Full text: Hessenland (42.1931)

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Wasserbeckens des Schlüchterner Kessels mit dem 
der übrigen Rhön hat damals nicht mehr bestan 
den. Es ist darum anzunehmen, daß das Gebiet 
des Schlüchterner Kessels von einem in sich abge 
schlossenen, lokalen Binnensee bedeckt war. Daß 
auch aus den Fluten des damaligen Schlüchterner 
Sees Inseln hervorragten, sagen uns die wenigen 
Bergkuppen, bei denen der Basalt direkt dem 
Wellenkalk aufliegt, nämlich östlich von Ramholz 
und südlich von Sannerz. 
In diese Süßwasterbecken floß dann zischend die 
glutflüssige Lava und füllte allmählich das ganze 
Becken aus. Das Wasser wurde verdrängt, den 
hineinströmenden Bächen der Weg verlegt und das 
ganze Landschaftsbild von Grund auf umgestaltet. 
Aus dem Kessel mit seinem Muldentief war ein 
Hoch geworden, aus der Hohlform eine Vollform, 
itun überlagerte der Basalt als eine zusammen 
hängende Decke die Ablagerungen, die als Sink 
stoffe des Binnensees, als Schuttmaterial der zu 
strömenden Bäche und als Sümpfe und IUoore 
gebildet waren. Wie sich aus einigen Basaltresten 
noch erkennen läßt, hat die Lavamaste damals ein 
größeres Gebiet überdeckt als heute. Ein ausge 
dehntes Lavafeld hatte sich anscheinend über den 
Spestart zwischen Alsberg und Mernes geschoben. 
Die Südspitze dieses Lavazuges war sogar bis zum 
heutigen Duellgebiet der Iosta vorgedrungen, wo 
er noch auf der Höhe der TOegscheide als spärlicher 
Rest vorhanden ist. An diesem Lavazug entlang 
nahm die Jossa ihren Lauf. Die durch die basal 
tische Überlagerung verursachte Erhöhung zwang 
sie bei Mernes von ihrer bisherigen Nordrichtung 
in eine Westrichtung überzugehen. 
Mit dem Aufschütten der vulkanischen Massen 
hatten sich auch die hydrographischen Verhältniste 
grundstürzend geändert. Es entstanden neue Duel 
len und Duellbäche. Mit der Aufschüttung setzte 
aber auch zugleich die Abtragung ein. Verwit 
terung, Regen und Fließwasser griffen ein, um die 
neugeschaffenen Höhen wieder zu erniedrigen. Jetzt 
begannen die Kräfte, die das heutige LandschaftS- 
bild geschaffen, also dem formenreichen Kestel seine 
heutige romantische Schönheit gegeben habe, ihre 
Tätigkeit. TOir befinden uns im Schlüchterner 
Kestel im Duellgebiet der Kinzig. Diese sowie 
deren Duellbäche haben die Basaltdecke und deren 
tertiäre Unterlage durchsägt und sich in den Wel 
lenkalk eingegraben, bis der Röt, die obersten 
Schichten des Buntsandsteinö, bloßgelegt waren. 
Zuerst mußte die Basaltdecke dem Fließwasser zum 
Opfer fallen. Sie hat sich noch als Deckenrest auf 
den Höhen erhalten. Der Basalt, der bei seiner 
hohen morphologischen Wertigkeit zu den härtesten 
Gesteinen gehört, setzte der Abtragung energischen 
Widerstand entgegen, aber überall vermochte er 
nicht, der Verwitterung und darauffolgenden Ab 
tragung durch Regen und Fließwasser Trotz zu 
bieten. War der harte Basalt durchsägt, dann 
hatten Atmosphärilien und Fließwasser ein ver 
hältnismäßig leichtes Spiel. Die weichen Schich 
ten der vom Süßwasterbecken und dessen Bächen 
abgelagerten Sande und Tone konnten nur wenig 
Widerstand entgegensetzen. Danach v wurde der 
leicht bröckelnde Wellenkalk in Angriff genom 
men. Auch er mußte weichen und hat sich gleich 
sam als Kranz um die Basaltkuppen erhalten. Es 
hatte ja der Basalt seine schützende Decke darüber 
gebreitet, darum war der Wellenkalk an dieser 
Stelle länger vor der Abtragung bewahrt. Schließ 
lich wurde der unter dem Wellenkalk liegende Röt 
bloßgelegt und bildet heute in den Talgründen vor 
wiegend den Boden für die Wiesen und Acker. Aus 
dieser gedrängten Schilderung des ^Werdeganges 
der Landschaftsänderung in der nachbasaltischen 
Zeit geht schon hervor, daß die Fließwaster nicht 
nur die durch die tektonischen Störungen der vor 
basaltischen Zeit entstandene Mulde wieder her 
zustellen suchten, sondern sie gingen darüber hinaus, 
indem sie ihr Bett wesentlich tiefer gelegt haben. 
Sie haben sogar die präoligozäne Landoberfläche 
und die 'darunter liegende Wellenkalkfläche zer 
stört, wo ihnen nicht von dem darüber liegenden 
Basalt die Möglichkeit zum Zugreifen genommen 
war. In seiner heutigen Form ist 
darum der Schlüchterner Kessel 
eine Ausräumungslandschaft. 
Die Ausräumung wurde bewirkt durch das 
fingerartige Hineingreifen der Kinzig und ihrer 
Duellbäche. Charakteristisch für das heutige Land 
schaftsbild ist der Reichtum an Duellen und 
Duellbächen. Das ist kein Zufall. Der Röt bil 
det ja die Talsohle und Röt ist ein ausgezeichneter 
Duellenhorizont. Das Regenwaster sickert durch 
die leicht durchlässigen Schichten deö TOellenkalkeS 
hindurch, aber auf dem wasterundurchlässtgen 
Röt sammelt es stch und kommt in manchmal recht 
kräftigen Duellen zu Tage. 
Ein weiteres charakteristisches Merkmal im 
Landschaftsbilde des Schlüchterner Kessels ist der 
scharfe Unterschied zwischen Hoch und Tief. Diese 
Steilformen sind aus dem Wellenkalk herausge 
arbeitet. Der dünnbankige und leicht bröckelnde 
Wellenkalk erzeugt überall, wo er auftritt, solche 
steile Formen und fällt darum überall als scharf 
herausgearbeitete Schichtstufenlandschaft auf. Be 
sonders auffallend find die Steilformen über dem 
Bahnhöfe Elm. Der Elmbach hat sie geschaffen. 
An dieser Stelle zeigt sich auch, daß der Röt keine 
gesicherte Unterlage für den darüber liegenden 
Wellenkalk ist. Der Untergrund ist vielmehr ge
	        

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