Full text: Hessenland (42.1931)

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erwerbungen einen gewaltigen Gebietszuwachs er 
halten hatte und die Aussichten vorwärts zu kom 
men, günstig waren. 
Nachdem Motz 1795 sein Studium abgeschlos 
sen hatte, richtete sein inzwischen zum hessischen 
Oberappellationsgerichtsrat aufgestiegener Vater 
unter Vorlegung von sehr guten Zeugnisten an die 
preußische Justizverwaltung ein Gesuch, seinen 
Sohn in den preußischen Justizdienst zu überneh 
men und zwar nach dem nächstgelegenen preu 
ßischen Regierungssitze Halberstadt. In dem zu 
sagenden Bescheide schrieb Suarez, der Schöpfer 
des allgemeinen Landrechtes: „Unsere Justiz ist 
E. H. verbindlichen Dank schuldig, daß Sie ihr tn 
Ihrem Sohne ein Subjekt widmen wollen, welches 
nach den beigebrachten Zeugnisten zu so schönen 
Hoffnungen berechtigt". Der junge Motz begab 
sich nach Halberstadt und bestand Anfang Oktober 
1795 die Prüfung als Auskultator. Die Referen 
darprüfung legte er erst drei Jahre später ab, 
nachdem er Zutritt in das Haus des angesehenen, 
schöngeistigen Landrats von Halberstadt, Ernst v. 
Hagen, gewonnen und sich in dessen Tochter Alber 
tine verliebt hatte, mit der er stch alsdann ver 
lobte. 
Seine besondere Neigung für den Verwal 
tungsdienst und das Bestreben, schneller selbständig 
zu werden, veranlaßten Motz 1799 von der Justiz 
zur Verwaltung überzutreten. So wurde er Re 
ferendar bei der Halberstädter Kriegs- und Domä 
nenkammer. Zu Weihnachten des genannten 
Jahres führte er seine Braut heim. Als Hoch- 
zeitsgabe erhielt das Paar das Gut Vollenborn im 
damals noch kurmainzischen Eichsfeld. Nun dachte 
Motz endlich an die Ablegung der großen Staats 
prüfung in Berlin. Auf Grund eines ausgezeich 
neten Zeugnistes, das ihn „als einen jungen Mann 
von vielen Talenten und Fähigkeiten" bezeichnete, 
„der die ihm übertragenen Arbeiten mit Fleiß, 
Sorgfalt und wachsendem Fortschritt erledigt habe", 
wurden ihm die vorgeschriebenen Prüfungsarbeiten 
zugeteilt. Ihre Erledigung schob er indes wieder 
auf die lange Bank, bis ihn im August 1801 die 
Landstände des Fürstentums Halberstadt anstelle 
des aus seinem Amte scheidenden Schwiegervaters 
zum Landrat wählten. Da die Regierung die Be 
stätigung von dem Bestehen der Prüfung abhängig 
machte, stürzte sich Motz nun Hals über Kopf in 
die Arbeit und schon nach kurzer Zeit hatte er ste 
bewältigt und auch die mündliche Prüfung glatt 
bestanden. Seine Tätigkeit als Landrat in Hal 
berstadt dauerte nur zwei Jahre, in denen er Land 
und Leute gründlich kennen zu lernen stch bemühte. 
Auf Grund seiner Erfahrungen prägte er den 
Satz: „Ein Landrat muß so wenig wie möglich in 
seinem Kreise schreiben, er muß selbst sehen, urtei 
len, unterrichten und leiten. Wo dies nicht ge 
schieht, wird die Verwaltung eine papierene, ein- 
feitige und der Landrat ein Briefträger." 
Nach dem Übergang des Eichsfeldes und damit 
seines Gutes Vollenborn an Preußen im Jahre 
1803 wurde er Landrat des neuen Kreises „Unte 
res Eichsfeld" mit dem Amtssitze Duderstadt. Bei 
der Anpassung des alten stockkatholischen Gebiets 
an die preußischen Verhältnisse verfuhr er mit 
feinem Takte und großer Milde. Jedoch hat er 
es nicht verhindern können, daß die katholische Be 
völkerung Duderstadtö, die die Mitbenutzung einer 
Kirche durch die in der Ausübung ihres Gottes 
dienstes während der Krummstabherrfchaft unge 
bührlich beschränkten Protestanten nicht gestatten 
wollte, einen Aufruhr anzettelte. Durch Anschläge 
wurde mit der Ermordung der Protestanten ge 
droht, sodaß militärischer Schutz herangezogen wer 
den mußte. Der unglückliche Ausgang der Schlacht 
bei Jena 1806 für Preußen und der Tilstter 
Frieden 1807, durch den das Eichsfeld mit Kur 
hessen und anderen Gebieten dem Königreich West 
falen einverleibt wurde, zwang Motz in west 
fälische Dienste zu treten. Er wurde, wenn auch 
schweren Herzens, aber in der Hoffnung auf einen 
nicht zu fernen Umschwung der Verhältnisse, 
westfälischer Steuerdirektor des Harzdepartements 
mit dem Amtssitze Heiligenstadt. Die ständigen 
und großen Finanznöte Westfalens, verursacht 
hauptsächlich durch Napoleons gewaltigen Geld 
bedarf für Kriegszwecke, machten Motz mit der 
Finanzwirtschaft und der Steuertechnik eingehend 
vertraut. Die Erfahrungen aus dieser Zeit kamen 
ihm später sehr zu statten; ste wurden vielfach die 
Grundlage für feine Vorschläge zur Vereinfach 
ung und Verbesserung der preußischen Verwal 
tung. 
Nach der Schlacht bei Leipzig war Motz einer 
der ersten, der für die Wiederaufrichtung der 
preußischen Herrschaft eintrat. Er machte sich be 
reits am 24. 10. 1813 höchst eigenmächtig zum 
königlich preußischen Landrat von Mühlhausen. 
Da er außerordentlich beliebt war und das Ver 
trauen der Bevölkerung im hohen Maße genoß, 
fand er überall Gehorsam. Nach der Vertreibung 
der Franzosen wurde Motz zunächst Hauptberater 
des Gouvernements in Halberstadt, wo er mit 
Mälitär-Formationsangelegenheiten (Aushebung, 
Bildung der Landwehr und des Landsturms, Be 
kleidung und Ausrüstung der Truppen) betraut 
wurde. Da die Geldbeschaffung in dem unter west 
fälischer Herrschaft ausgesogenen Lande immer 
schwieriger geworden war und die Leitung des Fi 
nanzwesens einer erfahrenen Persönlichkeit drin
	        

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