Full text: Hessenland (42.1931)

10 
legen f)abe, als in der Verfassungsfrage einen radi 
kalen Sprung ins Dunkle zu Lun. Das steht also 
ganz im Einklang mit der bisherigen Lehrmeinung 
von dem unheilvollen Einfluß der Reichenbach auf 
den Kurfürsten in der Verfastungsfrage. 
In einem am 30. September 1830 aus Offen 
bach geschriebenen Brief 16 ) heißt es auffallender 
Weise u. a.: „Die Kurhefsen, besonders die Ha 
nauer, haben den Anfang gemacht. Sie ver 
langten von ihrem Fürsten eine 
landständische Verfassung, ihr 
Gesuch wurde ihnen abgeschlagen. 
Als die Deputierten nach Hanau zurückkamen, 
las der Bürgermeister dem Volke die Antwort auf 
dem Rathause vor; es gab zuerst ein unwilliges 
Gemurmel unter dem Haufen, dann brach der Ruf 
los: „Es lebe die Freiheit! Nieder mit der 
Maut!" in Zeit von 2 Tagen waren alle 
Maut- und Beamtenhäuser von Fulda bis Hanau 
zerstört, der Kurfürst hat endlich einen Landtag be 
willigt, auf den alle Kurhessen gespannt sind. 
Braubach 17 ) hat eine Konstitution entworfen, 
16) Fuhr, Das Revolutionsjahr 1830 in Offenbach und 
Hanau, „Alt-Offenbach" 1930 S. Zl; vgl. auch Heiler 
Han. Mag. 1930 S. 58. 
17) Obergerichtsprokurator in Hanau. 
Eingang zum Schloß in Hanau 
welche er annehmen soll; den 16. Oktober wird eö 
sich entscheiden " Hier taucht also zum 
ersten Male die Behauptung auf, die Hanauer 
Deputation hätte eine landständische Verfastnng 
vom Kurfürsten verlangt. Auch Heiler 18 ) er 
wähnt eine freisinnige Landesverfassung als Pro 
grammpunkt der Hanauer Deputation; die von 
ihm angeführten Ouellen (Zimmermann und 
Sande) wissen darüber aber nichts zu melden. 
Der unbekannte Hanauer Chronist, besten in 
teressante Aufzeichnungen von Heiler verdienstlicher 
TOeise jetzt nach 100 Jahren über das Hanauer 
„Krawalljahr 1830" veröffentlicht worden find, 
weiß nur zu berichten, die Hanauer Deputierten 
hätten die Nachricht von Kastei mitgebracht, daß 
unverzüglich Landstände einberufen würden, und 
daß auch Hanau, das vorher keine hatte, Depu 
tierte dazu entsenden sollte, um eine pastende, für 
die jetzige Zeit angemessene Repräsentation zu bil 
den und den Einwohnern deö Landes Erleichterung 
ihrer Beschwerden zu verschaffen 19 20 ). Dieser 
Chronist vermerkt weiter, der Kurprinz habe vom 
Altane des Altstädter Schlosses den Hanauern 
versprochen zu bewirken, daß „die Nkaut nicht wie 
der hergestellt werden sollte und, sobald die Landes- 
repräsentanten zusammenkämen, alle Gebrechen 
und Wünsche eingerichtet, verbessert, abgeschafft 
und erneuert" werden sollten 29 ). Erst unter dem 
27. September führt diese Chronik an: „Unter 
den Landleuten 21 ) ist eine fürchterliche Gärung, 
die ihre krasse Unwissenheit noch gefährlicher macht. 
Auch in unserer Umgebung, in Bruchköbel, war 
Meuterei, so durch den Herrn Pfarrer Mertz 
durch dringende Anrede und den dafigen Förster ge 
tilgt worden. Noch an demselben Abend find 
mehrere reitende Bürger nach den Dörfern, um 
den Bewohnern zu sagen, daß der Prinz alles tun 
würde, damit die Maut ganz und gar wegkäme. 
Man sprach davon, eine Verfas 
sung zu verlangen" 22 23 * )... „Am 7. Ok 
tober kam ein Reskript von Kassel an, daß die 
Deputierten des Hanauer Landes gewählt werden 
sollten, um zu dem Landtag am 16. Oktober 1830 
in Kastei zu erscheinen" 2 H. . . . „Es wurden gar 
keine Erklärungen den Einwohnern gegeben, was 
es für eine Bedeutung mit den Landesteputierten 
18) a. a. O. S. 58. 
19) Heiler: a. a. O. S. 59. 
20) H e i l er; a. a. O. S. 6H. 
21) Heiler: a. a. O. S. 63. 
22) Heiler: S. 67. 
23) Ueber die Revolution in Bieber vgl. Blätter der Ver 
gangenheit und Gegenwart (Beibl. z. Hanauer Zeitung.) 1869 
Nr. 117.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.