Full text: Hessenland (43.1932)

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kommt. Ferner ein vielleicht beim Bau zerbrochenes 
Steinbeil, das außerhalb des Grabes lag und eine aus 
sehr später Zeit stammende Bronzefibel. Man vermu 
tet, daß die Grabkammer eine Art Sippen- oder Ge- 
nieinde-Friedhof gewesen ist, durch lange Zeit benutzt 
wurde und noch sehr lange ein geweihter Platz gewesen 
ist. — Etwas abseits dieses Grabes wurde in einem 
Versnchsgraben rein zufällig auch noch eine Urne etwa 
aus dem Jahre rooo v. Eh. freigelegt, die jetzt in Mar 
burg wieder zusammengesetzt wird. 
Etwa ioo Meter westlich des Steinkistengrabes >var 
dann auch noch ein Hügelgrab aus etwa izoo v. Chr. 
freigelegt worden, wo Dr. K e r st e n - M a r b u r g , 
der hier gearbeitet, die Erläuterungen gab. Man hatte 
für den Toten, der in der sehr kalkarmen Erde völlig 
aufgezehrt war, bei dein inan aber die Klinge eines 
Bronzedolches gefunden, einen Sarg aus Holz auf den 
Boden gebaut, diesen mit einem Steinring umlegt und 
dann einen Hügel über der hölzernen Grabkammer auf 
geworfen. Lange aber muß auch noch diese Stätte als 
geweiht betrachtet worden sein, denn etwa goo Jahre 
später (ca. 4 «o v. Chr.) wurde noch einmal in der Nähe 
eine Beisetzung vollzogen, also immerhin trotz der Zeit 
spanne eine Nachbestattung. — Dann führte Dr. Ker- 
sten noch zu einer Grabungsstelle, wo eine Siedelung 
nachgewiesen wurde, die erheblich weiter zurückreicht als 
die bis dahin besuchten Stätten. Sie gehört etwa der 
selben Siedlunggperiode an wie die jungsteinzeitlichen 
Siedelungen von Niedervellmar und Niederurff, der 
Zeit der Bandkeramiker, und Bortragender zeigte auch 
einige gefundene Scherben. Dazu die Feuerstätte der 
Siedelung, wohl vor der Hütte, die er als den ältesten 
Küchenherd vorstellte. — Bibliotheks-Direktor Dr. Hopf 
dankte mit herzlichen Worten und durch de» von der 
Abendsonne durchglänzten Wald wurde wieder der 
Straße zugeschritten, wo die Wagen warteten. 
Während nun über Metze und Wichdorf dem Städt 
chen Niedenstein entgegengefahren ward, schob sich eine 
schwarze Wetterwand von Nordwesten heran und die 
ersten Blitze zuckten und als das Gasthaus Struth- 
wolf zu Niedenstein gerade erreicht war, öffnete der 
Himmel seine Schleusen. Doch konnte das die Stim 
mung derer nicht trüben, die nun „die Hände erhoben zum 
lecker bereiteten Mahle", d. h. zu Kaffee und Kuchen. 
Hier sprach auch noch der Borsitzende, Dr. Hopf, seine 
Freude darüber aus, daß es dem Verein vergönnt war, 
vorgeschichtliche Forschungsarbeiten in eine,» Stadium 
zu sehen, das sonst nur den Wenigsten geboten werde» 
kann. Er wies dann hin auf die Jahres-Hauptver- 
sammlung Ende August in Hersfeld und ihre Veranstal 
tungen und auf die noch für den September ins Auge 
gefaßte Burgenfahrt zur Werra. 
Die vorgerückte Zeit und der rieselnde Regen gestat 
teten nicht, nun auch noch die Altenburg und den Falkcn- 
stein zu besuchen. Auch wurde der besseren Straße we 
gen die Rückfahrt über Gudengberg genommen: Mord 
berg und Nenkel, der Schloßberg von Gudensberg, Lot 
terberg und Scharfenstein, der Hahn und bald auch wie 
der die Berge um Kassel blickten in den Abend und den 
grauen Regenschleicr, der sich über die Landschaft legte, 
bis gegen g Uhr Kastei wieder erreicht ^var. Aber auch 
trotz des ungünstigen Wetters zum Schluffe darf der 
Tag als eine gut gelungene Veranstaltung gebucht 
werden. —c— 
Zweigverein Eschwege. 
Für das Eschweger Heimatmuseum, das in der alten, 
ehrwürdigen Schloßkapelle eine würdige Stätte gefun 
den, war der Sonntag des 21. August 19Z2 von ganz be 
sonderer Bedeutung. Auf Einladung des Vorstandes hatte 
sich eine sehr stattliche Besucherzahl eingefunden, um die 
zahlreichen Neuerwerbungen und deren geschmackvolle 
Aufstellung zu besichtigen. Aus diesem Anlaß erstrahlten 
die verschiedenen Ausstellungsräume, von liebenden Hän 
den mit duftenden Kindern Floras sinnig geschmückt, im 
hellsten Lichte. In seiner Begrüßungsansprache hob der 
Vorsitzende, Schulrat D i t h m a r , hervor, daß unsere 
Altertumssammlung nicht nur in den Kreisen der Esch 
weger Bevölkerung, sondern auch weit über die Grenzen 
unseres engeren Vaterlandes hinaus sich eines großen 
Interesses zu erfreuen habe. So haben in letzter Zeit, 
abgesehen von zahlreichen auswärtigen Einzelbesuchern, 
größere Gruppen aus Kassel und der Langensalzaer Ge 
gend das Heimatmuseum besichtigt und ihr Erstaune» 
über seine Reichghaltigkeit und llbersichtlichkeit zum 
Ausdruck gebracht. 
Mit sichtlichem Interesse folgten die Gäste den Er 
läuterungen des Schulrats im neu eingerichteten „Kapel 
lenraum". Zwei Berge des Werratals üben wegen ihres 
geologischen Aufbaues auf die Geologen und Minera 
logen eine große Anziehung aus: die „Blaue Kuppe" 
und der „Rlcißner". Schon vor Jahren hat der Vor 
stand des Heimatnluseums der „Blauen Kuppe" einen 
besonderen Schrank eingeräumt, der das seltene Gestein 
dieser Basaltkuppe (Aragonite und Eristobalite) zeigt. 
Die Eristobalite, die ihren Namen von dem Berge San 
Cristobal in Mexiko haben, kommen auf der ganze» 
Erde nur an vier Stellen vor, nämlich in Mexiko, in 
der Auvergne in Frankreich, am Laacher See in der 
Eifel und in der Blauen Kuppe. Es ist darum mit 
Freuden zu begrüße», daß dieses wichtige Naturdenkmal 
der Stadt Eschwege in seinem jetzigen Zustande erhalte» 
bleibt. Dem Schranke gegenüber befindet sich ein großes 
Dlgemälde, gemalt von Lehrer Schott- Schwebda, 
das die berühmten, schon von Alexander von Humboldt 
besuchten Felsen der „Blauen Kuppe" den Besuchern 
vor die Augen führt. 
Jetzt nun ist auch ein Gleiches mit dem „Meißner" 
geschehen, klnter Glas und Rahmen sind die Minera 
lien, die der Meißner im Inner» birgt, (Basaltsäulen 
von der „Kitzkammer", versteinertes Holz aus dem 
Rodebach, verkohltes Holz, Braunkohlen usw.) zu sehen. 
Dazu hat Lehrer N e u en r 0 t h - Eschwege ein großes 
Dlbild gemalt, den Meißner, von Vockerode aus gesehen, 
darstellend, das am 21. August feierlich enthüllt und von 
dem Hersteller näher erläutert wurde. Die Anschaf 
fungskosten des Gemäldes hat ein hiesiger Geschichtö- 
freund, dem auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei, 
getragen. 
Auch die prähistorischen Funde aus der jüngeren 
Steinzeit, welche die Lehrer Frölich in Aue und 
Holzapfel in Frieda auf einem Ackergrundstück im 
Friedatal, in der Nähe der Eisenbahnbrücke, vor kurzem 
ausgegraben haben, erregten das lebhafteste Interesse 
der Besucher. Die gefundenen Gegenstände (ein durch 
bohrter Werkstein, Topf- und Urnenscherben, Pfeil- und 
Messerspitzen aus Feuerstein und Aschenreste) wurden 
von Lehrer Frölich näher erklärt. Die Ausgrabung wird 
fortgesetzt. 
Sehr instruktiv, namentlich für Schulen, sind die 
5 Tafeln mit Waffen, Handwerkszeugen, Ackerpflug 
aus der Steinzeit, die mit großer Sorgfalt Architekt 
Volkmar- Eschwege gezeichnet hat. 
Durch die Führung der Vorstandsmitglieder hat die 
Altertumssammlung zu den alten Freunden eine ansehn 
liche Zahl neuer Freunden und Gönner gewonnen. 
Bwth.
	        

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