Full text: Hessenland (42.1931)

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Handel und Gewerbe oder Kriegswesen angehen. 
Dabei sind diejenigen Fächer natürlich am vollstän 
digsten weggekommen, denen er die größte innere 
Anteilnahme entgegenbrachte, so in erster Linie die 
Geschichte Kassels, die er ja bekanntlich in Buch 
form zum looojährigen Jubiläum der Stadt ver 
öffentlicht hat. Auch dieses Werk weist eine ge- 
wiste ungleichmäßige Behandlung der einzelnen 
Abschnitte je nach des Verfassers innerem Ver 
hältnis zu ihnen auf. Aber auch die in seinen 
Sammlungen etwas stiefmütterlich behandelten 
Stoffe bieten dem Forscher wenigstens allerlei An 
regungen, weisen ihn auf Themen hin, die noch der 
tieferen Durchforschung harren, und haben schon 
dadurch ihren unbestreitbaren Wert. Brunners 
Sammlungen gelangten bald nach seinem Tode in 
die Bibliothek. 
Von den außerhalb der Bibliothek stehenden 
Männern, deren handschriftliche Sammlungen zu 
den wichtigsten heimatgeschichtlichen Quellen der 
Anstalt zählen, sei hier an erster Stelle Johann 
Christoph Kalckhoff genannt. Er erblickte 
1684 in Homberg das Licht der Welt, bezog die 
Schule hier und später in Schmalkalden, widmete 
sich dann seit 1700 in Mckrburg und Halle vor 
nehmlich juristischen und literaturgeschichtlichen 
Studien, erlangte in Erfurt die Würde eines 
Lizentiaten der Rechte und wurde 1708 Kanzlei 
advokat in Rotenburg an der Fulda, wo er bis an 
sein Lebensende verblieb. 1717 wurde er Kanzlei- 
rat, 1730 Kanzleidirektor, welches Amt er bereits 
seit 1726 interimistisch versehen hatte. Als solcher 
starb er 1752. — Ihm gebührt das Verdienst, als 
erster den Plan einer hessischen Gelehrtengeschichte 
erfaßt zu haben. Er wollte dies Werk nach Fächern 
systematisch anlegen, Theologen, Juristen, Medi 
ziner, Philosophen, Historiker usw. für sich zusam 
menfassen. Zu einer Veröffentlichung ist es nicht 
gekommen. Aber handschriftlich sind umfangreiche 
Vorarbeiten zu dem geplanten Werke auf uns ge 
langt. Sie enthalten biographische Nachrichten 
über die gelehrten Fürsten Hessens und über die 
Kanzler und Räte, also über die Verwaltungs 
beamten in Hefsen-Darmstadt und Hefsen-Kastel. 
Wleiter finden wir Aufzeichnungen über die theolo 
gischen, juristischen, medizinischen und philosophi 
schen Professoren an den Universitäten RUarburg, 
Gießen und Rinteln, über die Superintendenten in 
Kassel, Marburg, Gießen, Rotenburg, Eschwege, 
Allendorf, über andere Geistliche, über die Abte 
von Hersfeld, über solche Hesien, die das protestan 
tische Bekenntnis wechselten, über hessische Ge 
lehrte, die außerhalb ihres Vaterlandes wirkten, 
usw. — Aber mit der Gelehrtengeschichte hat 
Kalckhoff sich nicht begnügt. Er legte auch Samm 
lungen an über die kasteler Landgrafen von Hein 
rich, dem Kind von Hessen, bis auf Karl, über die 
Darmstädter und, was ihm bei seiner Stellung be 
sonders nahe lag, über die rotenburger Landgrafen, 
deren Linie sich ja bekanntlich von Moritz dem Ge 
lehrten herleitete. Auch für das Gymnasium zu 
Hersfeld und die von Landgraf Moritz begründete 
Gelehrtenschule in Kostet interessierte er sich, ebenso 
für das hessische Gerichtswesen, für den Ursprung 
der Chatten, für die Epitaphien der lutherischen 
Kirche zu Marburg. Und schließlich schrieb er auch 
Notizen nieder zur Geschichte hessischer Adels- 
familien. Wahrlich, eine ebenso stattliche, wie viel 
seitige Gelehrtenarbeit, die mit Kalckhoffö Nachlaß 
der Bibliothek zugeflossen ist. 
Das Gleiche dürfen wir von den Kollektaneen 
des Archivars Georg Landau sagen. Er war 
1807 als einfacher Schusterssohn in Kassel geboren 
und mußte sich in jungen Jahren kümmerlich als 
Anwaltsschreiber durchschlagen. Aber er fühlte in 
sich den Drang zu gelehrter Arbeit und benutzte all 
seine freie Zeit dazu, sich in der Bibliothek und 
später auch im Archiv zu Kassel wissenschaftlich 
vorzubilden. Mit 28 Jahren erhielt er den Lohn 
für seine heißen Bemühungen: Er wurde 1835 als 
Archivar angestellt. Seine Veröffentlichungen über 
die hessischen Ritterburgen und Rittergesellschaften, 
seine Beschreibung des Kurfürstentums Hessen, 
seine zahlreichen Aufsätze in der Zeitschrift des von 
ihm mitbegründeten Vereins für hessische Geschichte 
und Landeskunde trugen ihm die Doktorwürde 
ehrenhalber ein, die ihm die Universität Marburg 
1846 verlieh. Er schrieb danach noch zahlreiche 
Werke über die hessischen Wüstungen, über den 
Hefsengau und den Gau Wettereiba, über kultur 
geschichtliche Probleme u. a. mehr. Nach seinem 
Tode 1863 gelangten seine umfangreichen hand 
schriftlichen Sammlungen zur hessischen Kultur-, 
Orts- und Adelsgeschichte in die Landesbibliothek, 
wo sie sich bis auf den heutigen Tag großer Wert 
schätzung und regster Benutzung seitens heimat 
kundlicher Forscher erfreuen. 
Ebenfalls für die Geschichte der hessischen und 
waldeckschen Adelsfamilien außerordentlich ergiebig 
find die Sammlungen des taubstummen Rudolf von 
Buttlar auf Elberberg, nur daß sie leider fast 
ausnahmslos jeglicher Quellenangabe entbehren 
und daher meist der Nachprüfung bedürfen, die 
nicht immer ganz leicht ist. — Vor wenigen Jah 
ren gelang es ferner der Bibliothek, die reichhalti 
gen Aufzeichnungen des Generalmajors Gustav 
Eisentraut (f- 1926) zu erwerben. Sie be 
fassen sich vornehmlich mit der hessischen Vor 
geschichte, auf welchem Gebiete er, vor seiner Mi 
litärlaufbahn ursprünglich Geologe, im Verein
	        

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