Full text: Hessenland (42.1931)

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tersuchungen spricht dafür, daß es die Kelten ge 
wesen sind, die auf ihrem Zug nach Osten die 
Burgen errichtet haben. Andererseits findet sich 
aber auch auf der Milseburg und anderwärts die 
selbe Spätlateneware wie in Niederhessen (Al 
tenburg bei Medenstein, Maden). Wir dürfen 
also annehmen, daß später die Chatten die Burgen 
in Besitz genommen haben. Die Front gegen Osten 
konnte beibehalten werden, diesmal gegen die in 
Thüringen sitzenden Hermunduren, von deren 
Kämpfen mit den Chatten im Jahre 58 n. Chr. 
Tacitns berichtet. 
Die Vorgeschichte Hessens schließt mit einem Er 
eignis, welches das Land in den Strahlenkreis der 
Welthistorie rückt: Im Jahre 15 n. Chr. zerstört 
Germaniens Mattium, das „caput Chattorum". 
Die reichen Funde der Altenburg bei Niedenstein 
stellen uns die Kultur der alten Chatten vor Augen 
und von hier aus wird es vielleicht auch gelingen, 
den berühmten Germanenstamm schärfer zu fassen 
und rückwärts zu verfolgen. Dann muß sich auch 
zeigen, ob Bremers Ansicht zu Recht besteht, der 
schon in den Urnenfelderleuten der späten Bronze 
zeit die Vorgänger der heutigen Hessen sehen 
wollte. 
Die Überreste der Römer im Hanauer Land und 
der Limes in der Wetterau überhaupt sind schon so 
eingehend untersucht und veröffentlicht, daß hier 
nicht allzu viel zu tun übrig bleibt. Aber von den 
Germanen in der römischen Kaiserzeit wüßten wir 
gern mehr. Was wir bis jetzt besitzen, etwa die 
Funde von Maden, Niederhone, Unterweisenborn, 
zeigt, daß die Entwicklung der La Tene-Formen 
ungebrochen weitergeht. 
Dann bricht dic Überlieferung völlig ab. Von 
Resten, besonders von Gräbern, fränkischer Zeit ist 
noch nichts vorhanden außer den Funden Vonder- 
aus auf Büraberg, von denen besonders ein bron 
zenes Rundmedaillon mit einer eingelegten Büste zu 
erwähnen ist. Da gerade in jener Zeit die Gräber 
reichlich ausgestattet wurden, besonders mit dem be 
rühmten merowingischen Goldschmuck, wollen wir 
doch hoffen, daß sich auch in Hessen etwas davon 
findet, wie ja das nahe Gießener Museum so 
schöne fränkische Funde besitzt. 
Das sprachlich wichtige Problem, wie in diesen 
gerade für Hessen so dunklen Jahrhunderten zwi 
schen dem Einbruch der Römer einerseits, der 
Gründung von Fulda und Büraberg andererseits 
aus den „Chatti" die „Hassi" geworden find, sei 
das letzte, das hier aufgeworfen wird. 
Ich habe im ersten Teil dieses Vortrags ver 
sucht zu zeigen, wie sich die Wissenschaft der Vor 
geschichte in Hessen nach verheißungsvollen An 
fängen erst spät entwickelt hat, und wie wir es den 
Anstrengungen einzelner weniger Forscher verdan 
ken, daß sie so weit gefördert wurde. Trotzdem find 
wir gegenüber den meisten anderen Provinzen 
Deutschlands noch recht im Rückstand. Im zweiten 
Teil wollte ich darlegen, wie viele und wie schöne 
Aufgaben es noch zu lösen gibt. Die Schluß 
folgerung aus diesen beiden Feststellungen zu ziehen, 
ist leicht: Es bedarf noch vieler gemeinsamer Ar 
beit, um das Dunkel, das über der hessischen Vor 
geschichte liegt, zu erhellen; das Interesse weitester 
Kreise der Bevölkerung muß diese Bestrebungen 
tragen. Es kommt ja nicht darauf an, sich eine 
Sammlung von Steinbeilen anzulegen, von denen 
man nachher nicht recht weiß, wo und wann sie ge 
funden sind, sondern darauf, eine Gegend systema 
tisch auf alle Zeichen vorgeschichtlicher Besiede 
lung hin zu untersuchen; ich erinnere hier nur 
daran, daß dunkle Stellen auf frischgepflügten Fel 
dern oft bandkeramische Siedelungsplätze anzeigen. 
Es kommt auch nicht darauf an, Grabhügel, die 
ungestört im Walde liegen, auszugraben, sondern 
darauf, sie sorgfältig in Meßtischblätter einzutra 
gen, um einzugreifen, sobald sie gefährdet sind. 
Das nächste Ziel, auf das wir zusteuern, ist die 
Fundkarte des Landes, eine Fundkarte, die nicht 
den größeren oder geringeren Eifer der einzelnen 
Forscher widerspiegelt, sondern die ein treues Bild 
der Besiedelungsgeschichte des ganzen Landes in 
allen Perioden der Vor- und Frühgeschichte ver 
mittelt. 
sVor 54 Jahren hat Eduard Pinder über dag hier 
behandelte Thema vor dem Hessischen Geschichtsverein 
gesprochen, der Vortrag ist unter dem Titel „Festgruß 
an die Mitglieder des Hess. Geschichtsvereins zum zwei- 
undoierzigsten Jahresfeste in Cassel am 25. Juli 1876" 
im Druck erschienen.^ 
JohannHemrlchFuchs,em„Wolgadeutscher"ausNiederhessen. 
(Schluß) 
Ja, Alles, was der „Thatendurstige" gepflanzt 
und gesät, war im schönsten Aufblühen, er selbst in 
rastlosem Schaffen und Betreuen des Geschaf 
fenen begriffen, bis „der Götter Neid" den im 
Von I. F ü r e r. 
Vollgenuß solch' hohen Glückes Schwelgenden 
auch hier sein Kunersdorf finden ließ, „bis in der 
Pagutfchewschen Rebellion Alles wieder zu Grunde 
ging".
	        
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