Full text: Hessenland (42.1931)

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und auf diese TOeise auch in das Atelier des 
seinerzeit hochgeschätzten Prof. S i e m e r i n g zu 
gelangen, dem er beispielsweise bei der Ausführung 
von Arbeiten für das Leipziger Siegesdenkmal be 
hilflich war. Später wurde er mit der Renovie 
rung der bekannten M arienkirche in 
Prenzlau und anderen künstlerischen Ban- 
aufgaben beauftragt. 
Nach zehnjähriger Abwesenheit zog ihn die 
Heimatliebe, die jedem Hessen so besonders stark 
und tief innewohnt, nach Kastei zurück, wo er von 
erspartem Kapital ein Geschäft für monumentale 
Bildhauerei gründete, daö Jahrzehnte lang bestan 
den und geblüht hat. Diese geschäftliche Tätigkeit 
hinderte ihn aber nicht, auch weiterhin mit rein 
künstlerischen Aufgaben sich erfolgreich zu befassen. 
Es ist vor allem die Bildniskunst, auf deren 
Gebiet er, wie etwa die Reliefs am Hohengras- 
turm dartun, Beachtliches geleistet hat. Denn 
seine Bildnisse find nicht nur durch äußere Ähn 
lichkeit, sondern auch durch innere Lebendigkeit aus 
gezeichnet, wie auch einer Kolostalbüste Beethovens 
abzusehen ist, die im Vestibül des ehemaligen 
Kunsthauses Aufstellung gefunden hat. 
Carl Gruber, dessen eigenartigem, Architektur 
und Plastik verbindenden künstlerischen Charakter 
Papins Dampfzylmder. 
Mit Stolz wird jeder Kurhesse, vor allem, 
wenn er von der Oberweser stammt, die Aufschrift 
auf dem riesigen Dampfzylinder im Hofe des M"u- 
feums zu Kassel lesen: 
„Papins-Dampf-Cylinder gegossen zu Vecker 
hagen 1699. 
Geschenkt von Henschel & Sohn in Cassel 
1869." 
Leider müssen wir nach den Mitteilungen von 
Dr. Ing. e. h. F. M. Feldhaus in seiner Kul 
turgeschichte der Technik, Bd. II, S. 70 feststellen, 
daß diese Aufschrift unberechtigt ist. Die erste 
Dampfmaschine wurde um 1699 durch Eisgang 
Gemeinfchaftswerbung für das 
Auch die Fremdenwerbung verlangt heute größte 
Sparsamkeit und Rationalisierung. Aus dieser Er 
kenntnis heraus wurde im Dezember 1929 in 
Marburg eine Arbeitsgemeinschaft 
aller Lahnstädte für Verkehrswerbung ins 
Leben gerufen, zumal die Erfahrungen lehrten, daß 
auch ein Kleinod von Alt-Kassel, die altdeutschen 
Bierstuben der Gastwirtschaft zur „B ä ren 
kn m m e r" zu danken ist, hat nie viel Wesens 
von sich gemacht. Er hat seiner Familie und 
seiner Kunst gelebt, nicht zuletzt aber auch der 
M u s i k , deren große Meister mit ihren unsterb 
lichen Weisen die verinnerlichte Stille dieses auch 
den Geistern des Humors allzeit offnen Künstler 
lebens wohllautend unterbrochen haben. Die Liebe 
zur Heimat endlich, die Grnbers Entwicklung mit 
bestimmt hat, ist mit diesem ihrem einmaligen Ein 
fluß keineswegs verstummt. Immer wieder treibt 
sie ihn hinaus zu W anderungen in daö 
Hessenland, dessen lebendiger Schönheit auch die 
sem Menschen die urhafte Auffrischung zuteil wer 
den läßt, die jeder zu schmecken bekommt, der eö 
versteht, sich hier den unerschöpflichen Wohltaten 
der Natur hinzugeben. Carl Gruber liebt die 
Natur als Künstler und als Mensch, er liebt sie 
in der Menschengestalt und in der Form der Berge, 
im Auge des Tieres und im Summen der Wiese 
wie im Glitzern des Winters im Tannendickicht, 
im Blinken des Weins und im Klingen unsterb 
licher Mustk. So genießt er einen Lebensabend, 
wie er, ob auch wohlverdient in diesem Fall, doch 
selten so glückhaft zu finden ist in menschlichem 
Schicksal. W. S. 
restlos vernichtet. Die zweite, um 1706 erbaute 
Dampfmaschine hatte einen viel kleineren Zylinder. 
Der in Rede stehende Zylinder gehörte zu einer 
Dampfmaschine, die im Jahre 1705 im Aufträge 
des Landgrafen von Hessen durch den Hess. Haupt 
mann Ioh. Heinrich Weber aus England herüber 
geholt wurde. Diese Dampfmaschine wurde an der 
Kasseler 2 Dallmauer aufgestellt und war bis zum 
Jahre 176z dauernd in Betrieb. Nach Feldhaus 
ist es, und daran ist bei der anerkannten Gründlich 
keit dieses Forschers nicht zu zweifeln, überhaupt die 
erste Dampfmaschine Deutschlands gewesen, die so 
lange Zeit in Betrieb war. 
Berlin. E. Wicke. 
Lahntal. 
das Lahntal von der Quelle der Lahn bis zur 
Mündung für den Reisenden zu einem „festem 
Begriff" geworden ist, dem naturgemäß auch die 
Verkehrswerbung Rechnung zu tragen 
hatte. Vor allen waren zunächst die Städte Bie 
denkopf, Marburg und Gießen an dieser Arbeits
	        

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