Full text: Hessenland (43.1932)

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hocherfreuten Herrn ein Klümpchen, angeblich selbst 
gemachten, Goldes vorzeigen. Für Friedrich gab es 
nun keinen Zweifel mehr, daß hier eine -Quelle auf 
getan fei, aus der man unermeßliche Schätze 
schöpfen könne. Za, er plante die Goldmacherei in 
größerem Umfange zu betreiben und versuchte, da 
für neue Mittel aufzubringen. Das mangelnde 
Kapital hoffte er von seinem Bruder, dem regie 
renden Landgrafen Georg zu erhalten. Zu diesem 
Zweck sandte er im Dezember 1659 feinen Sekre 
tär und Amtmanu in Heimbach Mathias Rink 
nach Darmstadt, um u. a. vertrauliche Mitteilun 
gen über die gelungenen Goldmacherverfuche zu 
machen und den Bruder zu bewegen, daß er sich an 
dem geplanten Großbetrieb mit Geldmitteln betei 
lige. Landgraf Georg, eine lebenserfahvene und 
vorsichtige Natur, antwortete, er habe gehört, daß 
bei ähnlichen Versuchen des Bischofs von Speyer 
wohl viel Unkosten, aber kein „austräglicher Erfolg 
eingetreten sei", riet ab davon und warnte seinen 
Bruder-Kardinal, daß er darob nicht etwa „in 
schaden und schimpf" geraten möchte 2 ). Doch er 
predigte Lauben Ohren. Der Kardinal war ganz 
in dem Bann des Goldmacherobristen und feine 
Überzeugung von der Echtheit und dem Erfolg der 
Experimente war nicht zu erschüttern. Am 10. 
Januar gab er aus Heitersheim seinem Bruder 
eine ausführliche Schilderung von der Art und 
Weise, wie der Goldmacher seine Kunst betrieb. 
Bei Anwesenheit von sechs bis acht Personen habe 
der Obrist — so schrieb er — eine Probe gemacht. 
Dies ging folgendergestalt zu: „Er hat ein Werk 
(2 Oie Korrespondenz des Landgrafen mit jeinem Bruder, 
wodurch wir Kunde von der seltsamen Goldmacherei erhalten, 
ist erhalten. F. Noack hat sie in einer Studie in den Mittig, 
d. Oberhess. Gesch. Vereins M F. Bd. 29 1930 abgedruckt. 
aufs Feuer gesetzt, so innerhalb einem Monat hat 
sollen perfektioniert sein." Ohne Kritik fügte er 
dann hinzu, „hat aber fünf Monate gedauert". Das 
Unglück wollte es, daß das Glas dieses Werkes 
im 5. Monat gesprungen und die „Materie" in 
die Asche gelaufen ist. 24 Gran dieser Materie 
warf er zu drei Unzen Blei in einen Schmelztiegel 
ohne einen Zusatz von Gold. „Von dieser Probe", 
so schrieb er seinem Bruder, „habe ich eine onze bei 
mir, so ich mit Gott bezeugen kann, daß nichts an 
deres als aus der bloßen Materie gemacht worden, 
also weil ich solche Sache mit Augen gesehen, auch 
nichts geschieht, daß ich nicht dabei bin, also kann 
ich in Wahrheit sagen, daß dieser Obrist ein sehr 
ehrlicher und aufrichtiger Mann ist und daß man 
ihm vor Gott und der Welt Unrecht tut." Es lag 
ihm also viel daran, das Mißtrauen des Land- 
grafen gegen den kunstreichen Obristen zu zer 
streuen. Schließlich schickte er seinem Bruder noch 
„ein stucklein golt", daö er selber aus der ZNaterie 
gewonnen hatte und stellte es ihm frei, das Gold 
auf feine Echtheit prüfen zu lasten. Sein Bruder, 
der Landgraf Georg, bestätigte ihm in einer freund 
lichen Antwort, das hochgeehrte Handbrieflein mit 
dem Stücklein Gold empfangen zu haben. Hier 
bricht aber die Korrespondenz des Kardinals mit 
Hessen ab. Wir wissen daher nichts über die Fort 
setzung der Goldmacherei. Soviel steht jedoch sicher, 
daß sie für die ewig leere Kaste des Kardinuls keine 
Schätze gebracht hat; denn feine Schulden wurden 
nicht geringer, wiewohl er auch die Einkünfte von 
16 Pfründen in feine Scheunen sammeln durfte. 
Aus dem eingangs erwähnten Nachlaß aus dem 
Oberamtshause in Breslau darf man jedoch schlie 
ßen, daß der Kardinal bis in sein hohes Alter die 
Goldmacherkunst betrieben hat. 
Zur Talgefchichke des oberen Fuldagebietes. 
(Mit vier Blockdiagrammen.) 
Zur Geschichte der Landschaft an der oberen 
Fulda haben einige neuere Arbeiten mancherlei Er 
gebnisse gewonnen, so daß eö sich lohnt, den Ver 
such einer Zusammenfassung zu machen. 
Oie umfangreichste Arbeit ist diejenige von Hummel: 
„O.'c tektonische Entwicklung eines Schollengebicgs- 
landes" (1929). Von Schichtkarten ausgehend, versucht 
er die tektonischen Verhältnisse zu klären und vergleicht 
die jetzigen Mulden und Sättel mit der Auflagerungs 
fläche der Basalte, deren Höhenlage größtenteils durch 
nachbasaltische Verbiegungen bedingt ist. Zn den jun 
gen Senken finden stch die Pliozänvorkommen, in den 
Hebungggebieten stammen flache Taltröge aus jener 
Von Ernst Sobotha, Fulda. 
Zeit. Den Betrag der jungen, pliozäncn und diluvialen 
Bewegungen der Erdschollen leitet er wie schon gesagt 
von den Verbiegungen der vorbasaltischen Landfläche ab. 
Hier weist nun K lü p f e l in verschiedenen Arbeiten 
darauf hin, daß Basalte verschiedenen Alters dem vor 
basaltischen Untergründe auflagern und zwischen den 
Zeiten der Ergüsse Abtragung und Gebirgsbildung 
herrscht, die jetzige Auflagerungsfläche des Basaltes also 
aus verschiedenen Zeiten stammt, daß die Trennung der 
Basaltergüsse äußerst wichtig ist. *) 
Bei der Darstellung der Taleintiefung der oberen 
Fulda und Haune weist Hummel darauf hin, daß 
hier mit Auslaugungserscheinungen zu rechnen ist. 
1) Klüpfel, Walter: Zur Geologie des Vogels 
bergeg. Gießen 1930.
	        

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