Full text: Hessenland (42.1931)

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von diesem alsbald wieder der Stadt Fritzlar ver 
kauft wurde, die sich nach dessen Zerstörung vor 
Fritzlar ansiedelten und die Neustadt erbauten. 
Der Name „Freiheit" scheint sich für diese An 
siedlung nie recht eingebürgert zu haben, in den Ur 
kunden, den städtischen wie den kirchlichen, wurde 
sie fast durchweg die Nuwestadt oder mvita8 nova 
genannt 23 ). Ob die Angabe der Vorbeschreibung 
richtig ist, die Neustadt sei zur Zeit des 30jährigen 
Krieges bedeutend gewesen, mit einem Bürger 
meister und Rat, Rathaus, Privilegien und Jahr 
märkten, erscheint zweifelhaft. In den meisten 
Städten hat die eigne Verwaltung der Vor- und 
Neustädte früher aufgehört. Nach Falckenheiner 
ist die Vereinigung beider Stadtteile nach 1500 
geschehen und in den Urkunden des 16. Jahrhun 
derts wird immer nur ein (ungesonderter) Rat ge 
nannt. 
Das Lagerbuch der Stadt Gudensberg 
von 1775 erwähnt zwar eine Vorstadt, die aber 
nicht von der Stadt unterschieden wird; der Name 
„Freiheit" wird weder hier noch in dem Grenz- 
begehungsprotokoll von 1676 24 ), ebensowenig bei 
Kopp 4, 544 gebraucht; und doch hat eine solche 
eine Zeitlang bestanden. Sie wird zuerst 1356, 
Juli 5. 25 26 ) genannt, wo Landgraf Heinrich II. und 
sein Sohn Otto den Bürgern der alten Stadt G. 
die Gunst erteilt, daß keiner ihrer Mitbürger eher 
in die „Freiheit" ziehen solle, bis sie, die Fürsten, 
alle von der Stadt gegebenen Briefe gelöst. Die 
„Freiheit" muß damals noch im Entstehen gewesen 
sein, aber 1361, Juni 5. werden schon Bürger 
meister, Schöffen und Gemeinde der neuen Stadt 
genannt 23 ), 1382 wird eine Urkunde mit der 
Stadt Jnsiegel „uff der Freiheit" bestegelt 27 ). 
Von den Vergünstigungen in Ansehung der Steu 
ern und Abgaben und sonstigen Freiheiten, die sol 
chen Neuanlagen den Namen „Freiheit" gebracht 
haben soll, und die Brunner 28 ) auch für die Gu- 
densberger Neustadt vorauszusetzen scheint, findet 
sich in den Urkunden nichts. Daß von ihr, die vom 
Landesherrn mit eigenem Wappen, Bürgermeister 
und Schöffen versehen war, jede Spur seit Jahr 
hunderten verschwunden ist, und nur der Name 
noch die Gegend kund tut, wo sie bestanden, schreibt 
Landau (a. a. O.) ihrer gänzlichen Zerstörung bei 
23) Eine Urkunde von 1399, April 30. enthält 
2 mal die Ortsbezeichnung „in libertate Frideslar". 
24) Marb. St.-Archiv. 
25) Das. Depos. Gudensberg Nr. 2. 
26) Daselbst Nr. 4. 
27) Landau, Beiträge zur Hess. Ortsgeschichte, 
ZHG 8, 104. 
28) Br.: Gudensberg, Schloß und Stadt. 
der Eroberung der Stadt durch den Erzbischof von 
Mainz im Jahre 1387 zu. Das ist aber unwahr 
scheinlich. Denn noch im Jahre i 494 , Apr. 22, 
zeichnen „Bürgermeister, Schöffen, Rat und ganze 
Gemeinde der Städte Gudensberg", es haben also 
Alt- und Neustadt noch nebeneinander bestanden. 
Nach dem Gudensberger Bürgerbuch von 1328 
bis 1698 werden in den Jahren 1328—1338 in 
der „Freiheit" noch acht Neubürger aufgenommen, 
ja die „Freiheit" wird noch fast wie eine selbstän 
dige Stadt behandelt, denn die von dort in die Alt 
stadt Ziehenden und ihr Bürgerrecht Erwerbenden 
müssen noch Bürgergeld zahlen (vielleicht sind es 
aber herangewachsene Bürgersöhne gewesen, die 
jetzt selbständig wurden); andre blieben nach ihrer 
Aufnahme in die Bürgerschaft in der „Freiheit" 
wohnen und sind dort Gudensberger Bürger. Nach 
1338 kommt allerdings die „Freiheit" als Stavt- 
teil nicht mehr vor. Ein kriegerisches Ereignis, das 
etwa um 1540 ihr ein Ende gemacht haben könnte, 
ist nicht zu finden, die Neustadt muß also damals 
mit der Altstadt gänzlich vereinigt oder von ihr 
aufgesogen sein, und der Name „Freiheit" ist heute 
nur Ortöbezeichnung eines vor der Stadt gelegenen 
Gartenbezirks. Auf einen ehemals größeren Um 
fang der Stadt weist auch ihre bedeutende Feld 
mark von 6796^ Acker 23 ). 
In Grebenstein scheint eine selbständige 
„Freiheit" nur ganz kurze Zeit bestanden zu ha 
ben. Im Jahre 1336, Dez. 16, befreien Larw- 
graf Heinrich und Hermann und Heinrichs Sohn 
Otto die Bürger der Neustadt Grebenstein zum 
Zwecke besserer Befestigungsanlagen auf zwölf 
Jahre von den Abgaben. Darnach sollen sie von 
jeder Hufe Landes von Grebenstein eine Malter 
partim jährlich auf Michaelis liefern. Zur Er 
leichterung und Vermehrung des Zuzuges soll jede 
Untersuchung über frühere Vergehen der Neuan- 
stedler, außer Mord und Straßenraub, niederge 
schlagen werden, und ihre Dienste sollen nicht höher 
als in andern Städten sein. Bis dahin war die 
Ansiedlung vor den Toren Grebensteins 30 ) erst in 
der Entstehung begriffen, ohne Türme, Wälle, 
Mauern und Marktrecht, ohne Stadtfreiheit, die 
Bewohner also unfreie Leute. Durch die Urkunde 
von 1336 31 ) erhielten sie Marktrecht und Stadt- 
freiheit. Aber schon 1370 wurden beide Teile, 
Altstadt und Freiheit zu einer Stadt unter einem 
Stadtrat vereinigt. Im Jahre 1393 zeichnen wie 
der, wie bis 1336, „Bürgermeister, Ratleute und 
29) Lagerbuch der Stadt G. 
30) Nach Engelhardt, Erdbeschreibung I, 337, 
zwischen der oberen Stadt und dem Schlosse. 
31) Orig, im Grebenst. Stadtarchiv.
	        

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