen, daß es ebenso erfolgreich sein wird, 
wie das vergangene. 
Familiengeschichtliche Abteilung des Vereins. 
Als Ergebnis gemeinsamer familiengeschichtl. For 
schung war der am 12. Januar 1933 ftattgefundene Vor 
trag des Herrn Karl Schöffer in Leipzig zu betrachten. 
Der Familie Schöffer waren die Vorfahren nur bis zu 
den Löwenwirt Lorentz Schöffer bekannt. Auf Grund 
von Forschungsergebnissen der Herrn Kreuter, Dr. Bott- 
Hanau, Dr. Heiutz-Dillenburg, Namester-Köln u. Herrn 
Karl Schöffer selbst konnten die Nameusträger dieser 
Familien für einen Zeitraum von 300 Jahren festge 
stellt werden. 
Im letzten Vereinsjahr sind eine Reihe von Anfragen 
familiengeschichtl. Art beim Verein eingegangen und je 
nach der Art von den Herren Oruschel, Kreuter oder 
Frey bearbeitet worden. 
Im September v. I. ist beim Verlag Starcke in 
Görlitz ein Verzeichnis Deutscher Familienforscher und 
Verbände erschienen, in denen unser Verein gleichfalls 
mit genannt worden ist. 
Da es bei der Familienkunde darauf ankoinmt, mög 
lichst Ooppelarbeit zu vermeiden, kann dieses Verzeich 
nis manchen Hinweis geben, von welcher Seite aus die 
betr. Familie schon bearbeitet worden ist. 
In unserem Verein können die an der Familienkunde 
interessierten Mitglieder in zwei Gruppen eingeteilt 
werden. 
Einmal die Gruppe, die sich nur mit der eigenen Fa 
milie beschäftigt und daran interessiert ist. 
Und die zweite Gruppe, die darüber hinaus auch an 
der Familiengeschichte als Fachwissenschaft interessiert 
ist und dafür Beiträge liefert. 
Eine lebhafte Ergänzung dieser beiden Gruppen 
zeigte das letzte Vereinsjahr, in dem die zweite Gruppe 
die erste Gruppe verschiedentlich unterstützen und beraten 
konnte. 
Besonders ist hierbei hervorzuheben, daß die zweite 
Gruppe nur dann erst herangezogen werden kann, wenn 
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