Full text: Hessenland (42.1931)

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Bande getragen. Gegossen war sie aus der Bronze 
erbeuteter Geschütze. 
Zu den Fahnen sei noch nachzutragen, daß auch die 
der Bürgergarde und (wahrscheinlich) der Schutzwache 
von *8H8 im Museum hängt; die Standarte der ein 
zigen Eskadron trägt seltsamerweise die Bezeichnung 
„*. Eskadron". 
Der Schriftführer, Erster Bibilotheksrat Dr. I s - 
r a e l sprach Zolldirektor woringer in herzlichen 
Worten den Dank der versammelten Hörer aus, deren 
reges Interesse die vielfachen Fragen während der 
Führungen bekundet hatten. Er dankte auch den Be 
amten des hessischen Landesmuseum, die sich dem 
Verein für die früheren Führungen zur Verfügung ge 
stellt hatten. —c— 
Zweigverein Marburg. 
Ani Freitag, dem *3. Februar, sprach Herr Kam 
merdirektor a. D. Müller aus Darmftadt über 
„Alte Straßen in der näheren und weiteren Umgebung 
von Marburg". Der Redner hatte bereits im herbst 
1929 auf der Tagung des Gesamtvereins der Deut 
schen Geschichts- und Altertumsvereine in Marburg 
einen Vortrag über fein Forschungsgebiet gehalten, 
der aber nur von einer geringen Anzahl Mitglieder 
des Marburger Zweigvereins besucht werden konnte. 
Wie groß das Interesse an der Sache und auch an der 
Persönlichkeit des Redners war, dem die Straßenfor 
schung dank seiner überaus gründlichen Methode wert 
volle Ergebnisse verdankt, bewies die außerordentlich 
zahlreich erschrenene Zuhörerschaft. 
Der vortragende begann damit, an Hand einer im 
Lichtbild vorgeführten Straßenkarte das • alte hessische 
Straßennetz zu zeigen, wie es, sich von Mainz aus 
breitend, das Limesgebiet durchzog, die Städte Mar 
burg und Alsfeld aber freiließ, während Grünberg 
schon früh einen wichtigen Knotenpunkt bildete. Sich 
den einzelnen Straßen zuwendend, brachte Kammer 
direktor Müller Nachweise aus Urkunden und Akten 
zunächst für die Weinstraße. Als ältesten Beleg für 
sie sprach er die strata Logena eines weiterer Weis 
tums aus dem * 3 . Jahrhundert an. weiter beschäf 
tigte er sich mit den Straßen durch den Ebsdorfer 
Grund und den von hier nach Marburg hinführenden 
Verbindungswegen. verhältnismäßig spät erst ist 
eine Talstraße im Lahntal selbst nachzuweisen, die aber 
immerhin spätestens im *<*. Jahrhundert angelegt wor 
den sein muß. In der Frage, ob die Weinstraße und der 
von Marburg nach Gberweimar führende psaffensteg 
identisch seien, entschied sich der Vortragende dahin, 
daß die Weinstraße über Niederweimar führte, der 
wichtige Mitteilung. 
An die Mitglieder des hessischen Geschichts 
vereins ergeht auf mehrere Anfragen hin die Mit 
teilung, daß der Jahresbeitrag von Mk. 4,50 für *930 
noch nicht einkassiert worden ist. Die Erhebung des 
Jahresbeitrags für *930 und womöglich auch der 
für *93* soll gleichzeitig mit dem Versand des 
neuen Bandes der „Mitteilungen" stattfinden, der sich 
z. Z. im Druck befindet und mit dessen Ausgabe wir 
binnen Monatsfrist rechnen. Alle diejenigen Mitglie 
der, die Einzelbeträge seither nicht an die Vereinsvor 
sitzenden, sondern unmittelbar an den früheren Verlag 
in Lschwege abgeführt haben, können den Beitrag von 
Mk. <*,50 für *930, also evt. Mk. 9,— für die Jahr 
gänge *930 und *93* unmittelbar zahlen an die 
Pfaffensteg nur dem in seinem Namen ausgesproche 
nen Zweck, einer Verbindung Marburgs mit seiner 
Mutterkirche in Gberweimar gedient hat und nur kurz 
vor Gckershausen eine Strecke gemeinsam mit der 
Weinstraße gelaufen sei. Darauf teilte er eine große 
Anzahl aus Salbüchern und Katastern gezogene Flur 
namen mit, mit deren Hilfe sich die Straßenzüge rekon 
struieren oder überhaupt erst feststellen ließen. Frei 
lich treten diese Namen nicht selten in einer ganz ver- 
balhornten Form auf. Interessant war die Deutung 
des Flurnamens „am Llsbeth, ani Elsabeth" als „am 
Elswifdjt" d. h. am Elsen-Erlenholz. 
Die weitere Entwicklung des Wegenetzes war eine 
Folge der Entwicklung der territorialen Verwaltung; 
die Mittelpunkte der verwaltmig Marburg, Alsfeld, 
Grünberg und Gießen machten eine Verbindung unter 
einander erforderlich. Als wichtiger Straßenschnitt- 
punkt erwies sich die spätere Wüstung Lampertshausen 
zwischen Wittelsberg und Roßdorf. 
Zum Schluß beleuchtete der vortragende den Zu 
sammenhang zwischen der Straßenforschung und der 
Landes- und Reichsgeschichte. Für die Römerzeit 
führte er an, daß die Römer bereits ein wohlorgani 
siertes Straßennetz vorgefunden haben müssen, daß Ger- 
manicus im Jahre *5 auf mehreren Straßen durch 
Hessen gezogen ist. Die geschichtlichen Beziehungen im 
8 . Jahrhundert knüpfen sich an den Namen des Boni- 
ratius, der sich in Seelheim und Amöneburg aufhielt 
und von hier nach Fulda gezogen ist. Der Ebsdorfer 
Königshof an der Ebsdorfer Straße bot den deurfchen 
Kaisern und Königen Wohnung. Eine eingehende 
Besprechung fand schließlich die Bonifatiusstraße von 
Amöneburg nach Fulda, an der besonders interessant 
ist, daß sich die alten Beziehungen zu Bonifatius in 
einer ganzen Reihe von alten Kirchen mit Bonifatius- 
Patrozinien längs der Straße zu erkennen geben. Mit 
dieser Betrachtung der Straße als Ausdruck der Ge 
schichte schloß der Redner seinen Vortrag, den er als 
Beitrag zur Förderung des Interesses an der For 
schung im heimatgebiet aufgefaßt wissen wollte, einer 
Forschung, die sich dann weiter auswirkt zum Segen 
des Landes, Volkes und Reiches. Herrn Kammer- 
direktor Müller wurde reicher, wohlverdienter Beifall 
zuteil. 
Für Mittwoch, den <*. März hatte der Zweigverein 
Marburg feine Mitglieder zu einem vom Verein für 
Heimatschutz in Kurhessen veranstalteten Heimatabend 
miteingeladen. Herr Amtsgerichtsrat von Bau m - 
dach in Fronhausen hielt einen Lichtbildervortrag 
über „Das hessische Dorf und seine Kultur". Die Leser 
werden für diesen Vortrag auf den Kasseler Bericht 
in heft 2 dieses Jahrgangs S. 60f. verwiesen. 
Sparkasse und Leihbank der Stadt Marburg auf Konto 
Nr. 233 N. G. Llwert, Marburg; Sonderkonto: ver 
ein für hessische Geschichte und Landeskunde, post- 
scheckkonto (der Sparkasse): Frankfurt a. M. ** 575 . wo 
das Inkasso seither durch den Vorsitzenden der Zweig 
vereine erfolgt ist, versenden wir an diese die Gesamt 
zahl der „Mitteilungen" und bitten uns ebenso die 
Gesamtsumme der Beiträge der Mitglieder auf das 
oben genannte Konto zu überweisen und zwar pro 
Mitglied Mk. ¿*, 50 , während etwaige Grtszuschläge 
die Vereinsvorsitzenden selbst für die Zwergvereine 
einbehalten. 
N. G. Llwert'sche Universitätsbuchhandlung 
(G. Brau n), Marburg/Lahn.
	        

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