Full text: Hessenland (42.1931)

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Monalöschrist für Landes- und Volkskunde, Kunst und Literatur Hessens 
Herausgeber Dr. C. Hitzeroth, Marburg a. L., Markt 21 /23/ 24, Fernsprecher 54 und 55. 
Enthaltend zugleich die „Mitteilungen" des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. 
12 . dahroong. fielt 7 . Marburg, Wi 1931. 
IohannHeinrich Fuchs, ein „Wolgadeutscher"ausRiederhessen. 
Von I. F ü r e r. 
Seit nunmehr einem vollen Jahrhundert führt 
in Strieders „Grundlage zu einer hessischen Ge 
lehrten-, Schriftsteller- und Künstler-Geschichte" *) 
ein geruhsam verborgenes Dasein die Lebensge 
schichte eines niederhessischen Landsmanns, dessen 
aller Alltäglichkeit spottendes, seltsam abenteuer 
liches Erdenwallen schon an und für sich, zur Zeit 
aber auch noch aus dem besondern Grunde auf ein 
allgemeineres Interesse rechnen dürfte, weil es sich 
hauptsächlich um die Erlebnisse eines der ersten 
deutschen Auswanderer in das Wolgagebiet han 
delt. 
Bevor wir aber besagte, von unseres Helden 
„würdigem Bruder" 1 2 3 ) aufgezeichnete und dem da 
maligen Herausgeber des „Strieder" auf dessen 
Wunsch zur Verfügung gestellte Aventiure ihrem 
still beschaulichen Dasein entreißen, um sie einem 
größeren Leserkreise als dem der Landes- und an 
derer Bibliotheken zugänglich zu machen, muß frei 
lich vorausgeschickt werden, daß Verfasser sich nicht 
auf eine bloße wörtliche Wiedergabe derselben be 
schränken konnte, vielmehr bemüht gewesen ist, die 
betreffenden persönlichen Gescheh- und Erlebnisse 
zugleich aus dem jeweiligen Gesamtgeschehen der 
Zeit verständlich zu machen und ebenso auch, waö 
in der kurzen biographischen Skizze des Bruders 
nicht gut möglich war, in ihren inneren Zusammen 
hängen zu erklären versucht hat. 
Geboren 1735 zu Oberelsungen im Kreise 
WAfhagen als ältester Sohn des v. der IVals- 
burgischen Greben Johannes Fuchs 2 ), schien ihm, 
1) Band 19. 
2) Georg Heinrich Fuchs, s um 1830 als Metropolitan 
in Borken. 
3) „OeutNbes Gelchleöbterbuch" von Körner, Bd. 32, S. 76. 
dem Johann Heinrich Fuchs, freilich das Horoskop 
ans nichts weniger als auf Aventiure und Roman 
tik gestellt zu sein, und auch das, waö wir über 
seine ersten Knabenjahre erfahren, läßt eine, nach 
dieser Richtung drängende, Veranlagung noch kei 
neswegs erkennen. Daß er seinen, wie es scheint, 
ersten Unterricht vom Ortöpfarrer empfing, beweist 
nur, daß schon die Eltern ihn zu etwas Höherem, 
jedenfalls über die seitherige Familientradition 
Hinausgehenden, für berufen hielten. Auch der 
Pfarrherr „entdeckte" lediglich „besondere Fähig 
keiten" in seinem Zögling, so daß der Vater stch 
entschloß, ihn Theologie studieren zu lassen. Und 
als dann Johann Heinrich am „weißen Sonntag" 
1749 als „Oberster der Konfirmanden" 4 ) vor dem 
Altar knien durfte, da mag dies den stolzen Eltern 
schon als ein erster Befähigungsnachweis für den 
ihm bestimmten geistlichen Beruf erschienen sein. 
Inzwischen war aber die Kunde von des Greben- 
sohnes „besonderen Fähigkeiten" auch in das be- 
nachbarte Schloß des Patrimonialherrn zu Esche 
berg gedrungen und hier, wo man bekanntlich auch 
später noch große Talente zu schätzen und zu för 
dern wußte, durfte er fortan an den Lehrstunden des 
v. der Malsburgischen „Informator's" teilnehmen. 
Auch hier ging zunächst Alles gut, Johann 
Heinrich zeigte sich des, ihm vom Schloß- und Pa 
trimonialherrn bewiesenen, Vertrauens und Wohl 
wollens durch „sehr gute Fortschritte" durchaus 
nicht unwert, und niemand ahnte wohl die schicksal 
hafte Bedeutung, die gerade dieser Wechsel in der 
Stätte des Unterrichts für die weitere Entwicklung 
des heranreifenden Jünglings haben sollte. 
4 ) Kirchenbuch der Gemeinde Oberelsungen.
	        

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