Full text: Hessenland (42.1931)

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Monatsschrift sur Landes- und Volkskunde, Kunst und Literatur Hessens 
Herausgeber Dr. C. Hitzeroth, Marburg a. L., Markt 21/23/24, Fernsprecher 54 und 55. 
Enthaltend zugleich die „Mitteilungen" des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. 
4LMrgang. 
Seit 6. 
Marburg, 8uni ISA. 
Es zogen drei Regimenter wohl 
König Jakobs II. von England Bestreben, das 
evangelische England dem katholischen Bekenntnisse 
wieder zuzuführen, hatten beide parlamentarische 
Parteien, die Whigs und die Torys, zu Verhand 
lungen mit Jakobs Schwiegersohn, dem Erbstatt 
halter der Niederlande, Wilhelm von Oranien, 
veranlaßt, die darauf hinausliefen, Jakob des 
Thrones zu entsetzen. Als Wilhelm sich 1688 ent 
schloß, zu diesem Zwecke mit seinen Truppen den 
Kanal zu überschreiten, glaubte er, sichere Kennt 
nis von einem Bündnis zwischen Jakob II. und 
König Ludwig XIV. von Frankreich zu haben. Er 
mußte deshalb fürchten, daß letzterer ihm in den 
Rücken fallen und die von Truppen entblößten 
Niederlande besetzen würde. Um sich und seine 
Lande dagegen zu schützen, schloß Wilhelm mit den 
militärisch kräftigsten protestantischen Staaten 
Verträge über Stellung von Hilfstrnppen, die beim 
Aufbruch Wilhelms in den Sold der General 
staaten treten, die Niederlande besetzen und gegen 
einen französischen Überfall decken sollten. Bran 
denburg versprach 6000 Mann, Braunschweig 
4000 Mann, Württemberg 1000 MRnn und 
Hessen-Kassel 2000 Mann zu stellen. Zur Teil 
nahme an diesem Hilfskorps bestimmte Landgraf 
Karl von Hessen: 
das Regiment zu Pferd Nafsau-Weilburg, 
„ „ „ Fuß Prinz Friedrich, 
„ Dragoner-Regiment Graf zur Lippe. 
Das Regt. zu Pferd x ) Nafsau-Weilburg war im 
Jahre 1684 von dem Grafen Johann Ernst von 
Nafsau-Weilburg als Kompagnie zu Pferde er 
richtet worden. Bei dem Ausmarsch im Jahre 
1688 wurde diese Kompagnie durch Abgabe von 
I ) Damalige Bezeichnung der Kürassier-Regimenter. 
über den Rhein. 
Von Zolldirektor i. R. W 0 r i n g e r. 
Leuten und Pferden des Leibrgts. zu Pferd und des 
im Jahre 1687 aufgestellten Regts. zu Pf. Hefsen- 
Rotenburg zu einem Regt. von Z Komp, ergänzt 
und unter das Kommando des Obersten v. Kärfsen- 
bruch 2 3 ) gestellt. Chef blieb der Graf von Nassau 
bis zu seinem, 1689 erfolgten Abgang aus hessi 
schem Dienste. Das Regiment ist 1697 als Regt. 
zu Pf. des Grafen Ferdinand zur Lippe-Brake ein 
gegangen. 
Das Regiment zu Fuß Prinz Friedrich wurde 
für den Feldzug von 1688 neuerrichtet und erhielt 
den damals 12 Jahre alten Prinzen Friedrich, den 
späteren Landgrafen Friedrich I., König von 
Schweden, zum Chef. Kommandeur wurde der 
Oberst Anton Dettef von Schwerin Z. Das Regt. 
ist 1919 als kgl. preußisches Jnf.-Regt. Landgraf 
Friedrich I. von Hefsen-Kafsel (i. kurhesfisches) 
Nr. 8i eingegangen. 
Das Dragoner-Regiment zur Lippe bestand seit 
1678. In diesem Jahre wurde von dem Ritt 
meister Falk Arnd von Friesenhausen eine Kom 
pagnie Dragoner errichtet, die 1662 auf ein Re 
giment von 4, 1683 von 6 Komp, verstärkt wurde. 
1683 erhielt das Regiment den Grafen August 
2) Bernd Simon von Kässenbruch aus dem Hause 
Barntrup (in Lippe) stand zuerst in französischen Dien 
sten, trat 1684 als Oberstleutnant und Kommandeur 
des Regts. Gensdarmes in hessische Dienste, wurde 
1686 Oberst, 1692 Brigadier, 1693 Generalmajor und 
Drost zu Rodenberg, 1706 Generalleutnant. Er starb 
nach 1709. 
3) Geb. 8.6.1630 in Löwitz, war 1687 Oberstleut 
nant im Leibregt, zu Fuß, wurde 9.3. 1687 Oberst 
darin, 22.6.1687 zugleich Kommandant von Kassel, 
1693 Brigadier, 20.7. 1693 Generalmajor, 1697 zu 
gleich Oberamtmann der Niedergrafschaft Katzenelnbo 
gen, 6.8. 1698 Generalleutnant, ging bald darauf in 
holländische Dienste. Er starb 30.8.1707 in Putzar.
	        

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