Full text: Hessenland (42.1931)

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den sollte. Ein vorläufiger Bau wurde schon 1363 
errichtet; 1364 begann die Erbauung des groß 
angelegten Doms, der mit einem Kollegiatstift ver 
bunden war und noch heute den Namen Freiheiter- 
oder Martinskirche führt. Nachdem der Bau 
1366 die päpstliche Bestätigung, 1367 (noch ohne 
Turm und Chor) die Weihe empfangen hatte, 
ruhte die Bautätigkeit eine Weile und wurde erst 
am Ende des Jahrhunderts, stärker seit 1430 nach 
einer Wallfahrt Landgraf Ludwigs ins gelobte 
Land, wieder aufgenommen und 1436 fertig ge 
stellt. 1461/62 und 1469 fanden die letzten 
TLeihen von Altären und Friedhof statt. In den 
Unruhen gegen Landgraf Hermann anno 1376/78 
haben die drei in Kastei vereinigten Städte mit 
Eschwege, Allendorf, Homberg, Rotenburg, Span 
genberg, Wißenhausen u. a. zusammengehalten, 
gemeinsame Artikel aufgestellt und 1378 einen 
förmlichen Bund gegen den Landgrafen geschloffen. 
Im gleichen Jahre wurden Kastel-Altstadt, -Neu- 
stadt und -Freiheit unter Einem Magistrat ver 
einigt. 1384, Febr. 1. zeichnen „Prokonsuln, 
Schöffen und Gemeinden der Stadt Kastei", und 
die „Freiheit" ist ein bloßer Stadtbezirk ge 
worden 19 ). 
Die Stadt Homberg a. d. Efze oder Hom 
berg in Hessen ist nach Landau (Hest. Ritterburgen 
S. 339 ff.) von Landgraf Heinrich I. errichtet, in 
dem er den unter dem Schlosse stch hinziehenden 
Hain zur Rodung und Bebauung freigab, und be 
steht als solche seit dem Jahre 1234. Die Vor 
stadt, die sog. „Freiheit", legte Heinrich II., der 
Begründer der Kasteler „Freiheit", südlich der Alt 
stadt mit eigener Kirche und Ummauerung und be 
sonderer Verwaltung an. Später hatte sie auch 
ihr eignes Armenhospital 20 ). Das Lagerbuch der 
Stadt Homberg von 1748 berichtet darüber: „Vor 
malen ist die Stadt in 2 Teile, als die alte Stadt 
und Freiheit, deren jede mit einer aparten Mauren 
umzogen und mit einem besonderen Rat, Obrigkeit 
und Kirche versehen, separiert gewesen, bis Herr 
Landgraf Philippus Magnanimus anno 1536 sel 
bige in ein corpus gebracht hat und die NIauren 
zum Teil brechen lasten. Die alte Stadt hat 4 
Tore . . . ., die Freiheit hat 2 Tore, als das Ober 
und Unterfreiheiter Tor, und stnd die Bewohner 
derselben vor denen der Altstadt mit weiter nichts 
privilegiert, als daß jeder Brauer von einem Ge 
bräue Z alb Pfanngeld weniger giebt. In der 
Freyheit findet stch ein offner Kumpf (Waster- 
behälter), worin das Waster aus der Katerbach 
ig) Gen. Rep. Kassel. 
20) Gen. Rep. Homberg i^6, Febr. 18. und 
1^67, Febr. i. 
geleitet wird. In den zweiten Kumpf und Zeute 
wird das Wmster aus dem in der unteren Gaste 
quellenden, mit einer hohen Mauer umfangenen 
Brunnen geführt und ist außerdem nur ein Zieh 
brunnen darinnen. . . Sonsten haben die v. Baum 
bach und Lehrbach, und Major Mmrhards Wit 
tib, ein gewisses jährliches Marktgelo, so auf jedes 
Haus in der Stadt alle 3 Jahr 1 alb beträgt, zu 
erheben, jedoch haben die in der Freiheit ^Wohnen 
den die Gerechtsame, daß wenn jeder bei Samm 
lung solchen Geldes, welche nunmehr alle 3 Jahre 
geschieht, einen Moritzkreuzer oder Weißpfennig 
sogleich produzieret, er alsdann davon, auch wenn 
er sich in einer andern Gasse der Stadt auf solchen 
Tag betreten lässet, befreit ist. In der „Freiheit" 
selbst aber wird nichts gegeben, und rührt diese 
revenüe daher, daß die v. Baumbach solche von 
Herrn Landgraf Moritz p. m. gegen einen Pfand- 
schilling an sich bracht und antichretice (als Nutz 
pfand) nutzen .... Zur Besoldung des 2. Pfar 
rers spendet die „Freiheit" jährlich 2 Gänse und 4 
Hahnen." Im übrigen gibt das Kataster und die 
sog. Vorbeschreibung keine weiteren Unterschiede 
zwischen Altstadt und Freiheit an. Der Name 
„Freiheit" bedeutet hier also nichts wesentlich 
andres als eine Neustadt. 
Den Anlaß zur Entstehung der „Freiheit" zu 
Fritzlar gab das Augustiner-Nonnen-Kloster, 
welches das von Bruno v. Weißenstein im 12. 
Jahrhundert begründete Armenhospital übernahm. 
Um dasselbe herum siedelten sich eine Anzahl Fritz- 
larer Bürger und neue Zuzügler an, und dadurch 
entstand vor dem Tor der Stadt ein neuer Stadt 
teil, eine Neustadt, die auch mit dem Namen der 
„Freiheit Fritzlar" benannt wurde. Sie gehörte 
nicht zu den klösterlichen Freiheiten, da der Grund 
und Boden nicht dem Kloster zugehörte, sondern dem 
Landesherrn (Erzbischof von Mainz), der der Neu 
stadt städtische Privilegien und Rechte erteilte und 
durch eine auf gewisse Jahre gegebene Steuerfrei 
heit mehr Ansiedler herbeizog. Diesen Umstand 
bezeichnet Falckenheinerals den Ursprung des 
Namens einer Freiheit 21 22 ). Sie hatte ihr eignes 
Rathaus und Stadtsiegel, auch eignen Bürger 
meister. Nach der Spezial-Vorbeschreibung zum 
Steuerkataster der Stadt Fritzlar von 1829 waren 
es hauptsächlich die Bewohner des „im Unterfelde 
gestandenen" Dorfes Holzheim, das i4n samt 
Waldung und allem Zubehör von Werner und 
Hans v. Falckenberg an Kurfürst Johann II. und 
21) Gesch. hessischer Städte und Stifter II, 8. 
22) Eine alte Subsidienrechnung aus dem 15. 
Jahrh, bezeichnet die Augustmerinnen als Sancti- 
monialeö in libertate Frideölar.
	        

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