Full text: Hessenland (43.1932)

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Einen Teil des Materials der Geschichte har 
deren Verfasser Ln einen besonders gegliederten An 
hang verwiesen, wodurch die erste Hälfte der 
Schrift ein flüssiges Bild der Entwicklung ge 
währt. Erwähnt muß aber hier noch werden, was 
auch in einem Stück des Anhanges über die Räum 
lichkeiten der Landeskreditkaste gesagt wird und 
was damit noch besonders für Kassels Lokal- 
geschichte Bedeutung hat. Die ersten Räumlich 
keiten der Kasse befanden stch in den Häusern der 
Frankfurter Straße, die heute die Nummern 39 
und 41 tragen, seit 1855 kam noch das Haus 
Nr. 28 der gleichen Straße hinzu und von 1867 
bis 1869 wurde das Gebäude am Ständeplatz er 
richtet, wo sich die Landeskreditkaste noch jetzt be 
findet und das 1913 durch einen Anbau an der 
Seidlerstraße (auf dem Gelände der Garde du 
Corps-Kaserne) erweitert wurde. 
Die sieben schönen Bildertafeln des Buches zei 
gen auf der ersten den Blick auf das Kastei von 
1832 von der Höhe der Wolfsanger Kirche aus, 
das zweite Bild den Kurfürsten Friedrich Wil 
helm I. in Uniform, das bekannteste Bildnis von 
Hessens letztem Kurfürsten; Tafel 3 bringt das 
Bild der heutigen Geschäftsräume, während auf 
Tafel 4 die drei Baulichkeiten in der Frankfurter 
Straße zusammengestellt find, wo sie sich von 1832 
bis 1869 befanden. Tafel 5 bringt dann die Bild 
niste von vier Direktoren in kurhesfischer Zeit: 
Staatsrat von Baumbach (1832—1841), Geh. 
Negierungsrat Pfeiffer (1841—45), Geheimer 
Rat Friedrich Karl Lotz (1849—63) und Staats- 
rat von Stiernberg (1863—65), während von 
Regierungsdirektor Arnold (1845!—49) ein Por 
trät nicht aufzutreiben war. Auf Tafel 6 folgen 
dann die Bildniste der Direktoren unter kommu 
nalständischer Verwaltung: Justizrat Dr. Harnier 
(1870—85), Geh. Regierungsrat Dr. Franz 
Lotz (1666—99), Geh. Regierungsrat von Sachs 
(1899—1924) und Geh. Regierungsrat Dr. 
Schwarzkopf (seit 1924); Tafel 7 bringt noch die 
Mitglieder der Direktion im Jubiläumöjahr: Lan- 
desbandirektor Landesrat Theobald, Landesbank 
direktor Landesrat Dr. Poppe, Landesbankdirektor 
Krummacher und Landesbankrat Dr. von Meyer. 
In der vorliegenden Geschichte der Landeskredit 
kaste haben wir eine prächtige Zusammenstellung 
der Entwicklung jener Anstalt zu sehen, durch 
welche die kurhessische Ablösungs-Gesetzgebung von 
1832 beitrug, unseren Bauernstand zu erhalten 
und zu schützen, — nur vermissen wir leider in ihm 
den Namen des Ökonomen Paul Carl 
Jungk (1795—1848), der zuerst in seinem An 
trage vom 3. Mm 1831 in der jungen Stände 
kammer den Gedanken der Landeskreditkaste aus 
sprach und den in Kassel durch Benennung einer 
Straße nach ihm zu ehren ich schon 1928 vorge 
schlagen habe. Mit diesem Gedanken wurde in 
die Ablösungs-Gesetzgebung die Möglichkeit ge 
tragen, den Bauernstand in kurzer Zeit zu be 
fähigen, die alten grundherrlichen Lasten los zu 
werden, ohne daß, wie in Altpreußen, aus der 
„Bauernbefreiung" tatsächlich ein Bauernlegen 
wurde. Dahin wirkte auch die überragende Stel 
lung des Landesherrn, bezw. des Staates als 
Grundherr, was natürlich die Ablösung erleich 
terte, weil sie zugleich im Interesse des Staats 
ganzen und seiner meisten Untertanen lag. Man 
soll aber auch nicht übersehen, welch' sozial-konser 
vative Elemente in der Bindung des Bodens und 
seiner dadurch bedingten Unbeleihbarkeit lagen, 
Elemente, die wir heute in neuen Erbpacht-Ver- 
hältnisten unter verändertem Rechte wieder schaf 
fen oder anstreben, wie auch die „Brechung der 
Zinsknechtschaft" nur zu erreichen ist durch eine 
neue Schließung der bäuerlichen Mark und damit 
Jmmobilisation des ländlichen Grundeigenö. 
B. I. 
Hesfen-Nassamsthes Wörterbuch. 
Über die Arbeiten an diesem großen Heimatwerk 
im Jahre 1931 schrieb in den Sitzungsberichten 
der Preuß. Akademie der Wistenschaften Prof. 
Ferd. W rede in Marburg das Nachstehende: 
Dem Bericht über die innere Entwicklung des 
Wörterbuchs, den wie in den letzten Jahren Frau 
Prof. Berthold hier unten erstatten wird, fei 
folgendes vorausgeschickt. Das Wörterbuch hatte 
in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres mit er 
heblichen Geldschwierigkeiten zu kämpfen. Sie er 
gaben stch dadurch, daß seine Bezüge seitens der 
Provinz zum Teil noch weit über das hinaus ein 
geschränkt wurden, was den sonst durch die Not 
lage hervorgerufenen Kürzungen entsprochen hätte. 
Wenn gleichwohl die Arbeit nicht unterbrochen 
wurde, auch die 3. Lieferung herauskam, so war 
das nur deshalb möglich, weil erstens wenigstens 
ein Bruchteil des ausgefallenen Geldes durch eine 
hochherzige einmalige Zuwendung des Universttäts- 
bundes Marburg ersetzt werden konnte, und weil 
zweitens Frau Prof. Berthold trotz stark ver 
minderter Bezüge ihre Tätigkeit dankenswerter 
weise in vollem Umfang aufrechterhielt. Allerdings 
war auch so noch eine Einschränkung der wichtigen 
Lemmatist'erungSarbeit leider nicht vermeidbar. Es 
sei nachdrücklich betont, daß die Fortdauer von
	        

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