Full text: Hessenland (42.1931)

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auf und bemächtigte sich des in Fulda und Neuhof 
befindlichen Geschützes. 
Der Steinauer Rat schickte wiederholt Kund 
schafter nach „foll" (Fulda), um zu sehen, „wo 
der Hauff hin wollte", so den Jost Hommel, den 
„Schreiner", den Hans Geisel, den Säu-Adam, 
den Henn Frank, den Adam Schön nnd den 
Stoffel Heil, die sämtlich dafür aus der Stadt- 
kaffe vergütet wurden. Auch dem Schultheißen 
von Schlüchtern wurde von dem Amtmann be 
fohlen, zwei Boten „gegen foll" zu schicken, um 
auszumachen, ob Krieger da wären. 
Ferner sorgte der Rat auf Befehl der Herr 
schaft zu Hanau für die Bereitstellung und An 
lieferung von Lebensmitteln für die zu erwartenden 
Soldaten. In Steinau selbst gingen Zentgraf, 
Bürgermeister, Stadtschreiber und Büttel umher 
und veranlaßten die Wirte, Bäcker, NTnller und 
8Netzger, „daß ein jeder sich mit Wein, brot, mehl 
vnd fleisch sollte geschickt machen". Sie verzehrten 
dabei 3 torn, 8 Heller. Auf die umliegenden Ort 
schaften wurden bezahlte Boten gesandt, damit die 
Bauern Brot schicken sollten. Nach Schwarzen 
fels gingen Hans und Christoph Klug sowie „der 
alte Schneider", nach Krefsenbach Conz Hopfens 
Sohn, nach Schlüchtern „der Sattler". Bellings 
sollte Vieh liefern und Salmünster Ochsen. Aber 
dreimal mußte Peter TLagner dorthin gehen, bis 
es geschah. Auch in Schwarzenfels bedurfte es 
einer Erinnerung und des Eingreifens des herr 
schaftlichen Kellers, bis fich die Bauern zur Liefe 
rung entschlossen. Von Hanau entlieh man Korn. 
Aber auch dorthin mußten zweimal Boten (Hans 
und Adam Rodt sowie Balthasar Faust) geschickt 
werden. Die Gelnhäuser VCirte forderte man auf, 
Wein hierher zu liefern. 
Damit der Schloßtürmer freien Ausblick ge 
wann und rechtzeitig den Anmarsch von Truppen 
melden konnte, mußten auf des Kellers Befehl die 
Hecken und Bäume an der Straße abgehauen wer 
den, was 9 torn. Unkosten verursachte. Das Holz 
kam ins Siechenhaus. 
Als nun der Graf von Oldenburg mit seinen 
Gruppen heranrückte, ritt ihm der Keller entgegen, 
offenbar, um ihn im Namen der Herrschaft zu be 
grüßen. Er erhielt dafür 2 Taler aus der Stadt- 
kaffe. 
Der Kuhhirte wurde durch Adam Schön be 
nachrichtigt, nicht heim zu fahren, sondern, so lange 
die Krieger in der Stadt lägen, draußen zu blei 
ben. Erst als die Soldaten abzogen und die Ge 
fahr einer Requisition des Viehes vorbei war. 
durfte er wieder eintreiben. 
Die Kranken wurden im Siechhause unterge 
bracht und beim Abzüge auf Fuhrwerken wieder 
mitgenommen. Doch scheinen auch Soldaten ge 
storben zu sein; denn es finden sich in der Stadt 
rechnung 4 torn. 5 Heller verzeichnet, welche die 
jenigen erhielten, „die die toten Krieger begruben". 
Als die Truppen weiterzogen, mußten auf Be 
fehl des Amtmanns die Bewohner mit Pferden 
und Ochsen beim Wegschaffen der Geschütze und 
Wagen Vorspann leisten. Allein, man gab ihnen 
die gestellten Zugtiere nicht wieder zurück. Des 
halb eilten der Zentgraf sowie Bartholomäus 
Hopf und Ntäschen Keiser den Truppen bis Geln 
hausen nach, um das von diesen mitgenommene 
Zugvieh wieder zu holen. Sie verzehrten 4 Taler 
Ob sie aber ihren Zweck erreichten, wird nicht ge 
sagt. Diejenigen, die mit den Kriegern gezogen 
waren und dabei ihre Pferde „ausgelassen" hatten, 
erhielten aus der Stadtkaffe i fl. 4 torn. 7 Heller 
Zehungskosten erstattet. 
Als der Graf von Oldenburg später mit seinen 
Truppen in Aschaffenburg lag, wurde er bekannt 
lich von Curt von Hanstein angegriffen. Es gelang 
ihm jedoch, sich dieses Angriffs zu erwehren. 
(Lauze II, 379). Der Steinauer Rat muß von 
dieser Sache Kunde erhalten haben; denn er sandte 
Hennchen Becker nach Aschaffenburg, um fich dort 
nach dem Ausgange des Kampfes zu erkundigen, 
wofür dieser Bote 6^2 torn. 3 Heller erhielt. 
Nachdem am Ende des Feldzuges 1552 die ver 
bündeten Fürsten noch 24 Tage lang Frankfurt 
a. NT, wenn auch ohne Erfolg belagert hatten, 
zogen fie am 3. August zurück. Kurfürst Moritz 
von Sachsen wandte sich nach Donauwörth, Land 
graf Wilhelm von Hessen jedoch eilte heimwärts. 
Ein Teil seines Heeres scheint dabei die Kinzig 
straße benutzt zu haben; denn auf Befehl des Amt 
manns wurde Hans Rodt von Steinau nach Geln 
hausen geschickt, um zu sehen, ob viele Reuter da 
wären. Er erhielt dafür i torn. 6 Heller. Auch 
der Rat sandte Adam Knodt zu gleichem Zwecke 
dorthin und zahlte ihm 3 torn. Vor Gelnhausen 
lagen damals tatsächlich drei Fähnlein. Diese schei 
nen auch durch Steinau gezogen zu sein; denn in 
der Stadtrechnung find 6 torn. 4 Heller für 
8 8Naß Wein in Ausgabe gestellt, die den Bür 
gerschützen gespendet wurden, als sie den Kriegern 
nach Schlüchtern nachjagten, weil diese eine Magd 
mitgeführt hatten. 
Damit enden die Einträge der Steinauer Stadt 
rechnungen über die kriegerischen Ereignisse der 
Jahre 1346 und 1552. Sie find bis jetzt noch 
nicht veröffentlicht worden, gewähren aber ein leb 
haftes Bild von dem Verhalten und den Belästi 
gungen einer kleinen Stadt bei den Durchzügen von 
Truppen damaliger Zeit.
	        

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