Full text: Hessenland (42.1931)

Das Hilfsmittel, mit dem jede Bibliothek dem 
Forscher die Möglichkeit gibt, sich über ihre Be 
stände zu unterrichten, sind ihre Kataloge. Und 
zwar erstens der alphabetische Katalog, nach Ver 
fassernamen oder bei Zeit- und anonymen Schrif 
ten nach dem ersten Substantivum ihres Titels ge 
ordnet. Er beantwortet die Frage, welche Werke 
von einem bestimmten Autor in der Bibliothek vor 
handen find. Der zweite Katalog, der systematische, 
ist in unserer Landesbibliothek nach Fachdisziplinen 
eingeteilt, wie Theologie, Rechtswissenschaft, 
Sprachwissenschaft, Medizin, Geschichte, Geo 
graphie usw. Jede dieser Hauptabteilungen gliedert 
sich dann wieder in Unterabteilungen. Dieser 
Katalog gibt Auskunft darüber, was für Literatur 
über einen bestimmten Gegenstand in der Bibliothek 
vorhanden ist; er berücksichtigt aber nur selbständige 
Bücher, nur ganz selten Zeitschriftenaufsätze. Die 
sen kann man mit anderen Hilfsmitteln nachkom 
men, nämlich mit der „Internationalen Biblio 
graphie der Zeitschriftenliteratur". An dritter 
Stelle steht der Standortskatalog, aus dem zu er 
sehen ist, an welchem Platze ein gesuchtes Werk zu 
finden ist. i— Dazu treten die Sonderkataloge für 
die Handschriften, Musikalien, Karten und Pläne, 
Ansichten, Porträts. Zu den Handschriften besitzt 
die Bibliothek außer dem Standortökataloge noch 
eine Art Orts-, Personen- und Sachregister, das 
dem Forscher die Ermittelung handschriftlicher 
Notizen über die von ihm bearbeitete Materie sehr 
wesentlich erleichtert. — Endlich aber ist für sämt 
liche Hassiaca, gleichgültig, ob es sich um gedruckte 
Literatur oder Handschriften, um Bücher oder Zeit 
schriftenaufsätze, um Ansichten oder Porträts han 
delt, ein Schlagwortkatalog eingerichtet worden, 
der eigentlich erst so recht dem Forscher den reichen 
Schatz heimatlichen Materials, den die Bibliothek 
beherbergt, zu erschließen vermag. Da findet man 
auf Zetteln wie „Aberglaube", „Reformation", 
„Wilhelm VIII.", „Kriege", „Regimentsgeschich 
ten", „Gersfeld", „Volksleben", „Volkslieder", 
und wie sie alle heißen mögen, alles beisammen, was 
über den betreffenden Gegenstand Gedrucktes oder 
Geschriebenes vorhanden ist, auch Zeitschriftenauf 
sätze. Selbstverständlich ist dieser Ha88iaea-Schlag- 
wortkatalog alphabetisch geordnet; für Schlag 
worte, die eine besonders umfangreiche Literatur 
aufzuweisen haben, z. B. „Kassel", „Marburg", 
sind wiederum eine Anzahl Unterabteilungen ge 
bildet worden, wie für Kassel etwa „Altstadt", 
„Friedrichsplatz", „Kirchen", „Museum", „Stra 
ßen", „Theater" usf. Es ist ja der Vorzug des 
Schlagwortkatalogs, daß er ohne alle Umstände 
nach Belieben erweiterungsfähig ist; in einem Ka 
taloge, der auf einem starren, unabänderlichen 
System beruht, ist es mitunter zum mindesten un 
bequem, ein neues Wissensgebiet, von dem man bei 
Aufstellung des Katalogschemas noch nichts ahnte, 
einzuordnen. 
Ich hoffe, mit meinen Ausführungen, die ja nur 
eine Anzahl von Hauptpunkten herausgreifen konn 
ten und sollten, dargetan zu haben, daß die Kasseler 
Bibliothek nicht nur eine reiche Fülle heimatkund 
lichen Stoffes aus den verschiedensten ForschungS- 
zweigen besitzt, ja, wir dürfen es ohne Uberhebung 
aussprechen, als Bibliothek in Bezug auf dies Ge 
biet an erster Stelle steht, sondern auch, daß sie dem 
Forscher die erforderlichen Hülfsmittel an die Hand 
gibt, Material für seine Zwecke aufzuspüren und 
zusammenzutragen. Und was auf diesem Wege 
verarbeitet und erarbeitet ist, das kann er nun ver 
öffentlichen und in weitere und weiteste Kreise 
verbreiten. Und so lehrt auf ihre TLeise, mittel 
bar, die Landesbibliothek unser Hessenvolk seine 
Heimat kennen, so trägt sie ihren Teil dazu bei, die 
Liebe zur Heimat immer tiefer im Volke Wurzel 
schlagen zu lassen, so tut sie auf ihre Art nationalen 
Dienst an unserem Volke, der ethisch gar nicht hoch 
genug bewertet werden kann und überdies vollkom 
men unabhängig ist vom Parteigetriebe der Gegen 
wart, das — wir wissen es alle nur zu gut — recht 
oft reichlich unerfreuliche Seiten aufweist. 
E i n hohes Ziel hat die heimatkundliche For 
schung zur Zeit in unserem Hessenlande noch nicht 
erreicht. Im Augenblick muß jeder, der sich über 
eine Frage und die darüber etwa schon vorhandene 
Literatur unterrichten will, entweder selbst auf die 
Bibliothek kommen oder sich durch schriftliche An- 
frage Rat erholen. Sollte sich nicht ein Weg fin 
den lasten, der jedem, wo immer er auch wohnt, 
ohne Weiteres diese Möglichkeit gibt? In der 
Tat, es gibt einen solchen Weg, und in mehreren 
deutschen Landen, wie in Hannover, Württemberg, 
Schlesien und ganz neuerdings auch in Baden, hat 
man ihn bereits beschritten. Man hat in gedruck 
ten Bibliographien, die sich jeder kaufen kann, die 
Literatur über diese Länder systematisch zusammen 
gestellt. Bedeutet es nicht einen geradezu groß 
artigen Antrieb für die heimatkundliche Forschung, 
wenn jeder, der dafür Sinn hat, auch im entlegen 
sten Dorfe ohne alle Schwierigkeit alsbald fest 
stellen kann, was und wo jemand über seine engere 
und engste Heimat etwa schon geschrieben hat? Auch 
für Hesten ist der Gedanke an eine solche Biblio 
graphie, die natürlich von Zeit zu Zeit der Mach 
träge bedürfen wird, erst neuerdings eifrig erörtert 
worden. Das eine ist sicher: ohne die tatkräftigste 
Mitwirkung der Landesbibliothek ist ein solches 
Werk schlechterdings nicht zu schaffen; sie hat ja 
ohnehin in ihrem Ha88iaea-Schlagwortkatalog 
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