Full text: Hessenland (43.1932)

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kurzem selbst gekommen war, hat mir jetzt Professor 
Gierach zu hoher Wahrscheinlichkeit erhoben. 
Ich will aber immerhin nicht verschweigen, daß 
wir gerade bei Flußnamen, die unter allen über 
lieferten Sprachdokumenten das höchste Alter be 
anspruchen dürfen, nicht nur mit frühhistorischen, 
sondern auch mit vorhistorischen Nationalitätsver- 
hältnissen rechnen müssen. Auch die Germanen find 
keineswegs die ältesten Bestedler des oberen Oder- 
gebiets gewesen; ehe sie von Norden her dahin vor 
drangen, saßen hier und weitverbreitet über den 
binnendeutschen Osten illyrische Stämme, und die 
haben in den Orts- und besonders in den Fluß- 
Giordano Bruno und Hessen. 
Ein Gedenkblatt an den Aufenthalt des Philo 
sophen Giordano Bruno in Zürich, das jetzt 
in der Neuen Zürcher Zeitung (Nr. 1925) er 
schien, vermittelt auch Nachrichten über dessen Be 
ziehungen zu Hessen, die allerdings nur indirekte 
sein können. Denn als Bruno von Helmstedt nach 
Frankfurt a. NT zog, um dort bei Johann 
Wechel und Peter Fischer Arbeiten drucken zu 
lassen, hat er wahrscheinlich auch das Hessenland 
berührt oder durchzogen. Aus der Zeit aber, da 
Herzog Julius von Braunschweig 
dem Nolaner seine Professur an der Universität 
Helmstedt übertrug, mit der besonders der Geologie 
und Bergwissenschaft gedient werden sollte, wie ja 
der Herzog auch der Begründer der Rammels- 
berger Gruben und des Bergbaues zu Gittelde im 
Oberharz ist, schrieb dieser an den Landgrafen 
W i l h e l m IV. von Hessen die Worte: 
„Wie andere Chur- uni) Fürsten meistenteils dem 
Iagdteufel anhängig, also hatö mit uns die Ge 
legenheit, wie Ew. Gnaden und Liebden zum Teil 
wissen, daß wir dem Bergteufel anhängen." — 
Hatte doch auch der Herzog bei einem Besuche in 
Kassel gemeinsam mit dem Landgrafen ein alchy 
mistisches Buch gelesen, das ans dem Nachlaß des 
in einem Nkarburger Gefängnisse verstorbenen 
Ludwig Neißer stammte, den Hans von Dörnberg 
dort als Goldmacher sich gehalten hatte. 
Aber auch ein Schüler des Giordano Bruno 
sollte in INarburg an der Universität wirken. Es 
war Raphael Egli, der sich nicht nur die 
Philosophie des Nolaners, sondern auch dessen na 
turwissenschaftliche und chemische Künste angeeignet 
hatte. Hatte Bruno in dem Schloßherrn von 
Elgg, dem aus Augsburg gebürtigen Johann 
namen mehr oder weniger deutliche Spuren hinter 
lassen. So hat man kürzlich in dem Namen der 
sächsischen Stadt Tharandt das süditalische, auf 
altillyrischem Boden gelegene Tarent wieder 
finden wollen, das seinerseits von dem Fluße la- 
rantos benannt ist. Auch für unser Vckro—Odra 
fehlt es nicht an Anklängen auf illyrischem Boden 
— aber mit solchen „Anklängen", die uns weiter 
hin nach Sizilien, Arabien, Palästina und schließ 
lich wer weiß wohin? führen würden, brauchen wir 
uns nicht einzulassen, nachdem wir in deutschen 
Landen die leicht zu verknüpfende Dreiheit Eder— 
Atter—Oder gefunden haben. 
Heinrich Heinzel einen Gönner gefunden, der seine 
Kenntnisse verwertete bei der Ausbeutung seiner 
Graubündener Bergwerke, so wurde Egli der 
Nachfolger Brunos, als dieser nach Venedig 
weiterzog und damit in den Tod. Egli wurde in 
Zürich vorgeworfen, er habe sein Predigtamt we 
gen der Alchymie vernachlässigt, und hatte er die 
Stimmung gegen sich noch mehr aufgebracht da 
durch, daß er seine chemischen Versuche kühn ver 
teidigte, so mußte er Zürich verlassen und ging 
nach Nt a r b u r g. Hier wirkte er als Professor. 
Er kehrte zur Philosophie und vornehmlich der 
seines Lehrers Giordano Bruno zurück, von dem er 
auch die Bedeutung der ernsten Naturforschung 
erlernt hatte. Noch in Zürich hatte ihm Bruno 
sein letztes und größtes, leider verschollenes Werk 
diktiert, das vielleicht noch unter den Akten der 
römischen Inquisition schlummert, das „alle Wis 
senschaften inbegreift". Das war für Egli ein Er 
lebnis, von dem er noch manche Jahre später mit 
Begeisterung berichtete. „Auf einem Fuße stehend, 
diktierte und dachte dieser Nteister so geschwind, 
als ihm die Feder zu folgen vermochte, so raschen 
Geistes und von so großer Denkkraft war er." 
Einen Teil dieser Arbeit gab Egli, nachdem er die 
Verhaftung des Nolaners erfuhr, anfangs 1594 
auszugsweise bei Ioh. Wolf in Zürich unter dem 
Titel „Summa terminorum metaphysicorum 
... ex Jordani Bruni Nolani Entis Des- 
censu manusc. excerpta“ heraus und 1609 
legte er das gleiche Werk, wesentlich erweitert, i n 
M arburg gedruckt, noch einmal in die 
Hände der philosophisch interessierten Welt. — 
So hat auch das Hessenland einen Anteil an der 
Denkarbeit des zu Rom verbrannten Philosophen 
Giordano Bruno. 
In den Monaten Oktober und November fand im Marburger Nunstinstitut eine große Nusstellung des Lebenswerkes 
Herrn Prof. Bantz er statt, der wie wir bereits berichtet, am 6. Nugust d. Js. seinen 75. Geburtstag feierte. Wir 
werden in der nächsten Nummer auf Bantzer und seine Kunst, besonders auf seine Tätigkeit in Dessen zurückkommen.
	        

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