Full text: Hessenland (42.1931)

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ten, die dann in dem Volksliede, das vielleicht teil 
weise einem älteren Liede angepaßt ist, ihren Nie 
derschlag fand. 
Basler ist dann auch der Verbreitung des Liedes 
nachgegangen. Es möge hier nur erwähnt werden, 
daß das Lied sich bereits in Haarlem's Oudt Liedt- 
Boeck vom Jahre 1716 (1717?) gedruckt findet, 
daß es in Kurhessen, Nassau, Thüringen, am 
Niederrhein, am Mittelrhein, im Elsaß, in Ba 
den, in der Schweiz, in Württemberg, Bayern, 
Hessen-Darmstadt, im Odenwald und an der 
Bergstraße, in Westfalen, Lippe, Hannover, Ol 
denburg, Schleswig-Holstein, Sachsen, Anhalt, 
Brandenburg, Pommern, Ostpreußen und Schle 
sien nachweisbar ist, von deutschen Regimentern rm 
Weltkrieg gesungen wurde und heute in der Reichs 
wehr bekannt ist. Es ist freilich nicht überall in 
der alten Fassung erhalten. Es ist vielfach „zer 
sungen" worden. Man hat gekürzt, den Namen 
des Regiments geändert (in Österreich und Schle 
sien 8 ) tritt anstelle der Lippe-Dragoner das sehr 
beliebte österreichische Jnf.-Regt. Deutschmeister), 
das Sentimentale abgeschwächt oder ganz weg 
fallen lassen. Das widerfährt ja dem Volksliede 
ganz allgemein. 
Das Lied von den drei Regimentern, die über 
den Rhein zogen, ist nicht das einzige, das aus den 
hesten-kafselischen Truppen hervorgeagngen ist. 
Aber keins von ihnen hat eine so vorzügliche Be 
arbeitung gefunden, wie Bibliothekar Dr. Basler 
sie uns in seinem Aufsäße bietet, für den jeder 
Freund des Volksliedes und jeder Kurhefse ihm 
dankbar sein muß. 
8) Mir selbst ist diese Fassung aus Kattowitz be 
kannt. In Kurhessen singt man, seitdem das Kursürsten- 
tum nur noch 2 Husarenregimeuter, aber keine Dra 
goner mehr besaß, vielfach: „und auch eine Regiment 
Husaren." 
Die Einrichtungsarbeiten im Marburger Museum. 
Als das (Museum im Jubiläumsbau der Uni 
versität im Sommer 1927 znm erstenmal der 
Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, da war 
mancher wohl überrascht von der Fülle bedeutsamer 
Kunstwerke, die da vereint waren, und auch der 
Kenner der Sammlungen des Geschichtsvereins 
auf dem Schloß und der Schätze der Elisabeth 
kirche, die bis dahin in der Küsterei der Kirche 
aufgehoben waren, hatte feine Freude daran, wie 
die einzelnen Stücke in den neuen Räumen und in 
den guten Lichtverhältnissen zur Wirkung kamen. 
Trotzdem konnte kein Zweifel bestehen, daß die 
Aufstellung der gebotenen Eile entsprechend nur 
einmal fürs erste und im groben geschehen war. 
Inzwischen hat nun — ermöglicht vor allem 
durch die tatkräftige Förderung des Universitäts- 
kurators — im Stillen der eigentliche Einbau der 
Sammlungen eingesetzt. Nach dessen Fertig 
stellung werden Universität und Stadt Marburg 
ein Museum besitzen, das als ein Spiegel der kunst 
reichen Vergangenheit Marburgs die Freude an 
Kunstwerken und die Kenntnis der Geschichte Hes 
sens zu vertiefen, Möglichkeit gibt. Zugleich wird 
sich dann erst erweisen, wie über alle Erwartungen 
stichhaltig die Sammlung Ludwig B i ck e l l 6 ist, 
die er in einem Leben voll Opfer und Mühen zu 
sammenbrachte. 
Die frühere Unterbringung der Sammlung im 
Schloß war ja bei den ganz ungeigneten Räum 
lichkeiten nur eine Sache der Not — fast die 
Von Dr. Albrecht Kippenberger. 
Hauptbestände mußten Jahrzehnte in Truhen und 
Kisten, oder zu Stapeln bis zur Decke geschichtet, 
in den kalten und feuchten Nebenräumen des 
Schlosses, wie z. B. in dem sogen. Grünen Ge 
wölbe oder im Burgverließ, im Verborgenen 
schlummern. Der wahrhaft malerische Anblick, 
den diese Räume boten, wie da Orgelpfeifen, Teile 
von Epithaphien, mittelalterliche Fliesen, Räder 
werk von Turmuhren, ein verschlissenes Ante- 
pendium, dessen bunte Wappen noch durch den 
Staub leuchteten, ein blanker Schädel, dem irgend 
jemand einen Dreimaster aufgedrückt, dann Waf 
fen, schmiedeeiserne Gitter, Zinnleuchter, Kattun 
druckstöcke, Steinportale durcheinanderlagen, ent 
schädigte höchstens doch nur den ganz Unbeteiligten. 
Der Blick durch die Luke in das Verließ, durch 
die früher den Gefangenen das Esten gereicht 
wurde, mochte dem, der zum Ordnen und Sichten 
die dunkle, schmale Treppe in die modrige Luft 
hinunterstieg, wohl manchmal den Mut sinken 
lassen. 
Das kleine Gewölbe mit an den Wänden herum 
laufenden Schränken, in dem sich Bickell inmitten 
feiner Sammlung eingerichtet hatte, atmete noch 
ganz die Persönlichkeit jenes ungewöhnlichen (Man 
nes. Da schien vieles fast noch unberührt feit der 
Zeit, wo er hier fein kleines, aber so auskunfts 
reiches Inventar führte, wo er Gipsabdrücke nahm, 
photographische Apparate konstruierte — von denen 
noch manche umherstanden —, Metallarbeiten
	        

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