Full text: Hessenland (42.1931)

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Reim erfordert unbedingt das e. 4 °- Knotten klengen: 
klengen verhält sich zu klingen wie sprengen zu sprin 
gen, setzen zu sitzen usw. Cs bedeutet also: zum Klin 
gen bringen. Die Knotten, die Samenkapseln des 
Flachses, werden auf einem Tuch in der Sonne aus 
gebreitet, bis sie mit einem klingenden Geräusch auf 
springen und der Samen herausfällt. Das ist eine leichte 
Arbeit, die meist von Frauen besorgt wird. Sine Frau, 
die mehr kann als Knotten klengen, ist also eine, die 
auch schwierigeren Aufgaben gewachsen ist. 45 - Wieweö- 
Thire: „hier wie anderwärts ganz ohne schlimme Ne 
benbedeutung und keineswegs verachtend von den Wei 
bern gebraucht" (Vilmar). ^ 8 . graintzen, oder wenn 
das i nur ein Schnerchel-i ist, grantzen: jammern, kla 
gen. Fehlt bei Dilmar und Pfister. „O a g r a n st 
der große Junge" (Tieck). 
II. 
Oer getreggen un ufrechtigen Lainnes-Kenger 
Hertzlige Betrüwetniß / 
Onnwsgäbligen awerscht doch wohl-meigenden Roth / 
Wie au 
Oemüdigeste Bidde / 
Als der 
Allerdorchlichtigeste un Großmächti 
geste Ferschte 
Fredderich / 
der Schweden / Gothen un Wennen Kenick / etc. etc. etc. 
Laindgraf ze Hessen / Ferschte ze Herschfeld / Graf ze 
Catzenellenbogen / Ditz / Zegenhan / Nida un Schum 
bork / etc. etc. 
Unse allergnädigeste Kenick / 
Allerlieweste Lainnes-Ferschte un gruindgitigester Herr / 
Aewwer uinsem Bermuden uß sym getregen Vater- 
Lainne wedder nuß / un newwer in syn Kenickrich zihn 
wull / ymme de Zit do me den Win leßt / wan me 
sen Hot / un mä de Mertens-Hense ufsetzen / wan se 
nit ze tire syn / im Johre do Hä rewwer kam. 
Aller ungerdänigest un gaintz wehmydigst in ährer aller 
Namen / se gut als es emme syne Vetrywetniß un lame 
Hänge hon zugelon Ufgesaßt vun 
dem nagel: nuggen Hefsen-Poeten / 
der vum Wissener runger gekuppelt un ver dem Parnaß 
leggen geblewwen / 
Bis 
IXiufe allerlieweste un allergnädigeste 
Kenick un Lainnes-Ferschte 
wedder kummet / 
Wels GOTT! 
Ich Hoffs sinnige 
Gedrockt ym Johr 1731. 
Was Heren mä doch itzt / 0 Grosser Fredderich! 
Tä wult uins nu verton un geht in Ugge Rich / 
Was hon me Uch gethon daß Tä stracks vun uns 
wichet? 
Cim scheuen Norden-Licht im vullen Glaintz Tä 
glichet / 
5. Oer uins en wylchen schint un glich wedder vergeht / 
Un lest uins danderno im Finstern wo me steht / 
Was bat uins nu die Freid / die uins es ruß 
geplatzet J 
Wan Ta uns schunt von gann und vun wegzieen 
schwatzet / 
Me stachten ties im Finstern un gruffer Trurigkeit / 
>n. Pin uinsen Tihren Ferschten der uins se sehre 
gefreit / 
Do kume bricht an der Tag vun Uren schencn 
Glaintze / 
Se gets uins wie der Brut wann sa „11,(3 von 
dem Taintze. 
Ma Hon Uch jou noch nit racht saad un tecke 
gesahn / 
Un Ta wult awern winckgen vun uins glich wacker 
gahn. 
i Z. Was triewet awerscht Uch se ylenings ufsem 
Lanne? 
Ma gude Hessen syn se bleindningS am Derstanne / 
Oast ma uins glich doher Unroht vermuden wunn/ 
Ma wunn je garne duhn was ockerst ma duhn 
kunn. 
Oann ma Hon alst gehort vun uinsen Eller-Heyten: 
2». Wan sich en Nordschin zeegt bedets Tribseeligkeiteu. 
Das hon ma au gesahn un enketen bedracht / 
Und das schunt manchen Owend by distrer stiller 
Nacht. 
Derm Johre war en Schyn vun Norden an dem 
Hymmel / 
Der Winter der war schaarf und kreichten keineu 
Kimmel J 
25. Sat / sou bedrachten ma de Zeechen un de Zit J 
Wie wirds n»s dann noch germ? Ta ziht vun uins 
ze wit. 
Drum Grosser Kenick / loot Uch doch en 
mohl beschmusen / 
Ta kunt jou wou Ta wult by Eim un Angern 
husen / 
Nu es de beste Lost ver Uch de schenste Jacht / 
30 . Der suure Kohl wird gut / un Spack der eiu 
anlacht / 
Und wird der Owend lang / se genn ma hibsch 
zem spingen 1 
Un Ion de Wiewes-Thiere ahre Spin-Liderchen 
fin singen. 
Jo was Ta ockerscht wult / das sal seglich 
geschahn J 
Ach kinten mas Uch nurscht an Uren Augen sahn. 
33 . Was hilfts uins datz Ta syt se wit gekummen 
rewwer / 
Un wult in der Gefahr Uch wogen weddcr newwer? 
Bedanckt doch was Ta tuht! Ta sit kein schlachter 
Mann / 
Es leget em Kenigriche un uins gar oele dran. 
De Kenegen do Ta no ylt der wersch gar unge- 
legen / 
4«. Wan Ta Uch in Gefahr gestacht hatt arentwegen; 
Veelichte glauw'te Sa als eine wyse Ferschten / 
Ma hetten / wyl da yllt / Uch hunger» lohn un 
derschten. 
Jo wan Ta ockerst winkt / se wunnne Sa 
rewwer langen / 
Dan ma Hon (das es wohr) no ahr en groust 
Verlangen. 
45 . A no se bliewet hie! Ta un au uche Lide J 
Ma Hon / wels GOtt! noch saat; Ma Hon au 
schene Bride/ 
Ma Hon noch verlerley das Uch ze Oienste stet / 
Das krigget Ta doch nit / wan Ta vun uins 
wack get. 
Jo denket okkerst hen am Derroht den ma machen J
	        

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