Full text: Hessenland (42.1931)

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Bücherschau. 
Xilattium — die Menburg bei Niedenstein. 
Im Verlag von Josef Baer & <£o. in Frankfurt am 
Main ist vor kurzem als zweites Stücf der von der 
Römisch - Germanischen Kommission herausgegebenen 
„Germanischen Denkmäler der Frühzeit" ein Buch von 
Hermann Hofmeister unter dem Titel ,,D i e 
Lhatten, t-^and, Mattium— d i e Alten 
burg bei Niedenstein" erschienen. Dieses Werk 
stellt die außerordentliche Bedeutung in Helles Licht, 
welche die in den Jahren t905—t 9 l 3 auf der Alten 
burg bei Niedenstein unter Leitung von Museums 
direktor Dr. Böhlau, General Eisentraut, Dr. W. Lange, 
Prof. Vonderau, später Hofmeister unter Beistand des 
Dr. Kropatschek durchgeführten Grabungen für die Früh 
geschichte unserer engeren Heimat nicht nur, sondern 
Deutschlands überhaupt gewonnen haben. Auf diese 
Bedeutung seine Leser hinzuweisen, ist geradezu eine 
Pflicht des „Veffenland". Die Hofmeisters Darstellung 
entnommene Übersicht der Ergebnisse der Forschungen 
wird deshalb den Rahmen einer Buchbesprechung über 
schreiten, sie soll aber dem Leser nicht das eigene 
Studium des Werkes ersparen, sondern es ihm dringend 
ans Herz legen. 
Der römische Geschichtsschreiber Tacitus erzählt in 
seinen Annalen, daß Germaniens im Jahre ;5 unserer 
Zeitrechnung, von Mainz aus vorbrechend, die nichts 
ahnenden Thalien überfallen, daß deren Iungmann- 
schaft zwar versucht habe, den Römern den Übergang 
über die Eder streitig zu machen, die Römer aber den Über 
gang erzwungen haben. Er berichtet weiter, daß die Thai 
len nach dem Scheitern eines Versuches Frieden zu erlan 
gen ihre Ansiedelungen verließen und sich in die Wäl 
der zerstreuten, Germanikus aber Mattium „id quod 
genti caput" J ) anzündete und das offene Land ver 
wüstete, dann zum Rhein zurückkehrte. Uber die An- 
marschstraße bestehen kaum Zweifel. Der Vrt des Über 
ganges über die Eder kann, darüber war man sich stets 
einig, nur in der Umgegend von Fritzlar gesucht wer 
den. Das hier nördlich hinter der Eder liegende Gebiet 
hat stets als das Herz des pestenlandes gegolten. Daß 
der Vorstoß der Römer gegen dieses früh reich be 
siedelte Gelände sich richtete, ist natürlich. Aber die 
Frage ist, wo lag Mattium? Man war früher meist 
der Ansicht, daß es in Maden zu suchen sei, das nur 
5 Kilometer von der Eder liegt. In seiner Nähe lag 
der Wodansberg (Gudensberg), offenbar eine Kultus- 
stätte, später Sitz der Landgrafen. Auf der Maderheide 
aber war im frühen Mittelaller der Sitz des Gau 
gerichts, hier wurden die hessischen Landtage abgehal 
ten. H9CH bewies jedoch der Kasseler Gymnasial- 
direktor p. Vogt schlagend, daß der Name Maden 
(althochdeutsch Mathanon) nicht sprachlich mit Mattium 
in Verbindung gebracht werden könne, wohl aber der 
Name des Dorfes Metze (an der Matzhoff), das von 
Maden etwa fünf Kilometer entfernt, aber weiter 
von der Eder liegt. Jedoch waren in oder bei 
diesem unbedeutenden Dorf keinerlei Spuren zu fin 
den, welche darauf hätten gedeutet werden können, daß 
es einst die Hauptstadt eines Bezirkes gewesen wäre, 
was übrigens t908 Grabungen Vonderaus bestätigten. 
So versagte der Versuch, das Mattiumproblem mit 
0 d. h. „die Hauptstadt des Volksstammes", der Ge 
gensatz aperta = offenes Land scheint anzudeuten, daß 
Mattium befestigt war. 
sprachlichen Mitteln zu lösen. Diese Lösung blieb der 
archäologischen Forschung vorbehalten. 
Jetzt lenkte sich die Aufmerksamkeit auf die in der 
Luftlinie 5 —6 Kilometer von Metze entfernte Alten 
burg, eine Wallburg, die sich schon durch ihre Größe 
vor anderen auszeichnet. Sie ist die mittlere Kuppe 
eines von drei Basaltdurchbrüchen überhöhten, von Nord 
ost nach Südwest streichenden Rückens und überhöht 
bei Meter Höhe das Tal der Ems im Nordwesten 
um J 60 bis J 70 Meter, das der Wichhoff bei Nieden 
stein um etwa J 50 Meter. Sie selbst bildet eine fast 
rechteckige, nicht völlig ebene Platte in den Ausmaßen 
von 500 X 200 Meter. Im Gsten und Süden ist sie 
wegen der Steilheit der Felswände fast unzugänglich, 
der Nordosten und Nordwesten ist von einem Wall 
aus losen Basaltsteinen umzogen, der an der tiefsten, 
am leichtesten zugänglichen Stelle in der Nordostseite 
zwei Durchlässe hat. Vor diesen liegen am Hang noch 
zwei weitere Vorwälle und noch tiefer ein Graben. 
Die Südwestkuppe, der Lmserberg (^6 Meter), zeigt 
nichts Ähnliches, doch zieht durch die Senke zwischen 
ihm und der Altenburg der anscheinend mittelalterliche 
Wehr- oder Schlaggraben. Die von den Resten einer 
mittelalterlichen Burg gekrönte nordöstliche steile 
Spitze, der Falkenstein 0*63 Meter), läuft gegen 
Süden in einen schmalen, steilen Grat aus, von dem 
aus sich ein nicht mehr überall deutlicher Wall mit 
davor liegendem Graben am östlichen Hang des Rük- 
kens entlang, sodann um den unteren Vst-, Süd- und 
Westhang der Altenburg herumzieht und dann an dem 
Hang nach der Ems zu plötzlich aufhört. 
Die Untersuchung der ganzen Anlage, die durch zahl 
reiche Schnitte, auf einer etwa 2500 Vuadratmeter 
großen Fläche im Süden, der sogen, grünen Platte, 
durch sorgfältige schichtenweise Abdeckung bis auf den 
gewachsenen Boden erfolgte, hat überraschender Weise 
zur Entdeckung einer sonst in Deutschland bisher in 
nerhalb alter Ringwälle noch nicht aufgefundenen 
stadtartigen Siedelung geführt, außerdem zahlreiche 
Einzelfunde gebracht, welche annähernde Zeitbestim 
mungen ermöglichen. Die weiter bebaute Fläche im 
Innern der Burg schätzt Hofmeister auf etwa 50 000 
Vuadratmeter. Ihre nähere Untersuchung mußte spä 
terer Zeit vorbehalten bleiben. Daß der Falkenstein 
in das Befestigungssystem einbezogen war, ist klar, 
aber weitere Aufklärung darüber fehlt. Die große 
Lücke in der Außenumwallung ist nicht erklärt, die An 
nahme, daß hier dichter Urwald den Abschluß herge 
stellt habe, doch wohl sehr bedenkliche). Mit allen Lin- 
zelnheiten der Funde und der daraus zu ziehenden 
Schlüsse können wir uns hier natürlich nicht beschäf 
tigen, obwohl sie interessant genug sind und Hofmei 
sters Darstellung, die auch für den Laien durchaus ver 
ständlich und mit Plänen und Tafeln reich ausgestat 
tet ist, gründlichen Einblick in das Verfahren und die 
Methode des Archäologen gewährt. 
Der innere Wall war etwa 2,7 Meter breit, feine 
einstige Höhe wohl nicht über tU bis Meter, nach 
außen und innen gaben ihm sorgfältig gelegte Basalt 
steine einen festen palt, nach außen war außerdem noch 
eine starke, etwa 2,50 Meter hohe Holzwand ange 
bracht, die zur weiteren Befestigung, aber auch zu 
gleich als Brustwehr diente. Der Wallkern ist mit 
losen saust- bis kindskopfgroßen Basaltsteinen gefüllt, 
2) S. Anm. 3.
	        

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