Full text: Hessenland (42.1931)

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In den folgenden Jahren, besonders seit 1924, 
ist eine Fülle von Einzelvorschlägen veröffentlicht 
worden, von denen hier nnr einige charakteristische 
erwähnt werden können. 
Als erste größere Veröffentlichung von Frank 
furter Seite ist die Schrift „Der Rhein-Mainische 
Städtekranz mit seiner Zentrale Frankfurt a. (M. 
im südwestdeutschen Wirtschaftsgebiet" zu nen 
nen 
In 33 Beiträgen wird hier versucht, nachzuwei 
sen, daß die Gebiete im Zusammenfluß von Rhein 
und Main eine wirtschaftliche Einheit bilden. 
„Die Provinz Hessen-Nassau, der Kreis 
Wetzlar, die Regierungsbezirke Koblenz und 
Trier, der Freistaat Hessen und Birkenfeld emp 
finden ihre wirtschaftliche Zusammengehörigkeit 
als eine wirtschaftspolitische Tatsache. Fließend 
und strittig find naturgemäß die Grenzbezirke. 
Die für die Verbundenheit dieses Gebietes haupt 
sächlich entscheidenden (Merkmale finden wir in 
der Gleichartigkeit der landwirtschaftlichen Be- 
Lrieböorganisationen 12 13 ), in dem Vorhandensein 
innerlich zusammengehöriger, aufeinander ange 
wiesener Wirtschaftszweige und in der Art des 
Aufbaues und der Entwicklung der Verkehrs 
mittel des Wirtschaftsgebietes" 14 ). 
Die eigentlichen Abgrenzungsvorschläge find in 
dem Beitrag von Prof. Dr. Stein enthalten 15 ). 
Derselbe Verfasser hatte schon um die Jahrhun 
dertwende bei anderer Gelegenheit unter der Be 
zeichnung „Groß-Frankfurt" die Wirtschafts 
provinz im Zusammenflußgebiet von Main und 
Rhein mit Frankfurt als Mittelpunkt, deren 
Grenzen im Norden die Lahn, im Osten Rhön und 
Spessart, im Süden der Neckar und im Westen 
das Nahetal bildeten, verstanden. 
Der Verfasser lehnt zur Herbeiführung der 
Neugliederung die Anwendung des Artikels 18 
der Reichsverfassung ausdrücklich als untaugliches 
Mittel ab. Dagegen solle mit Hilfe eines Neichö- 
rahmengesetzes über die Bildung von öffentlich- 
rechtlichen Zweckverbänden, das die Bildung solcher 
Verbände auch für Gebietsteile verschiedener Län 
der zulasse, die Schaffung eines Zweckverbandes 
„Rhein-Mainischer Städtekranz" (wenn man 
12 ) herausgegeben von der Wirtfchaftsdeputation der Stadt 
Frankfurt a. M. ( 1924 ). 
13) Daß die landwirtschaftliche Betriebsorganisation in 
Hessen einerseits und Nassau andererseits nichts weniger als 
einheitlich ist, dürfte in einem Aussatz des Derf. in dieser Zeit 
schrift 1930, ZZ 4 ff gezeigt worden sein. 
14) a. a. O S. ti Dr. Boeljen, Verkehrs- und wirtfchaft- 
lidie Zusammenhänge Südwestdeutschlands. 
15 ) a. a.O S. iZZff. Die Verwaltungsform und-Ordnung 
des rhein-mainifchen Städtekranzes. 
diese Bezeichnung dem Namen „Groß-Frankfurt" 
vorzöge) ermöglicht werden, der bei weitestem 
Ausmaße folgende Gebietsteile umfassen würde: 
den Regierungsbezirk Wiesbaden ohne die Wester 
waldkreise und Biedenkopf; die Kreise Hanau, 
Gelnhausen, Schlüchtern und Fulda; den Kreis 
Wetzlar; die Provinz Oberhefsen ohne die Kreise 
Alsfeld und Lauterbach; die Provinz Starkenburg 
ohne die drei Odenwaldkreise Erbach, Benöheim 
und Oppenheim sowie die Provinz Rheinhesten; 
endlich das Gebiet von Aschaffenburg und Um 
gegend; mit zusammen etwa 2*4 Millionen Ein 
wohnern. 
Von anderer Frankfurter Seite wird der Stadt 
Frankfurt übrigens der Charakter eines mit dem sie 
umgebenden Lande innerlich verbundenen (Mittel- 
punktes abgesprochen. Die Herausgeber des Hei 
matbuches „Rund um Frankfurt" 16 ) H. Binge- 
mer, W. Fronemann und R. Welcker weisen auf 
die Schwierigkeiten hin, die sich der Gestaltung 
eines Frankfurter Heimatbuches entgegenstellen. 
Die Antwort auf die Frage, wie ein solches Buch 
zu gestalten wäre, würde leicht zu geben sein, „wenn 
Frankfurt eine Stadt wäre wie viele andere: der 
natürliche (Mittelpunkt einer Landschaft, die geo 
graphisch, politisch, wirtschaftlich eine geschloffene 
innerliche Einheit bildet. Wenn es etwa eine Lan 
deshauptstadt wäre oder der wirtschaftliche oder 
geistige (Mittelpunkt eines in sich abgeschlossenen 
engeren oder weiteren Kreises. Unsere Stadt ist 
aber nicht von solcher Art, sondern von ganz beson 
derem Wesen. . . Frankfurt ist der natürliche 
(Mittelpunkt des mitteleuropäischen Handels". 
In demselben Buche wird die (Meinung ver 
treten, die Zuteilung der Stadt Frankfurt zum 
Regierungsbezirk Wiesbaden sei wegen der zwi 
schen beiden gelegenen trennenden Kette des Taunus 
sinnwidrig gewesen. 
Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt 
a. (M.-Hanau hat im Jahre 1928 zwei Karten 
herausgegeben, die als Unterlagen für die Er 
örterung der Frage der Verwaltungsreform gedacht 
waren 1T ). 
16) Schlosser und Englert Frankfurt a. M. 1924, S. 6, 10. 
17) a) Karte des RheimMainischen Wirtschaftsgebietes 
und angrenzender Gebiete: Die Betriebs- und Berufsgliede 
rung in Industrie und Handel. Auf Grund der Ermitt 
lungen der GewerbeaufstchtSämter über das Jahr 1927. 
Unter Mitwirkung der Industrie- und Handelskammern 
Bingen, Oarmstadt, Dillenburg, Friedberg, Gießen, Kassel, 
Limburg, Mainz, Osfenbach a. M., Wetzlar, Wiesbaden, 
Worms: 
fc>) Karte der Verwaltungsorganisation im Rhein-Maini- 
schen Wirtschaftsgebiet. Nach dem Stand vom i. Oktober 
1928.
	        

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